Ein Theater ist immer für eine Überraschung gut.

Krimi

Stefan Benz: „Theaterdurst“ – Messerchen auf der Lauer

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Ein launiger Theater-Krimi von Stefan Benz über junge Wilde, alte Kritiker und eine Buchsbaum-Verschwendung.

Irgendwann kommt Justus Beck dann doch ein Verdacht. Da setzt er sich einige Tage lang in ein Café, versucht, trotz seines Leibesumfangs quasi unsichtbar zu werden, und beobachtet die betreffende Person. Folgt ihr auch einmal. Und, siehe da, kommt ihr wenigstens so weit auf die Spur, dass er der Polizei einen Tipp geben kann. Theaterkritiker Justus Beck, Kosename „das Messerchen“, ist zwar weder der sportlichste noch der kaltblütigste Ermittler – eigentlich ist er natürlich gar kein Ermittler, sondern eben Theaterkritiker der „Neuen Post“ –, aber er ist nicht zu Unrecht der Meinung, dass er ganz gut hingucken und kombinieren kann. Dass er außerdem, wenn sein Zeitungsjob noch weiter den Bach runtergeht, eine Praxis aufmachen könnte als Theater-Erklärer und Zuschauer-Therapeut.

Stefan Benz, Autor des Krimis „Theaterdurst“, ist selbst seit langem Kulturredakteur in Darmstadt. Ähnlichkeiten mit seiner Figur Beck dürften also nicht zufällig sein. Die betreffen das Optische nun gar nicht, wohl aber den mittlerweile leicht verzweifelten Blick auf den eigenen Beruf, der nicht nur in der fiktiven „Neuen Post“ für zunehmend entbehrlich gehalten wird. Becks Chef stellt dem Kritiker nicht nur einen Praktikanten an die Seite, der als „Theaterchecker“ live aus den Premieren twittern soll („Intendanz verschleudert Etat für Topfpflanzen“), sondern zwingt ihn auch zu immer kürzeren Texten.

Das Buch

Stefan Benz: Theaterdurst. Herr Beck und die Höllenlimonade. Kriminalroman. Tredition, Hamburg 2019. 230 S., 10,99 Euro.

Die Krimileserin müssen die Nöte eines Kritikers nicht interessieren. Aber wenn die Krimileserin auch eine Theatergängerin ist, wird sie Spaß haben an diesem Büchlein, das spitz, scharf und ziemlich lustig von den Absurditäten des Theaterbetriebs erzählt, von Hackordnungen, Eifersüchteleien, jungen Wilden der Regie, Faktoten der Requisite, Exzessen des sogenannten Regietheaters.

Spitz, scharf und ziemlich lustig geht Stefan Benz dabei auch mit den Kulturpolitikern um, die dem Stadttheater flugs ihre schützende Hand entziehen, wenn die Einschaltquoten nicht stimmen. Und wenn dann auch noch viel Geld ausgegeben wird für Buchsbäume in „Romeo und Julia“, wackelt der Intendantenstuhl. Denn hätten es Bäumchen aus Plastik nicht auch getan?

Das Blut fließt in diesem Krimi nur als Theaterblut – er ist also durchaus geeignet für schöngeistige Leser mit schwachen Nerven. Aufzuklären gibt es immerhin fiese Attentate auf Schauspielerinnen; zum Beispiel auf Luise aus Schillers „Kabale und Liebe“, die in echt selbstverständlich nicht aus den Latschen kippen soll, nachdem sie „Gift“ getrunken hat.

Das Milieu kennt Stefan Benz aus dem Effeff, die Figuren hat er sich nach dem Leben ausgedacht und ein wenig satirisch angereichert. Beim Weintrinken – Kritiker Beck hält sich mit einem kleinen Weinhandel über Wasser, so desolat ist die finanzielle Situation für nicht festangestellt Schreiber nicht erst seit Kurzem – lockern sich dann die Zungen, wird etwa beim Veltliner herrlich fabuliert und gelästert.

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