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Simone Buchholz. Foto: Gerald von Foris/SV
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Simone Buchholz.

Kriminalroman

Simone Buchholz „River Clyde“: So ist es also, das mysteriöse Leben

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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„River Clyde“: Simone Buchholz lässt ihre Staatsanwältin Chastity Riley ein Haus in Schottland erben.

Da staunt der Schotte: Dass diese lässige, melancholische, neurotische, gleichzeitig wundersam taffe und trinkfeste Frau von Beruf Staatsanwältin ist. St. Pauli ist ihnen ein Begriff, den Männern in der Kneipe, vor allem ein Fußball-Begriff. Aber eine Hamburger Staatsanwältin, die im Glasgower Regen Urlaub macht? Echt jetzt? Was würden sie erst staunen, die knorrigen, knurrigen Schotten, wüssten sie den Vornamen dieser Frau (aber sie verrät ihn wohlweislich nicht): Chastity, Keuschheit.

„River Clyde“ ist Simone Buchholz’ bereits zehnter Kriminalroman um Chastity Riley, die diesmal nach Schottland reist, weil sie dort – am matschig-nassen Ende der Welt, vis-à-vis britischer Atomwaffen – ein Haus geerbt hat. Leserinnen und Leser hierzulande hatten also schon viele Gelegenheiten, sich an diese doch ziemlich exzentrische Ermittlerfigur zu gewöhnen. Und wie schöne Gelegenheiten! Denn Simone Buchholz’ Romane haben (wie die von Friedrich Ani, Merle Kröger, Matthias Wittekindt, Jan Costin Wagner) einen ganz individuellen, originellen, ambitionierten Erzählton. Auch für sie ist der Krimi keine Gebrauchsliteratur, kein Genre, mit dem man nicht kühn experimentieren, politisch werden, poetisch werden dürfte.

Letzteres zum Beispiel tut sie, indem sie dem Fluss eine Stimme gibt, in Mini-Kapitelchen, über denen „Clyde“ steht. Indem sie ihn Seegang simulieren lässt, von links nach rechts in seinem Bett, damit endlich mal einer hinsieht. „Aber es sieht ja keiner. Weil ja keiner hinsieht“, denkt Clyde und man stellt sich einen ziemlich frustrierten Fluss vor (und notiert in Gedanken: mal wieder dem Main zusehen).

Das Buch:

Simone Buchholz: River Clyde. Kriminalroman. Suhrkamp, Berlin 2021. 230 S., 15,95 Euro.

Chastity Riley also versackt in Glasgower Kneipen, lernt nette Glasgower kennen, einer von ihnen, ein Künstler, fährt schließlich mit ihr zu dem Haus, das ihre Tante ihr vererbt hat. Und wo der Geist ihrer Tante ihr noch ein wenig beim Eingewöhnen hilft. (Und wo steht das denn geschrieben, dass ein Krimi auf Gespenster verzichten muss, dass Riley nicht mit ihrer Vorfahrin vor dem Kamin sitzen und ein Zigarettchen rauchen darf?)

Indessen findet der Ermittlungsteil – das, was von ihm übrig ist in dieser Seelengeschichte – in Hamburg statt. Ein Brand wurde gelegt, eine Entmietung übelster Art fand statt, Menschen kamen ums Leben, weil andere Menschen den Hals nicht vollkriegen können. Chastity Rileys Kolleginnen und Kollegen sind mehr oder weniger an der Recherche und Beschattung diverser Verdächtiger beteiligt; außer der Faller, denn der ist ja tot, Bauchschuss.

So schleppen sie alle ihr Traumata mit sich rum, denn das steckt man auch als Ermittlerin, als Polizist nicht weg, wenn der alte Kollege blutig vor einem liegt. Und sowieso ist Riley keine, die Dinge wegsteckt, vielmehr eine Lebensgrüblerin, auch in Schottland.

Wird sie dort bleiben? Wird der zehnte der letzte Band der Reihe sein? Sie hoffe, sagte Simone Buchholz dem NDR, „dass es ihr weiter gutgeht – und dann schauen wir mal“. Das könnte Chastity Riley nicht besser formulieren.

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