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„Die Spirale des Tötens führt nur nach unten“

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Von: Regine Seipel

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Autor Frank Schätzing liest beim Literaturfestival Lit.Cologne in Köln.
Autor Frank Schätzing liest beim Literaturfestival Lit.Cologne in Köln. © dpa

Bestseller-Autor Frank Schätzing spricht im Interview über die Aktualität seines Romans „Breaking News“, den Nahost-Konflikt und den Terror im Irak.

Mit seinem Politthriller über den Nahen Osten „Breaking News“ hat der Bestseller-Autor Frank Schätzing mal wieder einen Nerv getroffen. Er erzählt darin den israelisch-palästinensischen Konflikt anhand einer Familiengeschichte, verwebt sie mit einer actionreichen Geheimdienstverschwörung, in die ein gescheiterter Kriegsreporter hereingezogen wird. Die Kritiker urteilten geteilt. Schätzings Meinung zu dem komplexen Thema ist dennoch gefragt. Er hat sich tief eingearbeitet und nimmt sich viel Zeit für Interviews. Der 57-Jährige wirkt entspannt, auch wenn er ein paar Minuten zu spät zum Interviewtermin in die Alte Oper in Frankfurt kommt. Er sieht gut aus und ist eloquent, Ex-Modell für Unterwäsche und Gründer einer Werbe-Agentur, beides passt. Obwohl der Autor sich keinem Lager zuordnen lassen will, bezieht er gern und deutlich Position zur Weltpolitik.

Herr Schätzing, Ihr großes Thema ist derzeit der Nahostkonflikt. Jetzt hat ein neues Drama den Krieg in Gaza aus den Schlagzeilen verdrängt: Sie waren selbst bei der Bundeswehr. Sollen deutsche Soldaten den irakischen Kurden mit Waffengewalt im Kampf gegen die IS-Terroristen helfen?
Mit Gerät und Know-how. Auf jeden Fall. Wir müssen unseren Pazifismus überdenken. Deutschland hat seit dem Zweiten Weltkrieg eine Art Generationen-Blutwäsche erlebt, wir sind heute ein anderes Land mit anderen Menschen. Dieses Deutschland ist Teil eines Verteidigungsbündnisses und Mitglied einer Weltgemeinschaft, die global Verantwortung übernehmen muss. Dass wir uns recht verstehen: Gewalt ist immer das letzte Mittel der Wahl! Wenn aber eine Terrormiliz einen Genozid betreibt, der nur durch Militäreinsätze zu stoppen ist, können wir uns nicht mit Verweis auf unsere Vergangenheit nonchalant raushalten. Man muss diesen Arschlöchern zeigen: so nicht.

Auch wenn die Beispiele Afghanistan, wo Sie für den Militäreinsatz waren, und Irak zeigen, dass die friedensstiftende Wirkung eine Illusion war.
Rückblickend war mein Ja zu Afghanistan vielleicht falsch. Den amerikanischen Einmarsch im Irak habe ich strikt abgelehnt. Alle Probleme dort sind auf George W. Bushs hirnrissige Intervention zurückzuführen. Nur: Die IS zu bekämpfen ist etwas anderes als Regime zu stürzen, um den Gesellschaften dort die Demokratie zu bringen. Was Klein-George sich da so schön ausgedacht hatte, war intolerabel. Noch mal: Wenn irgendwo ein Völkermord geschieht, und wir sehen, das endet nicht, solange die Welt nicht eingreift, und jede Diplomatie kommt zu spät, müssen wir Soldaten hinschicken. Notfalls auch deutsche.

Schreckliche Bilder gingen in den vergangenen Wochen auch aus Gaza um die Welt. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als das ganze Ausmaß an Tod und Zerstörung durch israelische Bomben offenkundig wurde?
So traurig das ist: Ich hatte schon weit früher damit gerechnet. Nach der zweiten Intifada herrschte eine Phase relativer Ruhe, ohne dass ein einziges der zugrundeliegenden Probleme gelöst wurde. Seit die Hamas 2006 in Gaza an die Macht kam, hat sie auf Eskalation gesetzt, die Regierung Netanjahu ist ihrerseits nicht bereit, die Ursachen des Konflikts anzugehen – also worüber wundern wir uns? Was wir erleben, ist ein weiteres schäbiges Kapitel in einer Chronik politischen Versagens.

