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Neuerscheinungen aus Afrika
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Die Schriftstellerin Maaza Mengiste ist Autorin des Buchs „Der Schattenkönig“.

Buchmarkt

Spannendes, Historisches, Bewegendes aus Afrika

Afrika nicht als exotische Kulisse oder Spielfeld weißer „Retter“ - Nigeria, Äthiopien oder Tansania gehören zu den Schauplätzen der neuen Romane afrikanischer Autorinnen, die Neugier wecken.

Frankfurt/Main - Der Literaturnobelpreis für einen Abdulrazak Gurnah aus Tansania, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe - Literatur aus Afrika findet in diesem Jahr reichlich Anerkennung.

Allerdings - wer den neuen Nobelpreisträger kennenlernen wollte, musste erst einmal zum englischen Original greifen, da keine deutschsprachige Übersetzung vorlag. Symptomatisch für ein Desinteresse auf dem deutschen Buchmarkt und damit in einem Land, das anders als Großbritannien oder Frankreich keine große afrikanische Diaspora und lange historische Beziehungen zu den Nachfolgestaaten einstiger Kolonien hat?

Doch aktuelle Erscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt lassen hoffen. Gleich mehrfach sind jüngst Bücher veröffentlicht worden, in denen Autorinnen aus afrikanischen Ländern Themen ihrer Heimatländer verarbeiten.

Da wäre etwa die britisch-nigerianische Autorin Abi Daré mit ihrem Debütroman „Das Mädchen mit der lauternen Stimme“. Mit ihrer Titelfigur Adunni gibt sie auch all jenen afrikanischen Frauen eine Stimme, die in Stille, harte Arbeit und Mehrfachbenachteiligung geboren wurden. Kinderehe, moderne Sklaverei, Armut und Chancenlosigkeit gehören zu den Themen des Romans.

Daneben geht es aber auch um den Mut, die vorgegebenen Verhältnisse nicht hinzunehmen und mit Bildung auf den sozialen Aufstieg zu hoffen. Der Roman führt die Leser von Adunnis Kindheit in einem nigerianischen Dorf in die Mega-Metropole Lagos. Das Mädchen, das nach Bildung regelrecht hungert und sich ihren Traum vom Besuch einer weiterführenden Schule trotz aller Rückschläge in ihrem harten Leben als Dienstmädchen erfüllen will, ist dabei eine Hauptfigur, die für die Stärke der Schwachen, Benachteiligten und Ausgebeuteten steht.

Das Leben auf einem Dorf, in dem alte Traditionen noch eine große Rolle spielen, schildert auch die in Kamerun geborene und in den USA lebende Autorin Imbolo Mbue in ihrem Roman „Wie schön wir waren“. Hier allerdings steht der Kampf der Menschen in dem fiktiven Dorf Kosava gegen einen Ölkonzern und korrupte Regierungspolitiker im Mittelpunkt. Kosawa könnte in vielen Ländern liegen, für die reiche Öl- und andere Rohstoffvorkommen Reichtum und Fluch zugleich sind - Nigeria oder Südsudan, Kongo oder Niger. Mbue wirft die Frage auf, ob ein gerechter Kampf auch jedes Mittel rechtfertigt. Und sie zeigt die Machtlosigkeit von Menschen, die in einer von Korruption und Machtgier geprägten Gesellschaft ohne verlässliche Gesetze, Umweltauflagen und transparente Regeln Willkür ausgesetzt sind.

Einen Kampf wie David gegen Goliath beschreibt auch die aus Äthiopien stammende und heute in den USA lebende Schriftstellerin Maaza Mengiste mit ihrem historischen Roman „Der Schattenkönig“. Vordergründig geht es um den Krieg der Äthiopier gegen das faschistische Italien mit seinem weitaus besser ausgerüsteten Militär. Doch der „Schattenkönig“ ist mehr als ein Roman über einen Krieg, denn vor allem verdeutlicht er Sozialstrukturen und Genderrollen, eine Welt, in der Männer Herrscher sind und starke Frauen sich eine Nische erkämpfen müssen, wenn sie sich nicht mit der zugeschriebenen Rolle begnügen wollen.

Die beiden Protagonistinnen Aster und Hirut verkörpern das auf unterschiedliche Weise. Denn in der Feudalgesellschaft des alten Äthiopien steht Aster zur Aristokratie, hat Bildung genossen, ist stolz auf ihren sozialen Status. Das Dienstmädchen Hirut wiederum, früh verwaist, ist in die Armut hineingeboren, konnte nicht zur Schule gehen und wird von Aster wie eine Leibeigene behandelt. Doch beide Frauen spielen in dem Roman, der für den Booker Prize nominiert war, eine aktive Rolle gegen die Invasoren.

Ist die Häufung der Neuerscheinungen afrikanischer Autorinnen und Autoren vielleicht auch ein Ergebnis von Debatten über Rassismus und Identität? „Ich glaube, dass die Geschichten, die wir erzählen - selbst meine, die vollständig in Äthiopien handelt - Fragen behandeln, die sich alle Schwarzen Menschen in Amerika, Einwanderer oder Frauen stellen“, sagte Mengiste der Deutschen Presse-Agentur. „Wohin gehöre ich, wie kann mein Körper ein politisches Symbol und zugleich etwas sehr Persönliches sein? Wie übe ich Selbsterhaltung, wenn mich jemand Größeres zerstören will?“

Eine Geschichte komplizierter Familiendynamik, jugendlicher Rebellion und Missbrauch, aber auch von Mythen und Erzählungen im Rahmen einer afrikanischen Familiengeschichte erzählt Kayo Mpoyi in „Mai bedeutet Wasser“. Die schwedische Autorin wurde im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, geboren und wuchs in einer Diplomatenfamilie in Tansania auf, ehe sie mit ihrer Familie im Alter von zehn Jahren nach Schweden zog. Herkunft und Kindheit in Ostafrika hat sie mit der Ich-Erzählerin Adi gemeinsam. Das Buch widmete sie ihrem sechsjährigen Ich.

Das Zerbrechen der Familie geht einher mit dem Auseinanderbrechen der politischen Stabilität, wobei die Entwicklung in der Heimat nur angedeutet bleibt. Oder ist alles letztlich die Konsequenz eines Fluchs der Urgroßmutter, der eine glückliche Zukunft der Nachkommen unmöglich macht? Die Rolle der Ahnen und die Verbindung zu ihnen, der Glauben an Wassergöttinnen und Geister, der neben evangelikal geprägtem Christentum besteht, die ethnisch-sozialen Spaltungen, die es auch in Tansania gibt - all das wird aus dem Blick des aufgeweckten, fragenden Mädchens erzählt.

- Abi Daré: Das Mädchen mit der lauternen Stimme, Eichborn Verlag, 367 Seiten, 22 Euro, ISBN 978-3-8479-0091-7.

- Imbolo Mbue: Wie schön wir waren, Kiepenheuer & Witsch 2021, 443 Seiten, 23 Euro, ISBN 978-3-462054705.

- Kayo Mpoyi: Mai bedeutet Wasser, CulturBooks 2021, 263 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-95988-154-8. dpa

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