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Sophie Passmann

Sophie Passmann

Frank Ocean, Nebendarsteller

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Die medial omnipräsente Autorin Sophie Passmann schreibt für die KiWi Musikbibliothek über ihr Idol Frank Ocean und erzählt dabei auf irritierend intime Weise von ihrem Seelenleben.

Der Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch hat die neue Reihe KiWi Musikbibliothek ins Leben gerufen. Zum Auftakt erklären vier Autor*innen jeweils ihre höchst subjektive Liebe zum Werk von Musiker*innen. Eine davon: Twitter-Prominenz und ZEITmagazin-Kolumnistin Sophie Passmann. Ihre Beiträge in sozialen Medien sind taff, geistreich, witzig, manchmal auch hochgradig polemisch. Ihre Kolumne hingegen, in der sie allem, was viele mögen, eine Absage erteilt und glorifiziert, was abseits des Mainstreams liegt, ist primär polemisch, bemüht witzig und gefällt sich in ihrer Anti-Haltung allzu sehr. Passmanns Buch “Alte Weiße Männer” schaffte es in die Spiegel-Bestsellerliste, wurde genauso kontrovers diskutiert, wie es populär war. 

Für den dem Pop zugewandten Verlag schreibt die Popliteratin über Frank Ocean, der klar Pop-, eigentlich aber vor allem auch Ausnahmekünstler ist. Aber schreibt sie überhaupt über ihn? Das Buch steigt schwer ein, lichtet sich dann, und endet versöhnlich. Im Grunde schreibt sich Passmann schlicht ihre Depression von der Seele, während der zufällig Frank Oceans Album “Blonde” herauskam. Einzelne Stadien ihres Genesungsprozesses verknüpft sie mit einzelnen Songs, Zitate werden, man kennt es von Fans, bedeutungsschwanger aufgeladen. Das liest sich manchmal amüsant, ist manchmal von klugen Sätzen, wie man sie von ihrer Internetpräsenz kennt, durchzogen. Meistens aber liest es sich deprimierend, fehlplatziert, irritierend intim. 

Die Schwere und Tragik von Passmanns Erkrankung soll hier keineswegs in Frage gestellt werden, das nicht. Und doch stellt sich die Frage, ob ein Buch über Frank Ocean, wenn auch als persönliche Liebeserklärung formuliert, der richtige Ort ist, die eigenen Dämonen in diesem Maße auszubreiten. Die Hoffnung, dass auf Passmanns Wunsch, allein Frank Oceans Album „Blonde” solle auf ihrer Beerdigung laufen, noch eine inbrünstige, vielleicht selbstironische oder wenigstens romantisch verklärte Liebeserklärung folge, wird enttäuscht. Sophie Passmanns Beitrag zur Musikbibliothek mag stilistisch kein schlechtes Buch sein, aber mehr als der Tagebucheintrag einer Person, die neben der Hürde der Alltagsbewältigung zufällig Frank Ocean mag, ist es nicht.

In der Rubrik "Unter Dreißig" berichten Studierende aus Berlin von der Frankfurter Buchmesse. 

Sophie Passmann

„Über Frank Ocean"

Kiwi Musikbibliothek

2019

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