Nachruf

Zum Tod des Theologen Klaus Berger: Der Traum von einer Sache

  • Arno Widmann
    vonArno Widmann
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Umfassbar gelehrsam, gänzlich unbelehrbar: Der Theologe Klaus Berger ist mit 79 Jahren in Heidelberg gestorben.

Am 8. Juni starb Klaus Berger. Er starb an seinem Lebensort: am Schreibtisch. Der 1940 in Hildesheim geborene in Heidelberg lehrende Professor war einer der fruchtbarsten und umstrittensten Erforscher des Neuen Testamentes. Seine zusammen mit seiner Ehefrau Christiane Nord verfasste Neuübersetzung des gesamten Corpus der frühchristlichen Schriften „Das Neue Testament und frühchristliche Schriften“ (Insel, Frankfurt 1999) ist in meinen Augen die beste Art, sich mit diesem zentralen Teil der christlichen Überlieferung vertraut zu machen.

Die Kirche widersprach

In seiner Dissertation vertrat Klaus Berger im Jahr 1966 unter anderem die Auffassung, Jesus habe das mosaische Gesetz nicht abschaffen wollen. Die katholische Kirche widersprach damals dieser Ansicht. Berger wurde die Möglichkeit, Priester zu werden und eine Professur an einer katholischen Fakultät verwehrt.

Die ihm Unterschlupf gewährende protestantische Kirche verärgerte Klaus Berger dann mit seiner Habilitation, in der er die Auffassung vertrat, Jesus sei nicht der einzige gewesen, der auferstanden sei. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2006 lehrte er als Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Statt das als gelebte Ökumene von katholischem und protestantischem Christentum zu betrachten, startete kurz vor seiner Emeritierung eine Kampagne, ihn als Kryptokatholiken zu überführen. Im 21. Jahrhundert!

Klaus Berger war von unfassbarer Gelehrsamkeit und gleichzeitig, was seinen Glauben anging, gänzlich unbelehrbar. „Wenn Jesus Gott ist, ist er allmächtig und kann auch auf dem Wasser gehen“, erklärte er zum Beispiel. Dass man daraus auch den umgekehrten Schluss ziehen konnte, dass die Gotteserfindung selbst ein Stück menschlicher Märchenwelt sei, verstand er sehr gut. Aber er fand, das sei kein unausweichlicher Schluss.

Klaus Berger war ein Erweckter, der festgehalten hatte an seiner Glaubenserfahrung. Ich denke, Klaus Berger war überzeugt davon, dass das Ende – ein ihn immer umtreibendes Thema: er hatte die größte private Sammlung apokalyptischer Schriften – nichts war als der Anfang von etwas, das schon einmal gewesen war.

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