Führt Israel einen verhältnismäßigen Krieg?
Krieg ist grundsätzlich unverhältnismäßig.

Aber ist angesichts hunderter ziviler Opfer, darunter viele Kinder, nicht eine Grenze überschritten?
Sicher, Israel neigt zur Überreaktion. Das erklärt sich aber aus einer Lage, in der wir alle noch nie waren: Über Jahrhunderte zum Sündenbock gemacht. Gedemütigt, ermordet. Endlich im eigenen Staat angekommen, umgeben von Feinden, die prahlen, dich von der Landkarte tilgen zu wollen. Dich attackieren. Und du sagst: Niemals wieder werde ich Opfer sein! Und schlägst mit zehnfacher Härte zurück, so dass deinen Gegnern jegliche Lust vergeht, sich mit dir anzulegen. Das Problem ist, die Hamas weiß das für sich zu nutzen. Sie weiß, ein paar Nadelstiche reichen, und Israel haut gleich mit der Klatsche drauf, was auch gemäßigte Palästinenser radikalisiert. Genau das will sie. Tote palästinensische Zivilisten kommen ihr da sehr gelegen. Die einzige Überlebenschance für die Hamas ist nun mal die Eskalation, und Netanjahu geht ihr auf den Leim.

Das klingt nach Schuldzuweisung.
Beide Seiten machen sich schuldig. Seit Jahrzehnten. Seit Zivilisten in diesem Dauerkonflikt sterben und keiner in seinem Dickkopf bereit ist, auch nur einen Zentimeter von seiner Position abzuweichen. Und solange sich beide weiter häuslich in dem Konflikt einrichten, tragen sie schon jetzt Schuld an den Opfern von morgen. Fährt man allerdings hin – nach Israel, in die Westbank –, führt sich die Schuldfrage schnell ad absurdum. Man erlebt keine verfeindeten Systeme, keinen Kampf der Ideologien. Es gibt nur Einzelschicksale. Mit wem immer Sie reden, Sie beginnen ihn zu verstehen. Auch wenn Sie sein Handeln vielleicht missbilligen, aber sein Leid, sein Misstrauen, wird greifbar. Er ist schuld, weil der andere schuld ist. Da ist keiner, auf den Sie zeigen und sagen können: Du hast das alles verbockt.

Teilen Sie die Rechtfertigung der Militärschläge, dass Israel durch den Terror der Hamas in seiner Existenz bedroht sei?
Israel ist nicht in seiner Existenz bedroht. Ganz sicher nicht durch die Hamas, und angesichts des Chaos‘ in der muslimischen Welt auch nicht von anderen arabischen Staaten – nicht so wie früher, als Syrien und Ägypten noch gemeinsam Überfallpläne schmiedeten. Umso mehr ist Israel aber in seinem Frieden gefährdet. Durch Terror, und Terroristen kommt man mit Krieg nicht bei. Krieg lässt Terror gedeihen. Auch Militärschläge gegen die IS können nur dazu dienen, kurzfristig einen Genozid zu verhindern. Danach ist bessere, gerechtere Politik gefragt. Versöhnliche Politik, Dialog. Netanjahu weiß solche Dinge. Seine Geheimdienstchefs haben ihm schon in den Neunzigern gesagt, rede mit denen! Verhandele! Die Spirale des Tötens führt nur nach unten.

