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Bettina von Arnim.
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Bettina von Arnim.

Berlin

Sonja Hilzinger über Bettina von Arnim: Eine moderne Frau in reaktionären Zeiten

  • vonWilhelm v. Sternburg
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Sonja Hilzinger gelingt eine biografische Miniatur zu Bettina von Arnim und ihren Berliner Jahren.

Ich bin sehr froh, dass ich die Tollhäusler los bin“, schrieb Goethe 1812 nach einer Begegnung mit dem Ehepaar Achim und Bettina von Arnim im Kurbad Teplitz an seine Frau Christiane. Die 22-jährige Bettina hatte den berühmten Mann nach ihrer ersten Begegnung 1807 in Briefen angeschwärmt. Geschmeichelt und nicht ohne erotische Gefühle empfing er sie einige Male in seinem Weimarer Haus. Bis es dann 1810 zu einem peinlichen Streit zwischen der eifersüchtigen Christiane und der verliebten Bettina kam. Goethe verbot den Arnims sein Haus. Und Bettina von Arnim sicherte sich drei Jahre nach dem Tod des Dichters mit der Veröffentlichung von „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ die Aufmerksamkeit der literarisch interessierten Berliner Gesellschaft.

Berlin wurde neben Gut Wiepersdorf zum Lebenszentrum der in Frankfurt geborenen Autorin, deren Bruder der „Wunderhorn“-Romantiker Clemens von Brentano, deren Schwager der Rechtsgelehrte und spätere preußische Minister Friedrich Carl von Savigny und deren Freundin die Dichterin Karoline von Günderrode war. Nach einigen wenigen Begegnungen zeigte sich die Romantikerin von Beethoven hingerissen („eine Gewallt, die mehr Willen hat als ich selber, zog mich zu diesem Mann“) – nachdem sie diesen Treffen öffentlich romanhafte Züge angedichtet hatte, glaubten einige Zeitgenossen (fälschlicherweise) gar, sie sei dessen „ferne Geliebte“ gewesen. Sie traf Karl Marx und blieb von seinem Denken beeindruckt.

Das Buch

Sonja Hilzinger: „Herzhaft in die Dornen der Zeit greifen...“. Bettina von Arnim in Berlin (1810-1859). vbb, Berlin 2020. 32 Seiten, 8 Euro.

Aufforderung an den König

Aber nicht die Demokratie war ihr Ideal, sondern die konstitutionelle Monarchie. Den König Friedrich Wilhelm IV. rief sie in einem Brief dazu auf, die Brüder Grimm nach ihrer Ausweisung aus Göttingen an die Berliner Universität zu berufen. Der Weberaufstand von 1844 veranlasste sie, den preußischen König aufzufordern, gegen die Armut im Staat aktiv zu werden. „Damals wie heute brauchte und braucht es Mut, den Königen zu schreiben“, schreibt die Literaturwissenschaftlerin Sonja Hilzinger in ihrer mit großer Sympathie geschriebenen, auf Berlin sich konzentrierenden biografischen Miniatur. „Bettina von Arnim besaß diese Courage.“

Sie war in der Tat eine außergewöhnliche Frau. Die Ehe mit Achim von Arnim erwies sich zunehmend als problematisch. Sie suchte die Welt, er die Natur und die Einsamkeit. „Bettinas drittes Leben beginnt nach dem Tode ihres Mannes“, erklärt Hilzinger. „Geschrieben hatte sie schon immer, nun beginnt sie zu veröffentlichen.“ Das Goethe-Buch, einen Brief-Roman über Karoline von Günderrode, ein „Gespräch mit Dämonen“, das den „schlafenden“ Revolutionsgegner Wilhelm IV. aufwecken sollte. Eine moderne Frau in düsteren Jahren der Reaktion. Sie lebe in einem „unaufhörlichen Kämpfen und Arbeiten“, merkte einer ihrer Bewunderer an. Sonja Hilzingers Berliner Spurensuche, schmal und wunderschön bebildert, unterstreicht dies nachdrücklich.

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