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Vom Sturm und von der Liebe

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Von: Cornelia Geissler

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Sandy-Schäden in New Jersey, aufgenommen 2013.
Sandy-Schäden in New Jersey, aufgenommen 2013. © rtr

Neue Jugendbücher erzählen von Mädchen, die fremd, ganz übel unter Druck oder schwer verknallt sind.

In New York gestrandet : Es ist im Interesse der Leser absolut unmöglich zu verraten, warum und auf welche Weise das 14 Jahre alte niederländische Mädchen Emilia in New York gelandet ist. Aber die Leser seien versichert, dass Anna Woltz durchaus glaubwürdig davon erzählt. Emilia hat keine Verwandten in der Stadt, keine Freunde, kennt nur die Namen von Filmstars und Sängern, die dort leben. Kurz nach ihrer Ankunft beginnt ein Wirbelsturm zu wüten, der es sogar in Europa zu Berühmtheit bringen wird. Sandys Chaos passt prima, um der Handlung um Emilia, einen gleichaltrigen Jungen, dessen kleine Schwester sowie einen durchgeknallten Teenager aus Detroit einen ordentlichen Schub zu geben. Anna Woltz jagt ihre Figuren und die Leser durch die Ereignisse, lotet emotionale Tiefen aus, schürt Vertrauen und Ängste, schaut in Familiengeschichten und erhellt die merkwürdige Lage von Kindern, die sich für ihre Eltern verantwortlich fühlen. Sie erzählt eine wirklich gute Geschichte. Ab 14 Jahren.

In Geschichten verstrickt: Ein Mädchen kommt neu in die Gegend. Es sei „schwer erziehbar, heißt es“. Annabelle kennt diese Bezeichnung nicht und weiß nicht, was damit gemeint ist. Sie wird bald erfahren, dass jene Betty nicht einfach nur frech ist. Wie aber geht man als Kind damit um, wenn man erpresst wird? Wenn die Eltern der besten Freundin keinen anderen Ausweg mehr wissen, als wegzuziehen? „In dem Jahr, als ich zwölf wurde, begriff ich, dass alles, was ich tat und sagte, Folgen hatte“, sagt die Ich-Erzählerin im Vorwort. Ein Netz von Gerüchten legt sich über den Ort. Lauren Wolk erfindet eindringliche Bilder für die Situation. Zum Glück sind die emotionalen Antennen von Annabelles Mutter fein genug, die Verstörung zu spüren, die das Mädchen mit Geschichten überdeckt. Zum Glück ist das Vertrauen in der Familie so groß, dass sich vieles aufklären lässt. Aber es wird trotzdem nicht alles gut. Die existenzielle Wucht dieses Buches bewirkt, dass man sich kaum davon lösen kann. Ab 12 Jahren.

Vom Bumm-Bumm erwischt : Wenn Lisa Moores Heldin Flannery, 16 Jahre alt, echte Zuneigung definiert, ist es „eine richtig ehrliche, schnapp-sie-dir, leb-sie, geh-darin-auf, gib-alles-Liebe“. Oder sie schreibt: „Dieses Gefühl löst Tyrone bei mir aus: bumm bumm bumm.“ Flannery kennt den Jungen schon ewig, doch führten die Schulwege sie auseinander und erst in der 10. tauchte Tyrone plötzlich wieder auf: ein echter Hingucker ist er geworden. Mit einem gefährlichen Hobby. In „Das Glück hat vier Farben“ erzählt Moore, lebendig ins Deutsche gebracht von Maren Illinger, von Flannerys Versuchen, ihren alten Freund wiederzugewinnen. Sie schildert, wie es ist, ein Mädchen zu sein, verantwortlich dem kleinen Bruder gegenüber, genervt von der Freizügigkeit der Mutter, eng verbandelt mit der besten Freundin, gejagt von neidischen Zicken. Es ist ein Lebensbuch für Leserinnen in einem gewissen Alter. Ab 14 Jahren. Cornelia Geissler

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