Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zwei Figuren fischen im Trüben in Thessaloniki - im Roman, anders als auf diesem Thessaloniki-Bild, ganz ohne Nebel.
+
Zwei Figuren fischen im Trüben in Thessaloniki - im Roman, anders als auf diesem Thessaloniki-Bild, ganz ohne Nebel.

Kriminalroman Orkun Ertener "Lebt"

Thessaloniki in allen Einzelheiten

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Orkun Erteners furios startender, dann aber auf Grund laufender Roman „Lebt“ hätte einer der besten Krimis des gerade vergangenen Jahres werden können.

Der Name des Drehbuchautors Orkun Ertener dürfte Fans der TV-Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ bekannt sein. „KDD“ stand im deutschen Fernsehen für eine Qualität, die sich drei Staffeln lang an hochgelobten amerikanischen und britischen Serien messen konnte. Dazu gehörte der Verzicht auf Umständlichkeit und Krimiplattitüden, gehörten schnelle Schnitte und entschiedene Auslassungen.

Vielleicht hatte der 1966 in Istanbul geborene Ertener nach Ende der Serie das Bedürfnis, einmal in aller Ausführlichkeit zu erzählen. Das Thema, für das er sich bei seinem ersten Roman entschied, muss ihn heißen Herzens umgetrieben haben. „Lebt“ heißt der so entstandene, knapp 650 Seiten starke Erstling, Anliegen sind Ertener darin die Geschichte türkischer Juden und die messianische jüdische Bewegung der Dönme.

Dubios verwickelte Familiengeschichte

Mit den allerersten Sätzen versteht der Autor mehr als nur Interesse zu wecken, auf 100, 150 Seiten bindet er einen dann an die Hauptfiguren Can Evinman, Ghostwriter mit geheimnisvoller Familiengeschichte, und Anna Roth, berühmte Schauspielerin (Can soll ihre Autobiographie schreiben), deren Ehemann dubios in die Geschichte der Evinmans verwickelt ist. Die beiden retten einen uralten Mann, recherchieren gemeinsam – und durchaus nicht für die Biographie – und reisen schließlich nach Thessaloniki, denn von dort hat Can eine alte Fotografie mit ihm und seinen einst tödlich verunglückten Eltern.

In Thessaloniki dann setzt Ertener seinen so furios gestarteten Roman unerklärlicherweise auf Grund. Geschichts-Detail um -Detail reiht er aneinander, auf kein Rechercheergebnis verzichtet er. Die Lektüre von „Lebt“ wird dadurch so mühsam, wie sie vorher erfrischend ungewöhnlich und klischeefrei war. Viele Namen kommen hinzu, und leider möchte man diese Figuren gar nicht mehr näher kennenlernen und etwa wissen, wo sie welche Fabrik und welchen Handel hatten. Wäre Ertener beim Schneiden und Auslassen geblieben, „Lebt“ hätte einer der besten deutschen Krimis des vergangenen Jahres werden können.

Orkun Ertener: Lebt. Roman. Scherz Verlag, Frankfurt 2014. 640 Seiten, 19,99 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare