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Das Image der Metropolen

Was Stadt ist

Martina Löw untersucht die Eigenlogiken urbaner Ansiedlungen. Von Matthias Arning

Von MATTHIAS ARNING

Kommt die Rede auf München, ist der Spaß für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit schnell vorbei. In eine Konkurrenz zur Hauptstadt zu treten, um die Eröffnungsfeier zur Fußball-Weltmeisterschaft austragen zu können, so etwas wie damals 2006 würde es woanders nicht geben: "Das hätte Marseille mit Paris nie gemacht", zeigte sich Wowereit überzeugt. Martina Löw zitiert die Positionierung des Regierungschefs, um deutlich zu machen: In der Konkurrenz der Städte zeichnen urbane Ansiedlungen Bilder von sich selbst. Solche Inszenierungen, hier setzt die in Darmstadt lehrende Soziologin an, bauen auf Bilder der Stadt. Doch von diesen Eindrücken, zum Zweck der Selbstbehauptung bewusst ins Spiel gebracht, sollte man sich nicht zu sehr beeindrucken lassen, schließlich ließen sie keine Rückschlüsse darauf zu, welcher Eigenlogik Städte folgen, was also das wirklich Spezifische ist.

Löw nimmt sich Berlin und München als Fallbeispiele vor. Beide Metropolen bemühen sich mit großem Aufwand um ihr Image. Schließlich wollen sie in der Konkurrenz der Städte bestehen. In der Republik wie im gesamten Europa. Während Berlin auf die Assoziation mit Sex vertraut, setzt München auf die liebliche Großstadt. Gilt München als Stadt, in der ein Leben in Harmonie möglich sein soll, "scheint in Berlin alles unruhig und unsicher zu sein", notiert Löw. Und doch ist beiden Metropolen eines gemeinsam: Sie legen sich fest mit dem Image, das sie sich selbst zuschreiben, lassen nichts Uneindeutiges zu.

Etwas, was Städte wie Frankfurt am Main nicht schaffen. Dort verschwimmen Konturen, hat sich das Stadtmarketing nicht für ein Profil entschieden: Neben dem ersten Gedanken, der einem zu Frankfurt kommt, Stadt der Hochhäuser zu sein, vermittelt man das Bild des Traditionellen, das künftig in der Altstadt mit der Rekonstruktion von mindestens sieben Fachwerkhäusern wieder Anknüpfungspunkte finden soll. In der Stadt, die sich wie kaum eine andere gleich nach dem Krieg doch der radikalen Moderne verschrieben hatte. Heute lässt sich aus der Perspektive Löws das lokal Besondere, das ganz Eigene, für Frankfurt nicht bestimmen.

Damit aber kommt Löw in ihrer detailreichen Studie mit dem Ziel einer "differenztheoretischen Stadtsoziologie" nicht wirklich weiter. Sie bemüht sich in großen Zügen und mit reichlich Beispielen Städte nicht nur als Laboratorien zu verstehen, in denen sich soziale Prozesse untersuchen lassen. Ihr geht es auch darum, Städte "als eigenständige Objekte soziologischen Wissens" zu begreifen. Aus guten Gründen. Denn das Leben des 21. Jahrhunderts ist vor allem ein Leben in Städten. Und so dürfte es eine nicht zu unterschätzende Frage sein, wie sich die Eigenlogiken der Städte und die Erfahrungen ihrer Bewohner wechselseitig ständig beeinflussen.

In diesem Zusammenhang betont Löw in ihrer überaus lesenswerten Studie, dass die Inszenierung des den Städten Eigenen unbedingt nicht "mit der eigenlogischen Struktur einer Stadt" verwechselt werden sollte. Die einer Stadt offiziell zugeschriebene Besonderheit ist etwas anderes als das, was Menschen aus der Stadt machen. Vorausgesetzt, sie finden sich darin zurecht. Zumal in einer Zeit, in der man über die Bedeutung der Städte für die Entwicklung der Republik spricht, ihre Konkurrenz beschwört, aber nicht mal recht weiß, wie sie riechen.

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