In Ihrem neuen Thriller, in dem fiktiven Teil, der sich von historischen Fakten löst, kommt Israels größter Feind von innen, radikalreligiöse Kräfte schmieden am Ende ein Komplott. Wie schätzen Sie diese Gefahr ein?
Real. Israels Gesellschaft ist gespalten, die radikalreligiöse Rechte, die sich nach 1967 herausbildete, ist mächtiger denn je. In diesem kleinen Land gibt es viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, entsprechend viele Splitterparteien. Kein Premier kann da einfach durchregieren. Man braucht Koalitionäre, und die rechten Hardliner erkannten früh, dass ihnen die religiösen Fraktionen Mehrheiten sichern. Darum sind die ideologischen Siedler heute so stark. Zahlenmäßig eine Minderheit, aber Israel droht an ihnen zu zerbrechen. De facto sind die meisten Israelis gegen die Besiedlung und für einen palästinensischen Staat. Sie möchten mit den Palästinensern in Frieden und guter Nachbarschaft leben, aber die Radikalen sabotieren das.

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Die Rolle der israelischen Armee sehen Sie besonders kritisch.
Weil sie nicht mehr wie früher Spiegelbild der gesellschaftlichen Kräfte ist. Sondern so durchsetzt von Nationalreligiösen, dass sich Teile des Militärs wohl verweigern würden, wenn heute ein Premier zur Räumung der Westbank aufriefe. Als Ariel Sharon …

… der eine zentrale Figur in Ihrem Buch ist.
Ja, ein starker Charakter. Als Sharon 2005 beschloss, Gaza zu räumen – und ich bin sicher, er hätte auch die Westbank geräumt –, war er bereit, sich mit den Nationalreligiösen anzulegen. Gefährlich. Yitzhak Rabin hat das nicht überlebt. Aber Sharon hatte Charisma, einen eisernen Willen, der Großteil der Bevölkerung stand hinter ihm. Gaza zu räumen, galt als wichtiger Schritt zum Frieden. Dann kam dort die Hamas ans Ruder und quittierte Scharons Initiative mit Raketenbeschuss. Es schien keinen Unterschied zu machen, wie man sich verhielt. Daraus resultiert ein Großteil des Misstrauens in der israelischen Bevölkerung: dass man, wenn man dem anderen die Hand reicht, nur in noch größere Kalamitäten kommt.

Sharon, der im Januar starb, ist bei Ihnen trotz seiner dunklen Seiten ein Hoffnungsträger. Gibt es derzeit handelnde Personen, denen Sie eine Friedensmission zutrauen?
Ich sehe niemanden. Das rechte Lager ist verhärtet, Netanjahu der allerletzte, von dem wir eine Friedenslösung zu erwarten hätten. Yair Lapid, der liberale Hoffnungsträger, erweist sich als Enttäuschung. Mahmud Abbas hat seinerseits ein Riesenproblem, weil er zwar die Mehrheit der gemäßigten Palästinenser vertritt, aber halt auch die Radikalen braucht. Die Angst vor dem faulen Kompromiss, etwas zu unterschreiben, das sich als Bumerang erweist, die Angst vor dem Zerreißen der eigenen Gesellschaft, gar vor einem Bürgerkrieg, ist beiderseits so groß, dass sich keiner traut, die Ursachen für den Konflikt zu korrigieren, letztlich also die Geschichte.

Ziemlich hoffnungslos. Sie tauchen ja meistens tief in Ihre Themen ein. Seit Ihrem ersten erfolgreichen Roman „Der Schwarm“, in dem die gequälte Natur der Weltmeere zurückschlägt, gelten Sie als Klima-Experte. Jetzt sind Sie Nahost-Experte.
Ja. Eigenartig.

Haben Sie als Autor, der den Tsunami vorweg fantasierte, eine Idee, wie Frieden im Nahen Osten möglich werden könnte?
Den einen Vertrag, der alles regelt, wird es nicht geben. Nur kleine Schritte. Und immer wieder Rückschläge, bis sich das Klima langsam ändert. Das kann 50, eher 100, 200 Jahre dauern. Die besetzten Gebiete müssen geräumt werden, durchaus unter Beibehaltung einiger großer Siedlungsblöcke. Das könnte man wohl mit den Palästinensern verhandeln. Gott muss aus der Argumentation verschwinden. Die Palästinenser müssen ein Generationen umfassendes Rückkehrrecht für Flüchtlinge aus ihrer Agenda streichen. Jerusalem wird politisch geteilt, der Tempelberg kommt unter internationale Aufsicht, alle Religionen respektieren einander. Science Fiction? Na, nicht ganz.

