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Stiften ist en vogue

Rund 18 Milliarden Euro haben Stiftungen hier zu Lande vergangenes Jahr für gemeinnützige Zwecke ausgegeben. Es gibt mehr als 12 000 Stiftungen in

Von RUDOLF SPETH

Rund 18 Milliarden Euro haben Stiftungen hier zu Lande vergangenes Jahr für gemeinnützige Zwecke ausgegeben. Es gibt mehr als 12 000 Stiftungen in Deutschland, anno 2004 kamen 825 neue Einrichtungen hinzu. Die Stiftungslandschaft ist so vielfältig wie die Gesellschaft - und jede Stiftung ist etwas Besonderes.

Für die Frankfurter Rundschau hat Ulrich Brömmling in einer Serie auf diese bunte Landschaft geblickt. Der frühere Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen hat seine Artikel nun in dem Buch Die Kunst des Stiftens zusammengefasst und erweitert. Der Band bietet lesenswerte Porträts einzelner Stiftungen und macht zugleich Breite und Vielfalt der Stiftungsarbeit deutlich.

So wissen wenige, dass die Sparkassen mit 577 Stiftungen und einem Vermögen von einer Milliarde Euro die größten Stifter im Lande sind und damit - neben dem Staat - die größten Förderer von Kultur und Breitensport.

Eine Stiftung zu errichten ist "in", schreibt Brömmling. Nicht nur vermögende Einzelne wählen diese Rechtsform, auch immer mehr Firmen, Verbände, Vereine und der Staat nutzen den guten Ruf von Stiftungen. Wenn Bund, Länder oder Kommunen eine Stiftung öffentlichen Rechts errichten, fehlt aber oft ein Stiftungsvermögen. Kritiker sprechen von undemokratischen Schattenhaushalten.

Deswegen fordert Brömmling von allen Stiftungen mehr Transparenz und eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. Denn Transparenz trage nicht nur zum Erfolg der Stiftungsarbeit bei, sie sei auch angesichts der Steuerbegünstigung von Stiftungen nötig.

Kein Spielzeug der Reichen

Die steigende Zahl von Stiftungsgründungen in Deutschland muss nach Ansicht einer Studie der Bertelsmann Stiftung neu bewertet werden. Denn immer seltener werden Stiftungen von natürlichen Personen gegründet, sondern von Unternehmen, Verbänden, dem Staat oder anderen juristischen Personen. Im Jahr 2003 betrug dieses Verhältnis 39 : 745.

Karsten Timmer führt den Stiftungsboom auf die "Fundraising-Zwänge" öffentlicher und privater Institutionen zurück. Für die Stifter-Studie von Bertelsmann hat er alle Stifter befragt, die seit 1990 eine gemeinnützige Stiftung eingerichtet haben. Die Studie mit dem Titel Stiften in Deutschland belegt, dass Stifter längst nicht mehr nur zu den Wohlhabenden in der Gesellschaft zählen.

Stifter wollen sich engagieren, mit ihrem Vermögen und mit ihrer Zeit. Und sie nutzen ihre Stiftung, um Geld für ihre Sache zu sammeln. Stifter wollen etwas bewegen, aber sie wollen selbst entscheiden, wie und wo sie ihr Vermögen und ihr Engagement einsetzen. Deutlich ist ein Misstrauen gegen den Staat und die staatliche Gemeinwohlverwirklichung ausgeprägt.

Stifterfreiheit ist Ausdruck einer liberalen Gesellschaft - auch wenn immer noch ein Viertel aller Deutschen irrtümlich meinen, Stiftungen seien ein Spielzeug der Reichen.

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