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Syriens Präsident Bashar a-Assad und Russlands Präsident Putin (rechts).
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Syriens Präsident Bashar a-Assad und Russlands Präsident Putin (rechts).

Syrien

Syrien zerfällt, das Regime macht weiter

  • VonThomas Schmid
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Daniel Gerlach analysiert in seinem Buch „Herrschaft über Syrien“ die Lage im Land. Politische Lösungsansätze, die davon ausgehen, „dass das Regime ein ursprüngliches Interesse am Ende der Gewalt habe“, würden in die Irre führen, warnt der Autor.

Die Krisendiplomatie läuft auf Hochtouren. In Wien trafen sich gestern die Außenminister der USA, Russlands, der Türkei und Saudi-Arabiens, um über Wege zu einer Beendigung des Kriegs in Syrien zu beraten. US-Außenminister John Kerry stellte schon im Vorfeld eine große Übereinstimmung aller Beteiligten fest – „bis auf eine Angelegenheit, die zufällig eine Personalie ist“.

Diese Personalie heißt Baschar al-Assad. Russland will dessen Regime retten und bombardiert vorwiegend Stellungen von Milizen, die einen Zweifrontenkrieg führen – gegen den „Islamischen Staat“ (IS) und gegen die Truppen des Diktators. Die USA hingegen können sich eine Lösung, die Assad im Amt belässt, nicht vorstellen.

Vater und Sohn als Diktatoren

Wie aber funktioniert das Herrschaftssystem in Syrien? Was hält das Regime zusammen? Ist Assad der allmächtige Diktator? Kann es eine Reform, eine Wende mit ihm an der Spitze geben? Diesen Fragen geht der Orientalist Daniel Gerlach nach. Der Chefredakteur des Magazins „Zenith“, das sich mit Politik, Wirtschaft und Kultur der arabischen Welt beschäftigt, beschreibt in seinem Buch die Herrschaftstechniken der Diktatur, die Bedeutung der Religion und der Konfessionen in Syrien und die Interessen von Assads Bündnispartnern.

Vom in Großbritannien ausgebildeten Augenarzt Baschar al-Assad, der nach dem Tod seines Vaters Hafez al-Assad im Jahr 2000 in Damaskus das Kommando übernahm, erwarteten viele eine Öffnung des Regimes. Bald zeigte sich jedoch, dass Assad in die Fußstapfen seines Vaters trat. „Es gibt nicht nur eine dynastische, sondern auch eine machtpolitische Kontinuität“ zwischen Vater und Sohn.

Hafez al-Assad setzte 1982 die Luftwaffe ein, um den Aufstand der Muslimbrüder niederzuschlagen. Bei der Bombardierung von Hama starben zwischen 7 000 und 40 000 Menschen. Sein Sohn Baschar wirft Fassbomben über Städten ab, die von Rebellen kontrolliert werden. Wie damals seinem Vater geht es al-Assad junior heute darum, die Bevölkerung kollektiv dafür zu bestrafen, dass sie die Rebellen unterstützt.

Gerlach warnt davor, den Krieg in Syrien als konfessionellen Konflikt zwischen alawitischer Herrschaftsclique und sunnitischem Volk zu deuten oder Assad als Garanten eines interkonfessionellen Friedens zu sehen. Vielmehr mache sich das Regime konfessionelle Spannungen zunutze, um seine Herrschaft zu stabilisieren.

In Syrien „zerfiel der Staat“, meint der Nahost-Experte, „während das Regime sich behauptete“. Politische Lösungsansätze, die davon ausgehen, „dass das Regime ein ursprüngliches Interesse am Ende der Gewalt habe“, würden in die Irre führen, warnt Gerlach all jene, die sich um einen Frieden in Syrien bemühen. Das „Regime kann und will die Logik der Gewaltherrschaft nicht durchbrechen, denn damit würde es sich selbst abschaffen“.

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