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Tausend blinde Flecken

  • Norbert Mappes-Niediek
    VonNorbert Mappes-Niediek
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Balkan und der 11. September

"Südosteuropa", schließt Jürgen Elsässer nach der Lektüre einiger Bücher zu Al Qaeda und zum islamistischen Terror, "ist die Terra incognita einer Welt, in der es ansonsten von fundamentalistischen Kopfjägern nur so wimmelt." In der Tat: Vom Balkan ist selten die Rede, wenn es um den 11. September geht, und Elsässer kommt das Verdienst zu, diese Lücke mit einem gut lesbaren Buch geschlossen zu haben.

Die Lage ist Besorgnis erregend. Erst Anfang Juni wurden in Albanien - was der Autor nicht wissen konnte - wieder Konten zweier Organisationen eingefroren, die sich scheinbar im Moscheenbau und in humanitärer Hilfe engagierten, in Wirklichkeit aber Geld wuschen und wahrscheinlich den Terror unterstützen. Vor wenigen Wochen erst kamen im Süden des Landes zwei junge Männer bei dem Versuch um, eine Handy-Bombe zu basteln - Teilnehmer eines Kurses der "Revival of Islamic Heritage Foundation". Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann es zu einem Anschlag kommt.

Einen Nährboden findet der Terror in der zunehmenden Islamisierung unter Muslimen auf dem Balkan. Das trifft vor allem für Bosnien zu - für die kulturellen Steppen der Nachkriegszeit also, wo sich saudische und iranische Fundamentalisten mit harmlosen Computerkursen und vor allem viel Geld an orientierungslose junge Leute heranmachen. Ein noch wichtigerer Nährboden aber ist - in Bosnien und besonders in Albanien - die Schwäche des Staates: Keine Polizei kriegt mit, was international finanzierte Firmen in Vlora oder Tirana treiben, und wenn doch, ist deren Stillhalten nur eine Frage des Preises. Elsässer weist die biografischen Spuren von Al-Qaeda-Aktivisten auch in den Mudschaheddin-Einheiten nach, die im bosnischen Krieg auf der muslimischen Seite gekämpft haben. Ein Kapitel leuchtet ihr politisches Umfeld aus, das bis in die Führungsriege der "Partei der demokratischen Aktion" reicht.

These für die Märchenstunde

Wo der Autor versucht, aus den Einzelheiten ein politisches Gesamtbild zusammenzusetzen, wird es dann allerdings oft schief. Dass Jugoslawien mit seiner "glücklichen Mixtur" aus schwermütigen und fröhlichen Menschen zu Anfang der neunziger Jahre von "Ewiggestrigen" und ausländischen Geheimdiensten aus einem paradiesischen Zustand gerissen wurde, wie Elsässer glaubt, ist eher eine These für die Märchenstunde. Zu unscharf sind bei ihm die Grenzen zwischen der "muslimischen" Normalbevölkerung in Bosnien, die sich zunächst als Nation und nicht als Konfession versteht und als solche im Krieg ebenso wie Serben und Kroaten ihre Armee unterhielt, und den fanatischen Gotteskämpfern, die meistens aus dem arabischen Ausland stammten.

Vor allem aber ist das "schwarze Loch" Albanien auch für Elsässer offenbar ein blinder Fleck. Dass etwa die Zeitung Gazeta Shqiptare schreibt, Osama bin Laden verfüge über "tausende albanische Pässe", lässt auf die Wirklichkeit keinerlei Rückschlüsse zu. Der Balkan, und besonders Albanien, ist nicht nur ein Hort der organisierten Kriminalität, sondern auch die Heimat der freien Erfindung und der üblen Nachrede. Das macht dem Rechercheur die Arbeit schwer. Oder auch leicht - ganz wie man's nimmt.

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