Lyrik

Szilárd Borbély: Meine Poetik, falls ich eine habe

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Szilárd Borbélys Lyrik.

An Weihnachten 2000 wurden die Eltern des ungarischen Schriftstellers Szilárd Borbély zu Hause überfallen und ausgeraubt, die Mutter mit einer Axt erschlagen, der schwer verletzte Vater starb sechs Jahre später in der Psychiatrie. „Nur ein paar alte Dinge rauschten ihm durch // den Kopf. Zögerndes Lächeln. ,Wo bin ich jetzt?‘ / fragte er. Doch er erwartete keine Antwort.“ („Letzte Dinge. Die Hölle“). Die Justiz ermittelte lasch, wie Aufzeichnungen hinten im Buch erschütternd belegen. Der Sohn nahm sich 2014 das Leben.

Szilárd Borbély: Berlin Hamlet. Gedichte. A. d. Ung. u. mit einem Nachwort von Heike Fleming. Suhrkamp. 206 S., 24 Euro.

In Deutschland wurde Borbély, Jahrgang 1964, erst in den letzten Jahren so bekannt, wie sein Werk (darunter der Roman „Die Mittellosen“) es fordert. Ein wichtiger Baustein ist nun der von Borbély-Kennerin Heike Flemming edierte Band „Berlin Hamlet“ mit Gedichten, die um die Katastrophe herum entstanden (unter anderem in Berlin): Der Dichter als Flaneur, aber seine Leichtigkeit zeigt ihn auf dem Sprung. „Meine Poetik ist, / falls ich eine habe, die Gereiztheit; Geister und Taugenichtse / im Gespräch. Ein wirres Gemisch aus Rätsel und Stumpfsinn.“  

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