Fußball

Taktik für jedermann

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Sanjeev Shetty beschreibt in seinem Buch "Totaler Fußball", wie der Fußball zu dem wurde, was er ist.

Der Taktikdiskurs als solcher hat längst den Hinterzimmermief der Trainerkabinen abgestreift, er ist ins mediale Rampenlicht getreten. Im ZDF-Sportstudio, wo Ende der Neunziger noch Ralf Rangnick einen professoralen Auftritt an der Taktiktafel hinlegte, für den er vom Establishment des deutschen Fußballs beziehungsweise von jenen, die sich dafür hielten, nachgerade verspottet wurde, in diesem Sportstudio also finden heute wie selbstverständlich Taktikanalysen zu Bundesligaspielen statt. Es gibt im Netz tausend Taktikblogs, auf Seiten wie spielverlagerung.de werden regelrechte Essays zu einzelnen Spielen und größeren taktischen Entwicklungen veröffentlicht. Monografien zum Thema schießen aus dem Boden.

Bringt’s das also, ein weiteres Buch wie „Totaler Fußball“ von Sanjeev Shetty, einem britischen Sportjournalisten, unter anderem für die BBC? Braucht man das?

Einerseits nein. Andererseits ja. Wer sich bereits durch die Standardwerke gearbeitet hat, durch „Der Ball ist rund, damit das Spiel die Richtung ändern kann“ (Christoph Biermann, Ulrich Fuchs) oder „Revolutionen auf dem Rasen“ (Jonathan Wilson) kann auf Shettys Buch verzichten, das keine Neuigkeiten enthält. Eigentlich.

Uneigentlich liegt hier ein äußerst eingängiges Werk vor, in dem auf langatmige Beschreibungen verzichtet wird. Stattdessen setzt Shetty auf grafisch ansprechende Schaubilder, um die taktischen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte anhand wegweisender Spiele darzustellen. Die Philosophien werden vorgestellt und die Menschen dahinter, und entstanden ist ein bekömmliches Buch über Taktik und Fußballgeschichte, mit dem sowohl Kenner als auch solche, die es werden wollen, ihren Spaß haben dürften.

Nebenbei erfährt man, wie auch Eintracht Frankfurt Teil der Taktikhistorie wurde, als Versuchsobjekt. Mit 3:7 gedemütigt von Real Madrid, 1960, im Finale im Europapokal der Landesmeister, von variablen Offensivkünstlern wie Di Stefano und Puskas. Bei der Eintracht stürmte zwar ein Mann namens Meier (Erich). Nicht zum letzten Mal aber erfuhren die Hessen, dass das allein manchmal nicht reicht. 

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