Krimi

Staat gegen Bürger

Ein bisschen zu offensichtlich: In seinem Thriller-Erstling „Terror“ lässt Martin Mauerer einen Kameramann eine Schandtat übers Babyfon mithören. Auch andere Unwahrscheinlichkeiten nehmen dem Roman die Wirkung, in dem es um den Terror des Staates gegen seine Bürger geht.

Vom Oktoberfest-Attentat im September 1980, bei dem mindestens schlampig ermittelt wurde, bis zu den Polizeiübergriffen beim G-8-Gipfel 2001 in Genua: Martin Maurer hat sich für seinen Thriller-Erstling mit dem plakativen Titel „Terror“ eine spezielle Form des Terrors ausgesucht: den des Staates an seinen Bürgern. Maurer ist Drehbuch-Autor und recherchiert seit langem über Terrorismus in Deutschland. Nicht wenig an den offiziell verbreiteten Tathergängen – etwa beim Oktoberfest-Anschlag – kommt ihm zu Recht zweifelhaft vor. Wolfgang Schorlau hat sich in seinem Kriminalroman „Das München-Komplott“ übrigens auch schon minuziös und überzeugend der Frage angenommen, was Polizei und Geheimdienst damals zu verbergen hatten.

Maurer lässt den Kameramann Marc Burth (offenbar ein Internet-Alter-ego Maurers) zum Urlaub in ein italienisches Bergdorf fahren. Kaum ist die Familie angekommen, passiert Erschreckendes. Auf dem Babyfon hört Burth mit, wie ein im Haus gegenüber wohnender Mann, ein Einwanderer, nachts zusammengeschlagen wird. Er scheint im Dorf der Einzige zu sein, den das Schicksal dieses Mannes kümmert. Auch seine Frau will lieber abreisen, aber irgendwie wird nichts draus. Dann werden Menschen massakriert, und bald sind Burth und seine Frau spurlos verschwunden.

Maurer hat ein ehrenhaftes wie auch spannendes Anliegen: Zu zeigen, dass wir, ob Italiener, ob Deutsche, unserem Staat nicht blind trauen sollten. Dass von denen, die uns vertreten (sollen), durchaus falsch – und grausam – gespielt wird, wenn es ihren Interessen dient. Das Vehikel, in dem er sein Anliegen transportiert, ist allerdings zu offensichtlich für genau diesen Zweck gebaut. Konstruiert wirkt vieles, angefangen von der Babyfon-Episode bis zu dem Polizisten, dessen Enkelin seiner Unachtsamkeit wegen just überfahren wurde und der nun ein anderes kleines Mädchen, das ihm vors Auto läuft, retten kann. Und dann ist da auch noch die junge Frau, die einen besonders üblen polizeilichen Täter wiedererkennt, weil sie unter den in Genua Misshandelten war.

Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle nehmen dem Roman viel von seiner Wirkung, zu offensichtlich ist Maurer bemüht, seinen Figuren bestimmte Rollen und Aufgaben zuzuweisen. Aber sich über das Thema Gedanken zu machen, lohnt auf jeden Fall. ( sy)

Martin Maurer: Terror. Thriller. Dumont Buchverlag, Köln 2011, 382 Seiten, 19,95 Euro.

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