Als Sie sich vor drei Jahren das Thema vorgenommen haben, wussten Sie nicht mehr als ein durchschnittlich interessierter Mensch über Israel und Palästina. Einer der Beweggründe war, dass Sie den Konflikt verstehen wollten. Ist Ihnen das gelungen?
In Grenzen, ja. Es bleibt schwer zu verstehen, was in einem vorgeht, der drei Schüler einfach abknallt oder einen Jugendlichen bei lebendigem Leib verbrennt. Aber ich kann erklären, mir und anderen, wie alles begonnen hat: im Osmanischen Reich, im Palästina der Kolonialzeit, im Sechstagekrieg. Warum die Lage heute so verfahren ist. Die Ursachen dafür liegen lange vor der Gründung des israelischen Staates.

Bei den Recherchen waren Sie vor drei Jahren auch im Westjordanland und beeindruckt von den Freundschaften zwischen Israelis und Palästinensern dort. Halten diese Beziehungen die furchtbaren Bildern aus Gaza noch lange aus?
Ich glaube schon. Das bestätigen auch meine israelischen und palästinensischen Freunde. Es ist ja nicht die erste Auseinandersetzung, 2008 gab es Krieg in Gaza, davor zwei Intifadas, extrem blutig. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt, die Lage hoffnungslos, aber private Bindungen halten eine Menge aus. Israelis und Araber passen von der Mentalität, ihrem Humor, ihren Vorlieben eigentlich wunderbar zusammen. Sie könnten großartige Nachbarn sein.

Als „Breaking News“ im März erschien, wurden Ihnen oft die Frage gestellt, ob man als Deutscher über Israel schreiben darf. Haben Sie sich inzwischen manchmal gefragt, ob ein Unterhaltungsroman über dieses komplexe und blutige Drama angebracht ist?
Hätte es dieses Krieges bedurft, mich das zu fragen, wäre ich naiv. Ich war immer der Meinung, das geht. Es gibt auch großartige Historienfilme über das römische Reich. Obwohl es bestimmt kein Spaß war, im Circus Maximus als Christ verbrannt zu werden.

Das ist Geschichte, der Krieg in Gaza spielt sich vor unseren Augen ab.
Und entrückt auch schon wieder in die Geschichte. Unterhaltung ist nicht zwangsläufig ein Gute-Laune-Programm zur Verflachung und Verharmlosung. Steven Spielberg hat mal gesagt, „Schindlers Liste“ sei definitiv mehr gewesen als Unterhaltung, aber eben auch Unterhaltung – im Sinne, dass Unterhaltung berührt. Wir müssen andere Zugänge zu Themen schaffen, die sich uns sonst nur noch durch zappelige, alte Schwarzweiß-Filme oder kalte Opferstatistiken übermitteln. Die Leute emotional packen. Und mitunter vermittelt das fiktive Personal eines Romans oder Films mehr Wahrheit über eine Krisenregion als der Ausschnittdienst der Abendnachrichten. Wenn wir die Menschen nicht berühren, wenden sie sich ab.

Auf Ihrer Multi-Media-Lesereise, die im Herbst beginnt, spielt gesprochenes Wort kaum noch eine Rolle, dafür kommen mehr als 2000 Leute pro Abend. Locken Sie die Masse mit Spektakel an?
Masse? Mein Publikum ist keine Masse. Das sind Leute mit Erwartungen, denen ich was biete. Und Spektakel? Spektakel sind billig und pompös. Es wird sehr wohl gesprochen, allerdings eingebettet in ein neuartiges, faszinierendes Klangerlebnis. Kino für die Ohren, enorm suggestiv! Es wird auch gesungen. Von Ofrin, einer israelischen, in Berlin lebenden Sängerin, und nebenbei erfährt man eine Menge darüber, was man sich vorm Fernseher immer schon gefragt hat.

