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Tana French. Foto: Jessica Ryan
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Tana French.

Tana French

Tana French: „Der Sucher“– Zugezogen in Ardnakelty

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Tana Frenchs Roman „Der Sucher“ ist nicht nur ein Krimi, sondern erzählt auch vom Fremdsein in der irischen Provinz.

Von ihrem ganz eigenen Spannungsliteratur-Ast aus blickt die 1973 in den USA geborene, in Dublin lebende Tana French auf die Welt. Seit ihrem vor knapp 15 Jahren erschienenen Erstling verschmäht sie die handlungsgetriebene Geschichte. Vielmehr spinnt sie feine psychologische Fäden, schaut gleichsam durch die Lupe auf die Befindlichkeiten ihrer Figuren – und umgibt diese doch auch mit Geheimnissen. Manchmal meint die Leserin, aus dem Augenwinkel etwas wahrnehmen zu können. Aber ehe Gewissheit entsteht, ist der Text schon weitergehuscht zu neuen Rätseln.

French ruht sich auch nicht auf einmal erdachtem Personal aus, schreibt keine Serien, schiebt an den Rand, wer bereits im Mittelpunkt stand. Vermutlich werden wir also von Calvin Hooper, einem mittelalten, allenfalls mittelinteressanten Ex-Cop aus Chicago, einem Fremden im Westen Irlands, nie wieder lesen, auch wenn die Geschichte durchaus weitergehen könnte. Cal ist in einem doppelten Sinn der „Sucher“ des Titels (Orig. „The Searcher“, 2020): Nicht nur sucht er nach einem Neuanfang in seinem Leben – seine Frau hat sich scheiden lassen, seinen Job hat er aufgegeben und in Irland ein altes Haus gekauft. Er lässt sich auch nach längerer Weigerung dazu überreden, nach einem jungen Mann zu fragen, der spurlos verschwunden ist. Trey, jüngeres Geschwister des Verschwundenen und ein wildes, verwildertes Kind, bittet ihn darum und kann verflixt penetrant sein. Außerdem kann es einem leid tun: Der Vater hat die Familie sitzengelassen, die Mutter kommt kaum über die Runden. So dass Cal Hooper Trey auch regelmäßig etwas zu Essen macht.

Das Buch

Tana French: Der Sucher. Roman. A. d. Engl. v. Ulrike Wasel/Klaus Timmermann. Scherz, Frankfurt a. M. 2021. 496 S., 22 Euro.

Cal beobachtet die Krähen, die sich immer auf einem Baum vor seinem Haus versammeln. Cal geht ins Pub und zum Einkaufen. Cal renoviert und spürt von der Schufterei seinen Rücken. Cal überlegt, ob er sich einen Hund anschaffen soll. Tana French liebt die detailreichen Alltagsbeschreibungen, nutzt sie als retardierendes Element. Und beherrscht die Kunst, dies nicht langweilig werden zu lassen.

Den Ex-Polizisten Cal Hooper, der nun in Irland darüber nachdenkt, was er bisher in seinem Leben falsch gemacht hat, umgibt French mit einer teils ziemlich kuriosen, aber nicht überzeichneten Dorfgemeinschaft. Nachbar Mart, der Leute gern totquatscht und den zugezogenen Cal mehr oder weniger rabiat einzunorden bzw. einzuiren versucht. Farmer Bobby, der an Außerirdische glaubt. Ladenbesitzerin Noreen, die den feschen Amerikaner mit ihrer Schwester zu verkuppeln versucht. Besagte Schwester Lena, herb und kühl. Donie, nicht gerade helle, aber immer wieder mit Drogenhändlern aus Dublin rumhängend. Garda Dennis O’Malley, der einfach nur nette Provinzpolizist. Sheila Reddy, misstrauisch und so arm wie stolz. Und Brendan Reddy, der das Dorf vielleicht einfach nur satt hatte, der also nach Dublin oder London gegangen sein könnte. Der allerdings auch tot sein könnte.

Ardnakelty nennt Tana French das fiktive irische Kaff, in dem die Alten bald unter sich sein werden, weil die Jungen weg wollen. Fremde ist man nicht gewöhnt in Ardnakelty, schon gar keine, die kommen, um zu bleiben. Im Pub schließen die Männer Wetten darauf ab, wie lange es der Ami bei ihnen aushält. Cal ist indessen klar, dass er bei seiner Suche nach Brendan Reddy an Dinge rühren könnte, über die Einheimische lieber schweigen. Sie waren hilfsbereit, als er kam, sie schienen ihn als „mäßig interessantes Naturphänomen“ akzeptiert zu haben. Aber trotz seiner sprachlichen Schwierigkeiten „hat er genug mitbekommen, um zu wissen, dass er sich im Pub auf den Hocker von irgendjemandem gesetzt haben oder bei seinen Spaziergängen über das falsche Grundstück gegangen sein könnte und dass das etwas bedeuten würde.“

„Der Sucher“ erzählt weniger von einem Kriminalfall als vom Gefühl, als Fremder in eine eng verbundene Gemeinschaft zu kommen, in der jeder jeden kennt und deren Regeln es zu lernen gilt. Und wenn man Glück hat, tritt man bis dahin nicht allzu oft daneben.

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