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Das Fotobuch

" Steadycam" schwärmt von Quentin Tarantino

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Als Quentin Tarantino zum ersten Mal Wong Kar-wais Wunderwerk Chungking Express sah, schrieb er vom Glück, das es bereite, einen Film derart lieben zu

Als Quentin Tarantino zum ersten Mal Wong Kar-wais Wunderwerk Chungking Express sah, schrieb er vom Glück, das es bereite, einen Film derart lieben zu können. Das ist eine interessante Beobachtung, ganz unabhängig von ihrem Anlass. Denn Cinephile bemerken ihre Liebesfähigkeit nicht wie normale Menschen im Leben, sondern im Kino. Wenn sie dann ins Schwärmen geraten, freuen sie sich nicht wenig an sich selbst und ihrer Fähigkeit, sich derart begeistern zu können. Den Mitteilungsdrang, der daraus entsteht, nennt man die "cinephile Filmkritik."

Seit 23 Jahren gibt es die Zeitschrift Steadycam, herausgegeben von dem Filmkritiker Milan Pavlovic. Er war ein Teenager, als er auf die Idee zu dem Heft hatte, weil man als Filmkritiker nach Cannes fahren darf. Jetzt ist die 48. Ausgabe erschienen, umfangreich wie ein Kunstkatalog und mindestens so gut gedruckt.

Längst ist es das wichtigste Forum der cinephilen Filmkritik in Deutschland, eine erste Adresse für filmhistorische Essays und aktuelle Bestandsaufnahmen.  Aber die Begeisterungsfähigkeit des Herausgebers ist noch immer die eines Teenagers. Die aktuelle Ausgabe leistet es sich, über 120 der insgesamt 210 Seiten einem einzigen Film zu widmen, dem der Herausgeber in ähnlicher Weise verbunden sein muss, wie Quentin Tarantino dem frühen Wong Kar-wai. Der Film heißt Kill Bill und stammt von eben diesem Quentin Tarantino.

Auf dem Cover sieht man Uma Thurman, vom Regisseur inszeniert wie in einer berühmten Szene des Western The Searchers von John Ford. Eingerahmt in Filmgeschichte und die persönliche Liebe zu einem Klassiker zeigt er seine Heldin, und so verfährt Milan Pavlovic mit seinem aktuellen Lieblingsfilm. Es gibt keine Referenz, keine vernünftige Assoziation, die in den Aufsätzen und Fotostrecken nicht erschlossen würde.

Ganze Sequenzen werden in Einzelbildern dokumentiert wie in jener guten alten Zeit, als es noch kein Video gab und keine DVD und Filmliteratur die einzige Stütze des visuellen Gedächtnisses war. Gleichzeitig ist natürlich die Existenz des elektronischen Speichermediums ein schönes Hilfsmittel, wieder solche gedruckten Bildersammlungen zu produzieren.

Welcher Film wäre dazu besser geeignet als Tarantinos Digest des asiatischen martial-arts-Kinos? Endlich lassen sich alle Bezüge nacharbeiten. Fans und Sammler - in Japan nennt man sie Otaku - haben oft Schwierigkeiten, ihr immenses Wissen in Worten wieder auszuspucken. Mit ihnen teilt die Steadycam die Vorliebe für Listen und Statistiken, ihr Ton aber ist die wortgewandte Form der Begeisterung.

Steadycam. Eine Filmzeitschrift. Nr. 48, 210 Seiten, 16 Euro.

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