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Ralph Wagner, einer der Geschäftsführer der „Ypsilon“-Buchhandlung in Frankfurt.
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Ralph Wagner, einer der Geschäftsführer der „Ypsilon“-Buchhandlung in Frankfurt.

TTIP

„Supermarkt statt Feinkostladen“

Die Buchpreisbindung soll in den TTIP-Verhandlungen nicht in Frage gestellt werden. Buchhändler bleiben skeptisch.

Von Claudia Reinhard

Es ist aktuell einfach, ein mehr oder weniger engagiertes Gegenüber auf die Palme zu bringen, oder zumindest eine Weile zu beschäftigen. In der Regel reicht eine Erwähnung des Stichwortes „TTIP“ aus, um einen mittellangen Vortrag zu provozieren. Die Gegner des debattierten Freihandelsabkommens zwischen der EU und den USA fürchten unter anderem die Schwächung von mittelständischen Unternehmen, schlechtere Arbeitsbedingungen und eine Vereinheitlichung von Umwelt- und Verbraucherschutz auf niedrigem Niveau.

Bei einem besonders spannungsgeladenen Aspekt gab es jüngst Entwarnung. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström versicherte in einem Schreiben an den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dass die Buchpreisbindung entgegen der Befürchtungen nicht berührt werde.

Viele Buchhändler, die sich im Vorhinein gemeinsam gegen das Abkommen zusammengeschlossen hatten, kniffen nach dieser Aussage misstrauisch die Augen zusammen. „Ich kann Frau Malmstöm leider nicht glauben. Die USA, als weltgrößte Deregulierer vertreten die Interessen ihrer Wirtschaft konsequent und kompromisslos. Warum sollten sie also den Bereich Bücher auslassen?“ fragt Ralph Wagner, einer der Geschäftsführer der „Ypsilon“-Buchhandlung in Frankfurt, die dieses Jahr als eine von 107 den „Deutschen Buchhandlungspreis“ erhalten hat. „Lokale Buchhandlungen sind geistige Tankstellen unserer Kulturlandschaft“ sagte Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, in ihrem Grußwort zur Preisverleihung.

Nischenliteratur wird teurer

Durch Online-Konkurrenz wie Amazon und Co., stehen die unabhängigen Buchläden Deutschlands schon seit Jahren unter einem hohen Druck. Die Buchpreisbindung ist ein wichtiges Instrument, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen. Das Gesetz schreibt vor, dass für jedes Buch ein verbindlicher Preis bestimmt werden muss und gilt sowohl für gedruckte, als auch für elektronische Bücher. „Der feste Ladenpreis sorgt dafür, dass uns Entwicklungen erspart bleiben, die andere Länder, wo es ihn nicht mehr gibt, bereits hinter sich haben. Gnadenloser Preiskampf bei den Bestsellern, enormer Preisanstieg bei den ‚restlichen‘ Büchern, ein massenhaftes Sterben der ‚kleinen‘ Buchhandlungen und Verlage“, so Wagner. Durch die zu erwartende Preisschere zwischen Nischen- und Populärliteratur drohe eine Verminderung der literarischen Vielfalt, weil Bücher, die kein explizites Bestseller-Potential haben, zunehmend weniger verlegt würden. „Supermarkt statt Feinkostladen“ nennt Wagner das, der Vergleich liegt gar nicht so fern. Kleine Lebensmittelläden gibt es quasi nicht mehr, die großen Ketten dominieren den Markt. Die Sorge leuchtet ein, weil die Quersubventionierung wegfallen würde, also der Mehrgewinn der Bestseller nicht mehr den Büchern mit niedrigerer Auflage zugute kommen würde.

Die Befürchtung, einer großen Bevölkerungsschicht durch eine Verteuerung von Literatur jenseits der Massenunterhaltung den Zugang zu bestimmten Bildungs- und Kulturbereichen zu verwehren, drängt sich in diesem Zusammenhang auf.

Der niederländische Ökonom Frederick van den Ploeg vertritt in seinem Aufsatz „Beyond the dogma of the fixed book price agreement“ eine andere These: „Im Vergleich zum vollkommenen Markt ist diese Einschränkung des Wettbewerbs ineffizient und führt zu höheren Preisen, niedrigeren Verkaufsmengen und überhöhten Gewinnen der Produzenten (Monopolgewinne).“

Dagegen spricht die Entwicklung in der Schweiz, wo 2007 die Buchpreisbindung abgeschafft wurde und laut Marktreport des Schweizer Verleger- und Buchhändler-Verbandes der Umsatz bis 2014 um knapp 15 Prozent sank, während der durchschnittliche Buchpreis anstieg.

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