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Same procedure as every year: Max Goldt liest kurz vorm Fest im rappelvollen Mousonturm Frankfurt.
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Same procedure as every year: Max Goldt liest kurz vorm Fest im rappelvollen Mousonturm Frankfurt.

Max Goldt in Frankfurt

Stets um Weihnachten

Alle Jahre wieder, aber schon auch alle Jahre gut: Max Gold fabuliert im Mousonturm in Frankfurt, diesmal unter besonderer Berücksichtigung seines jüngsten Buchs „Räusper“.

Von Stefan Michalzik

Erfreulich, diese Beständigkeit. Seit werweißwielang schon gastiert Max Goldt regelmäßig um Weihnachten herum in Frankfurt. Wie zumeist auch diesmal im Mousonturm, an zwei ausverkauften Abenden. Auf eine vertraute Art kann Max Goldt dabei immer wieder überraschen.

Wie gewöhnlich hat der in Berlin lebende Schriftsteller, Jahrgang 1958, eine Auswahl aus neuen wie auch älteren Texten vorgetragen. In diesem Jahr allerdings mit einem Gewicht auf die Novitäten aus seinem jüngsten Buch „Räusper“.

Es handelt sich um eine Sammlung von Dramoletten, Grundlage sind Comics aus der seit Ende der neunziger Jahre währenden Zusammenarbeit mit dem Zeichner Stephan Katz, daraus hat er längere Dialoge gesponnen.

„Antiheteronormativ“!

Wunderbar abwegig ist Goldts Fantasie. Allein mit welch grotesken Wendungen er jene Szene entwickelt, in der sich ein „lockerer Typ“ in einem völlig leeren Restaurant ungebeten zu einem Paar setzt, „geräuschvoll“ am geknickten Strohhalm seines Cocktails saugt, die Schönheit der Dame in Relation zu der Attraktivität des Herrn infrage stellt, woraufhin dieser sich auch noch geschmeichelt fühlt und am Ende gar sich selbst die Frau überzeugen lässt, dass ein derartiges Kompliment nicht unschicklich sei, weil das Restaurant ja mittels eines Schildes am Eingang als eine „anti-heteronormative Gaststätte“ gekennzeichnet sei – das ist von einer genialen Kunst des Fabulierens.

„Es gibt einiges“, sagt Goldt einmal, „was alle machen und mir trotzdem grundfalsch erscheint.“ Zum Beispiel morgens Kaffee und Orangensaft trinken. Manche gar auch noch „in alternierenden Schlucken“. Goldt rückt Dinge zurecht.

Der Snob etwa stehe in keinem sonderlich guten Ruf. Zu Unrecht. Wem verdanken wir denn das Angebot an edlen Weinen, wohlschmeckendem Käse und gutem Brot? Dem Ernährungssnob! Etwas Besseres sein zu wollen, das müsse doch nicht als Todsünde gelten – zumal etwas Besseres als das Bestehende nun mal erstrebenswert erscheine und die eigene Person genug Anlass biete, um bei ihr anzufangen.

Jener Max Goldt, der mit einem gemessenen Abstand und in einer nicht überheblichen Weise den Blick auf befremdliche Dinge in Gesellschaft und Medien, im Gebrauch der Sprache richtet, der ist diesmal recht kurz gekommen. Überwiegend ist der Humor von einer puren, gleichsam autonomen Art gewesen.

Max Goldt ist und bleibt einer der großartigsten komischen Schriftsteller in der deutschen Sprache, ein glänzender Künstler des Vortrags ist er dazu. Einer wie er kann sich getrost weiter Jahr für Jahr in Frankfurt einstellen.

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