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Francesca Galati beim Kochen auf der Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse/ Kochen

Auf der Suche nach italienischer Wahrheit auf der Buchmesse

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Unsere Autorin stieß beim Stöbern im Veranstaltungskalender der Buchmesse auf ein italienisches Kochevent und erwartete, enttäuscht zu werden. Dann kam alles ganz anders.

Fast jeder Mensch hat dieses eine Thema, dieses eine Hobby oder Fachgebiet, bei dem er oder sie keine Kompromisse duldet. Bei dem es kein Wenn und Aber gibt, auch wenn das ignorant, konservativ oder beratungsresistent erscheinen mag. Was mich angeht, ist es die italienische Küche. Natürlich werden sich jetzt einige denken: Was zeichnet dich denn als Expertin aus? Ich bin weder ausgebildete Köchin, noch habe ich jemals einen Kochkurs besucht. Aber ich habe das italienische Essen im wahrsten Sinne des Wortes mit der Muttermilch aufgesogen. Mit einer Mamma, die jeden Tag ihr ganzes Herzblut in die Perfektion verschiedener Pasta-Gerichte gesteckt hat und einer Nonna, die täglich um sechs in der früh aufgestanden ist, um schon einmal das dreigängige Mittagessen für die Großfamilie vorzubereiten, bin ich einen gewissen Standard gewöhnt. Das kann auf der einen Seite der Himmel auf Erden sein und auf der anderen die absolute Hölle, da in Deutschland kaum ein italienisches Restaurant oder Kochbuch meinen hohen Ansprüchen genügt. 

Der Carbonara-Test

Als ich beim Stöbern im Veranstaltungskalender der Frankfurter Buchmesse auf ein italienisches Kochevent stieß, bei dem das Kochbuch „Cucina con Amore“ von Francesca Galati vorgestellt werden sollte, sah ich mich einfach in der Pflicht, es auf Herz und Nieren zu prüfen. Das erste, das ich in einem solchen Fall am liebsten tue, ist im Buch nach dem Rezept für Carbonara zu suchen. Die Zutaten, die Köch*innen für dieses Gericht verwenden, verraten einiges über ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten. Hier soll natürlich niemand diskriminiert werden, aber mal ehrlich, Carbonara mit Sahne und Schinken? Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Auch nach mehrfacher Suche im Inhaltsverzeichnis des Kochbuches ließ sich unter den 186 Rezepten keins für die Klassiker Carbonara, Amatriciana, oder Gnocchi con burro e salvia (Gnocchi mit Butter und Salbei) finden. Das hätte man natürlich nach dem Untertitel des Buches „Das etwas andere italienische Kochbuch“ vermuten können, aber etwas enttäuscht war ich trotzdem. Gerade weil viele Menschen, so wie ich, das Unkomplizierte, Schnelle und trotzdem Köstliche an der italienischen Küche lieben. 

Das Kochbuch

Auch wenn das Titelbild des Buches aussieht wie eine spartanische Photoshop-Montage aus den Neunzigerjahren, hat es für mich einen gewissen Charme. Wahrscheinlich, weil es mich an meine Mutter erinnert, die selbst absolut keine Ahnung von Technik und Marketing hat und das Cover, würde sie ein Kochbuch schreiben, ähnlich aussehen würde. Im Inhaltsverzeichnis werden die Rezepte in verschiedene Kategorien wie „Freunde zum Abendessen“, „Weihnachten ohne Stress“ oder „Simpel und lecker“ eingeteilt. Dabei steht neben jedem Gericht sogar die italienische Übersetzung, bei der sich keinerlei Rechtschreibfehler finden lassen. Davon könnten sich einige möchtegern-italienische Restaurants, bei denen sich teilweise nur noch erahnen lässt, welches Gericht sie mit „Gnotschi“ oder „Fundschi“ eigentlich meinen, eine Scheibe abschneiden. Natürlich liegt es in diesem Fall mit Sicherheit auch daran, dass Francesca Galati, wie der Name schon verrät, Italienerin ist. Die Rezepte für ihre Gerichte „Birnenrisotto im Parmesanschälchen“, „Pflaumengnocchi“ oder das „Spargelrisotto mit Pistazien-Pesto“ sind Variationen altbekannter Klassiker, die sie mit ihrer eigenen Note verfeinert. Ihre Lieblingszutat ist aber offenbar, das klingt jetzt etwas kitschig, die Liebe. Das Wort verwendet sie in ihrem Buch etwas inflationär (Liebeskugeln, Liebessalat, Liebestörtchen, Liebesschmetterlinge), aber ein Gericht, das nicht mit viel Liebe zubereitet wurde, schmeckt auch nur halb so gut. Obwohl ich nach dem ersten Blättern im Kochbuch aufgrund der wenig traditionellen Gerichte skeptisch war, wollte ich dem Ganzen eine Chance geben und mich live überzeugen. 

Die Kochshow

Auf der Kochshow lernte ich Francesca Galati kennen und was soll ich sagen, ich bin begeistert. In nur 45 Minuten bereitete sie ein dreigängiges Menü zu, das köstlich und simpel war und zu dem Rot- und Weißwein serviert wurden. Statt der typischen Tomaten-Knoblauch-Bruschetta gab es sie mit Thunfisch, als Hauptgericht Fusilli mit selbstgemachtem Pesto aus Pecorino, Ricotta, Paprika und Basilikum sowie Involtini Modenesi, als Nachspeise nussige Baci (Pralinen). Mir lief das Wasser im Mund zusammen und ich war verblüfft, wie einfach die Gerichte zuzubereiten sind. Das hätte ich beim Lesen der aufwendigen Titel nicht erwartet. Francesca Galati wickelte die Zuschauer*innen aber nicht nur mit ihrem Essen um den Finger, sondern sorgte mit ihrem charmanten, italienischen Akzent und ihrer frechen Art für viele Lacher. So ermahnte sie zum Beispiel ihren Co-Moderator, der Bruschetta (gesprochen: Brusketta) typisch deutsch mit „SCH“ aussprach und grüßte ihren Mann und ihren Sohn, der, wie sie stolz erklärte, das Kochbuch aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzte. Es mag an meiner Übermüdung und Unterzuckerung gelegen haben, aber mich überkam ein Gefühl der Rührung. Ich fühlte mich wie zu Hause. Ich hatte erwartet, enttäuscht zu werden und habe stattdessen ein kleines Stück Heimat auf der Buchmesse gefunden.

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