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Stiftung und Solidarität

Seit zehn Jahren gibt es Bürgerstiftungen in Deutschland. Inzwischen ist ihre Zahl auf mehr als 150 angewachsen - eine immer noch bescheidene Gruppe

Von RUDOLF SPETH

Seit zehn Jahren gibt es Bürgerstiftungen in Deutschland. Inzwischen ist ihre Zahl auf mehr als 150 angewachsen - eine immer noch bescheidene Gruppe gegenüber den 12 000 herkömmlichen Stiftungen. Die Idee für die Bürgerstiftung kam aus Amerika. Dort sind die "Community Foundations" schon beinahe 100 Jahre alt. Doch nicht alles - insbesondere nicht die besonderen Bedingungen - lässt sich einfach importieren. Das von Stefan Nährlich und anderen herausgegebene Buch Bürgerstiftungen in Deutschland zieht nach dem Gründungsjahrzehnt Bilanz.

Wichtig sei, so Nährlich und Graf Strachwitz in ihrem Einleitungsbeitrag, die Bürgerstiftungen als Teil des Dritten Sektors und der Zivilgesellschaft zu begreifen. Denn eine ihrer Hauptaufgaben sei es, bürgerschaftliches Engagement zu mobilisieren. Das ist angesichts stark verrechtlichter und staatlich dominierter Strukturen nicht ganz einfach. Bürgerstitftungen sind angetreten, um kommunalen Bürgersinn zu fördern und lokalem Engagement Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Dies ist auch deshalb schwierig, weil die soziale, kulturelle, ethnische und ökonomische Heterogenität vieler Kommunen stark zugenommen hat. Oft ist dies ein Jonglieren mit vielen Bällen, wie es Peter Walkenhorst in seinem Beitrag ausdrückt.

Reformfreudige Franzosen

Längst ist die Bürgergesellschaft nicht mehr die Zauberformel, mit der alle Probleme der staatlichen Steuerung, der gesellschaftlichen Integration und der Ökonomie gelöst werden können. Das Jahrbuch des Berliner Maecenata Instituts versammelt daher eine Problemagenda und die wichtigsten Diskussionsthemen zu diesem Gebiet. Herfried Münkler macht in seinem Beitrag deutlich, wie schwierig es ist, bürgergesellschaftliche Potenziale für die anstehenden sozialstaatlichen Reformen zu nutzen. Solidarität muss sich verlässlich organisieren lassen. Damit aber die Potenziale, die in bürgergesellschaftlichen Organisationen noch schlummern, besser genützt werden können, bedarf es weiterer Reformanstrengungen - eine davon gilt dem Gemeinnützigkeitsrecht.

Graf Strachwitz skizziert die wichtigsten Eckpunkte: die Steuerbegünstigung von Organisationen, die mildtätige, kirchlich oder gemeinnützige Zwecke verfolgen und den Spendenabzug. In beiden Bereichen ist einiges zu systematisieren und moderner zu gestalten. Ein wesentliches Element des Jahrbuches ist der Blick über den Tellerrand in andere Länder. So zeigt Rainer Sprengel, dass die Franzosen in der Reform des Spenden-, Vereins- und Stiftungsrechts schon einen Schritt weiter sind. Hinzu kommen zahlreiche Beiträge, die sich mit Aspekten der Zivilgesellschaft in unseren osteuropäischen Nachbarländern beschäftigen.

Stefan Nährlich, Rupert Graf Strachwitz, Eva Maria Hinterhuber, Karin Müller (Hrsg.): Bürgerstiftungen in Deutschland. Bilanz und Perspektiven. VS Verlag, Wiesbaden 2005, 322 Seiten, 34,90 Euro.

Susanne Rindt, Rainer Sprengel, Rupert Graf Strachwitz (Hrsg.): Maecenata Jahrbuch für Philanthropie und Zivilgesellschaft, Berlin 2005, 354 Seiten, 24,80 Euro.

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