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Kinderliteratur

Der Krieg und das Mädchen

  • vonCornelia Geißler
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„Rosalie“, ein schmales, nachdenkliches Kinderbuch des französischen Schriftstellers Timothée de Fombelle.

Der Vater ist im Krieg. Die Mutter muss in der Fabrik arbeiten. Rosalie ist zu alt für die Kinderfrau und zu jung für die Schule. Der Lehrer erlaubt ihr, hinten im Klassenraum zu sitzen. „Mit meinen Schuhen, dem Kleid und meinem roten Haar habe ich mich als fünfeinhalbjähriges Mädchen getarnt.“ Timothée de Fombelle lässt in seinem Buch „Rosalie. Als mein Vater im Krieg war“ das Mädchen selbst erzählen.

„Um nicht aufzufallen, trage ich keinen Helm und keine Uniform“, sagt Rosalie, denn sie spielt für sich, dass sie nur eine Rolle spielt. In ihrer Vorstellung ist sie ein Hauptmann auf geheimer Mission, setzt selbst fort, was der Vater im Herbst 1916 an der französischen Front des Ersten Weltkriegs tut. „Ich habe gehört, dass die Soldaten sich mit Farnkraut tarnen, das sie an ihre Uniform nähen. Mein Farnkraut sind aufgeschlagene Knie, abwesende Blicke, kleine Lieder, die ich vor mich hinsinge, um wie ein kleines Mädchen zu wirken.“ Tobias Scheffel und Sabine Grebing haben die oft kurzen, oft nachdenklichen Sätze ins Deutsche übertragen.

Das Buch

Timothée de Fombelle: Rosalie. Als mein Vater im Krieg war. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel und Sabind Grebing. Gerstenberg, Hildesheim 2020. 65 S., 15 Euro.

Die Briefe des Vaters

Abends zu Hause liest die Mutter aus den Briefen des Vaters vor. „Ich schließe die Augen. Ich mag diese Geschichten nicht.“ Denn offenbar ahnt Rosalie bereits, was die Leserinnen und Leser noch nicht wissen können: Die Mutter erfindet den Text. Auch sie spielt nämlich eine Rolle, sie glaubt, ihrem Kind helfen zu können, wenn sie Optimismus verströmt und eine gute Zukunft verspricht. Das zeigen auch die zart getuschten Bilder von Isabelle Arsenault, die sich durch das Buch ziehen. Oft ragen sie nur wie Vignetten in den Text hinein, manchmal füllen sie ganze Seiten. Sie erzählen die Geschichte ein bisschen weiter.

Wer sich schon länger mit Kinderliteratur beschäftigt, wundert sich vielleicht, ein so schmales Buch von diesem Autor zu entdecken. 64 Seiten umfasst der Band nur, der vorn wie ein altes Schulheft beschriftet ist. Timothée de Fombelle hat mit „Vango“, „Tobie Lolness“ und „Die wundersamen Koffer des Monsieur Perle“ schon regelrechte Schmöker für Kinder verfasst, sehr fantasievoll, spannend und mit Tiefe. Seine Kunst erscheint hier verdichtet. Sie ist für Kinder gedacht, die bereits lesen können oder wenigstens dabei sind, es zu lernen. Denn dieses Buch erzählt nicht nur von einer Familie von vor hundert Jahren, sondern auch von der Welteroberung durch das Lesen.

Es kommt der Tag, da Rosalie anwendet, was sie auf dem hintersten Platz im Klassenzimmer mitbekommen hat. So traurig der Moment davor wirkte, so tröstlich erscheinen dann diese Seiten: Die Mutter muss ihrem Kind nichts mehr vorspielen. Und auch Rosalie legt ihre Rolle ab. Sie haben einander.

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