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In "Virenkrieg" sind die USA zu einem totalen Überwachungsstaat degeneriert,

„Virenkrieg“

Die Stunde Null als Reality-TV

Man sollte nicht lange damit warten, diesen Zukunftsthriller zu lesen, denn die Realität wird einen schon bald einholen. Die Geschichte, die in „Virenkrieg“ erzählt wird – von Lutz Büge, dem FR-Leser auch als Leserversteher Bronski im FR-Leserforum und im FR-Blog bekannt – setzt nämlich ein im Sommer 2022.

Von Natalie Soondrum

In dieser nahen Zukunft sind die USA zu einem totalen Überwachungsstaat degeneriert, der „militärisch-industrielle Komplex“ beherrscht hinter den Kulissen die Welt. Al-Kaida ist militärisch besiegt. Was den Westen nun in Atem hält, ist die rätselhafte „Islamische Allianz“, die auf ihrer Webpräsenz einen für alle Welt ersichtlichen, aber unerklärlichen Countdown präsentiert. Keiner weiß, was die Stunde Null dieser Organisation mit sich bringt.

In dieser Zeit spielt sich ein Drama unter Mikrobiologen ersten Ranges ab: Der Deutsche Jan Metzner und der US-Amerikaner Michael Schwartz haben beschlossen, sich dem Dienst im militärisch-industriellen Komplex zu entziehen. Scheinbar. In Wahrheit wird Jan Metzner Opfer einer Intrige. Durch die Entführung seiner Schwester zur Reise nach Ägypten gezwungen, trifft er in einem unterirdischen Geheimlabor der Islamischen Allianz auf Michael Schwartz, der wenige Monate zuvor spurlos verschwunden war und bringt ihn – ohne geringste Ahnung – auf der Stelle um.

Man hat sich seiner bedient, um Schwartz mittels eines Killervirus zu liquidieren. Die Spezialisten der Islamischen Allianz retten Metzner, der ebenfalls infiziert ist, das Leben. Unter der Bedingung, dass er ein Antidot für das Killervirus entwickelt, worauf er sich aus purem Überlebenswillen einlässt.

Es folgt ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, erzählt in einer ausgeklügelten, zeitlich versetzten Parallelmontage aus dem Hintergrund, wie es dazu kam, dass Michael Schwartz erst zum Geheimnisträger und dann zum Whistleblower wurde und wie es Jan Metzner als Gefangener seiner Infektion im Geheimlabor ergeht. Der Showdown scheint erreicht, als die Islamische Allianz das Kreuzfahrtschiff Queen Mary kapert und die vermeintlichen westlichen Werte in einer live übertragenen Show entlarvt.

Willkommen in einer Welt, wo es keine saubere Trennung mehr gibt zwischen gut und böse, richtig und falsch. Eine Welt, in der Wahrheit nur temporär und partiell sichtbar wird und in der die Frage nach Handlungs- und Meinungsfreiheit – nicht ohne ein Augenzwinkern – in ein neues, erstaunlich grelles Licht gestellt wird.

Lutz Büge: Virenkrieg. Thriller. Offenbach 2015, Ybersinn Verlag. 437 Seiten, 14,90 Euro.

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