Kritiker bemängelten, dass Ihr Roman zwar gutgemeint, aber als Mischung aus Thriller und Familienepos nicht gelungen sei. Nehmen Sie solche Urteile an?
Andere Kritiker fanden die Mischung sehr gelungen. Ich nehme Urteile von genau drei Personen an. Meiner Frau, meinem Lektor, meinem Verleger. Die bekommen meine Bücher als erste zu lesen. Ihnen vertraue ich, ihren Input baue ich ein. Wenn wir vier sagen, jetzt ist es gut, dann ist es gut. Und basta. Ich habe nie eine Sekunde darüber nachgedacht, was ich tun muss, um es jedem recht zu machen. An wie vielen Einzelmeinungen wollen Sie sich abarbeiten? Was der eine bemängelt, hebt der andere heraus. „Breaking News“ hat das Feuilleton gespalten, die Reaktionen reichten von begeistert bis ablehnend. Prima. Es ist wichtig, zu polarisieren. Bei so einem Stoff, so einem gewagten Konstrukt, hätte mich alles andere schwer gewundert.

Sie sind restlos zufrieden mit „Breaking News“?
Kein ernsthafter Künstler ist je restlos zufrieden. Keith Richards schreibt in seiner Autobiographie, er würde heute jeden Stones-Song anders abmischen. Die Hälfte seiner Soli findet er Scheiße, kaum zu glauben. Ich bin zufrieden. Das ist eine Menge.

Einen Rabbi, für den es ein reales Vorbild gibt, lassen Sie in Ihrem Buch sagen, dass die Deutschen Israel auch kritisieren dürfen. Haben Sie Verständnis für Menschen, die das derzeit tun?
Ich habe Verständnis, wenn jemand sehr genau hinschaut, differenziert und in Kenntnis der Hintergründe die Kräfte benennt, die eine Eskalation vorantreiben. Das bedingt, sich dezidiert mit den Fakten auseinanderzusetzen. Zu sagen, Netanjahu verschleppe den Frieden, hat bestimmt nichts mit Antisemitismus zu tun. George W. Bush pflegte Kritik an seinem Vorgehen als Anti-Amerikanismus zu verunglimpfen, dabei brachte sie schlicht zum Ausdruck, dass er der Falsche im Weißen Haus ist. Wenn man Kritik richtig adressiert, darf man alles. Ein ganzes Land, ein Volk zu verurteilen, ist unzulässig.

Auch in Köln, wo sie leben und arbeiten, wurden auf Demonstrationen judenfeindliche Parolen gebrüllt. Sehen Sie darin ein Wiederaufflammen des Antisemitismus in Deutschland?
Deutschland werde antisemitischer, ist ebenso eine Stammtischparole wie alles andere. Was da aufflammt, ist nichts Neues. Die immer schon Dreck in der Birne hatten, wittern jetzt ihre Chance, damit um sich zu werfen. Richtig ist: Es gibt in Deutschland Antisemiten, und jeder ist einer zu viel. Darunter sind Neonazis und Islamisten, Deutsche und Muslime. Ihr jeweiliger Antisemitismus ist unterschiedlichen Ursprungs, sie bilden kaum Allianzen, schon weil es den meisten dafür an Grips fehlt. Falsch ist: Die Deutschen werden antisemitischer. Die Deutschen? Welche Deutschen? Wer genau? Sie? Ich? Die da draußen vorbeigehen? Ich will, dass wir verdammt noch mal genau hinschauen. Differenzieren. Pauschalierungen machen mich grundsätzlich sauer.

Rechnen Sie bei Ihrer Lesereise auch mit antisemitischen Protesten?
Ach was. Man darf mich in meiner Rolle nicht überschätzen. Mein Thema ist aktuell, schon, aber ich bin Thriller-Autor, kein Ideologe. Ich kann’s mir nicht vorstellen. Und wenn da was kommt, gibt’s klare Ansagen von der Bühne.

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