Lesung

Sophies wilde Welt

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Die Autorin Sophie Passmann stellt ihr Buch „Alte weiße Männer“ in Frankfurt vor.

Es wird viel geredet da draußen. Nicht nur von Männern, sondern auch über Männer. Und seit ein paar Wochen wird auch viel über Sophie Passmann geredet. Und mit ihr. Und über sie geschrieben. Manche fanden ihr Buch, für das sie sich mit 16 Männern zum Gespräch getroffen hat, um über alte weiße Männer zu reden, richtig gut. Frech sei sie, die 25-Jährige. Und klug.

Andere, die Passmanns „Alte weiße Männer“ rezensiert hatten, fanden, die Autorin sei zwar clever und jung und wild, mache sich aber unnötig klein, wenn sie so oft betone, wie klug und cool und weltgewandt ihr jeweiliges Gegenüber sei. Tja, so der Tenor, leider tappt auch die pfiffigste Feministin in die alte Falle Mann.

Ein bisschen angefressen ist Sophie Passmann angesichts dieses offensichtlichen missverstanden Werdens. Nicht, weil sie gemocht werden möchte. „Natürlich will ich nicht gemocht werden!“ betont sie zu Anfang ihrer Lesung am Mittwoch im Frankfurter Mousonturm. Das mit dem gemocht werden wollen stehe zwar so an einer Stelle in ihrem Buch, aber das sei Ironie! Irgendwie auch bezeichnend für den Stand der Feminismus-Debatte, dass so etwas betont werden muss. Aber, sei’s drum. Sie habe einfach nur mit wie auch immer einflussreichen Männern – darunter Robert Habeck, Rainer Langhans, Ulf Poschardt und ja, auch Papa Passmann – darüber sprechen wollen, was in deren Augen einen alten weißen Mann ausmacht. Und ob sie nicht auch Angst haben, einer zu werden.

Sie wollte mit Männern aus der Grauzone sprechen, mit denen, „die hadern“, wie sie auf Nachfrage aus dem Publikum erklärt. „Und ich wollte mich im Nachhinein am Schreibtisch dann nicht klüger schreiben, nicht schlagfertiger geben als ich in dem Moment des Gesprächs war.“ Das wäre unfair und arrogant, sagt Passmann, die auch zu Jan Böhmermanns „Neo Magazin“-Team gehört. Satire gerne, jemanden vorführen? Nö!

Dass Sophie Passmann mit dieser integren Haltung an ihr Buchprojekt gegangen ist, kam in den Kritiken tatsächlich etwas zu kurz. Und weil sie eine Frau ist, die „gefühlvoll“ nachtritt, wie sie sagt, spielt sie im Verlauf ihrer popliterarischen Lesung immer wieder klug und selbstironisch auf die Nörgeleien der Feuilletonisten an, bleibt dabei aber „sachlich und fair“. So wie die Kritiker. „Höchstens Zwischentöne!“ So wie bei den Kritikern. Lacher branden auf, wie bei TV-Sitcoms alter Schule. Oder ein tiefer Seufzer geht durch die Reihen (hier sitzen sieben Männer und etwa zehn Mal so viele Frauen, fast alle unter 30), etwa, als Sophie Passmann fragt, wie es denn so für die Mädels hier im Publikum gewesen sei, mit ihren Vätern über Feminismus zu diskutieren. Nebenher nippt sie an ihrem Weinglas. Eine Flasche Riesling ist auch eine Ansage! „Und wenn die leer ist, falle ich hier raus.“ (Auch Ironie, es bleibt bei einem Glas!)

Sie liest und redet. Sie kann beides, hat es lange genug im Radio und auf Poetry-Slam-Bühnen gemacht. Es gibt Passagen, die bricht sie abrupt ab, weil das gerade Gelesene einfach zu absurd ist: Etwa, wenn Ex-Kommunarde Langhans den „Opferfeminismus“ beklagt und sein Harem als leider unverstandenes feministisches Projekt würdigt; wenn „Welt“-Chefredakteur Poschardt über Frauen redet, als seien sie eine Firma; wenn Grünen-Überflieger Habeck sich dafür entschuldigt, dass er in einem Gespräch über Feminismus doch häufiger Fußball-Metaphern bemüht; und auch, als sie Papa Passmann zitiert mit den Worten, er finde den Begriff Feminismus schwierig, weil er die Männer nicht einschließt. „Schweigeminute, oder?“, sagt Sophie Passmann – und lässt das Gesagte in eben jenem Raum stehen, in dem sich der Mann souverän und garantiert selbst zerlegt. Wenn man ihn nur lässt.

Manche Leute seien überrascht gewesen, „dass ich ein eher ironisches Buch geschrieben habe“, erzählt Sophie Passmann. Aber Ironie sei eben auch eine Möglichkeit, „Dinge, vor denen wir Angst haben, auf Abstand zu halten“. Vor Sophie Passmanns Verständnis von Feminismus braucht sich niemand zu fürchten – vor dem, was sie in ihren Gesprächen und Alltagsbeobachtungen einfängt, umso mehr.

Sophie Passmanns Lesetour ist nahezu ausverkauft. Es gibt noch Karten für den 8. April in der Centralstation Darmstadt und die Lesungen in Leipzig, Dresden, Magdeburg und Erlangen.

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