Sachbuchpreis

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Der Börsenverein will im nächsten Jahr erstmals einen Deutschen Sachbuchpreis vergeben.

Das Bedürfnis nach einer inhaltlichen Kanalisierung des ausufernden Buchmarktes (des herrlicherweise ausufernden Buchmarktes, aber die damit einhergehenden Probleme liegen auf der Hand) führt zu einer weiteren Auszeichnung. 2020 will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erstmals den Deutschen Sachbuchpreis vergeben. Er wird insgesamt mit 42 500 Euro dotiert sein, als Hauptförderer tritt die Deutsche Bank Stiftung auf, die auch bei der Finanzierung des Deutschen Buchpreises hilft, des erfolgreichen literarischen Pendants.

Das ist nicht die einzige Parallele. Auch in der Struktur wird die neue Auszeichnung offenbar ähnlich funktionieren wie der seit 2007 vergebene Buchpreis. Allerdings ist die Frankfurter Buchmesse diesmal außen vor. Für den 16. Juni 2020 ist die erste Verleihung im Berliner Humboldt-Forum angekündigt.

Hier der Zeitplan, wie er am Dienstag in Frankfurt vorgestellt wurde: Die Jury, sieben Persönlichkeiten aus Sachbuchkritik, Wissenschaft, Kultur und Buchhandel, wird im November benannt. Ausgesucht wird sie von der eigens dafür einberufenen Akademie Deutscher Sachbuchpreis. Die Jury soll auch beim Deutschen Sachbuchpreis für jeden Jahrgang komplett neu formiert werden (Reiz und Tücke dieses Systems sind dem Publikum bereits vertraut, dem Börsenverein aber auch).

Zwischen dem 23. September und dem 22. November dieses Jahres können Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sich mit bis zu zwei deutschsprachigen Sachbüchern aus ihrem jeweils aktuellen oder dem geplanten Programm bewerben. Die Jury kann bei Bedarf zusätzliche Titel anfordern. Sie rauft sich zu einer acht Titel umfassenden Nominierungsliste zusammen, die um den 23. April (den Welttag des Buches) herum veröffentlich werden soll. Auch die Nominierten erfahren erst am Abend der Preisverleihung, wer gewonnen hat. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält 25 000 Euro, die sieben übrigen Nominierten erhalten je 2500 Euro. Das kann einem also alles sehr bekannt vorkommen.

Bezug zum Zeitgeschehen

Prämiert werden sollen „herausragende, in deutscher Sprache verfasste, nichtfiktionale Bücher mit Bezug zum Zeitgeschehen“. Die Aktualität soll die Auszeichnung nach Möglichkeit von ähnlichen Preisen unterscheiden (so dem NDR-Kultur-Sachbuchpreis oder dem jungen, mit 40 000 Euro dotierten Preis der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft für Geisteswissenschaften). Grundsätzlich komme zwar jedes Thema in Betracht, betonte Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller, es solle aber eine breite Diskussion möglich und sinnvoll machen.

Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland und Mitglied der neuen Akademie, erinnerte an das Recht auf Informationsfreiheit, das mit dem Recht auf Meinungsfreiheit korrespondiere – und zu dem freilich auch die Pflicht gehöre, sich zu informieren: „Wie wollten wir in Anbetracht der Komplexität der Welt sonst begründete Entscheidungen treffen?“ Eine gute Frage.

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