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Seiler, Klüssendorf, Hettche

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Im Rennen um den Deutschen Buchpreis: Thomas Hettche mit "Pfaueninsel".
Im Rennen um den Deutschen Buchpreis: Thomas Hettche mit "Pfaueninsel". © dpa

Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2014, mit Plausiblem und Überraschendem, und drei fallen einem gleich ein, die fehlen. Das ist normal und trotzdem schade.

Wird es jetzt langweilig, weil jedermann davon ausgeht, dass Lutz Seiler für seinen großen und triftigen Hiddensee- und End-DDR-Roman „Kruso“ (Suhrkamp) am 6. Oktober in Frankfurt den Deutschen Buchpreis bekommt?

Ja, vielleicht. Aber es trifft sich auch gut, dass eine andere, auf Dauer zehrende Frage durch diese plausible Möglichkeit leiser werden könnte: Wieso es der große und auf seine zugegebenermaßen sehr unterschiedliche Weise ebenfalls triftige Tbilisi- und End-Sowjetunion-Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“, 1300 Seiten, von Nino Haratischwili nicht einmal auf die Longlist geschafft hat.

Dass bereits Uwe Tellkamp mit seinem End-DDR-Roman „Der Turm“ (2008, äußerst erwartet) und Eugen Ruge mit seinem am Ende ebenfalls End-DDR-Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ (2011, weniger erwartet) gewannen, darf Suhrkamp jedenfalls ermutigen.

Und wer könnte durchaus ebenfalls gewinnen? Angelika Klüssendorf ist mit „April“ (Kiepenheuer & Witsch) dabei, die schon 2011 mit dem ersten Teil, „Das Mädchen“, preiswürdig gewesen wäre. Ein weiterer Spät-DDR-Roman, sprachlich so unerbittlich wie die Geschichte, die er erzählt.

Thomas Hettche ist mit „Pfaueninsel“ (noch mal Kiepenheuer & Witsch) dabei, einem demgegenüber eher etwas lehrreichen historischen Roman aus der Preußen-Zeit, aber unter den möglichen Favoriten genannt.

In der Wahrnehmung eher die Überraschungen der Shortlist: die Schweizerin Gertrud Leutenegger mit ihrem poetischen Eyjafjallajökull-Roman „Panischer Frühling“ (Suhrkamp) und Thomas Melle mit seinem Prekariats-Roman „3000 Euro“ (Rowohlt Berlin), zwei nach Seiler, Klüssendorf, Hettche insofern erfrischend gegenwartsnahe Titel.

Würden sie aber gewinnen, wäre das ebenso originell wie ein Sieg für Heinrich Steinfests „Der Allesforscher“ (Piper), der sich quasi von der Seite heranschleicht und unter anderem mit einer Wal-Explosion auf sich aufmerksam macht. Kein kleiner Verlag konnte diesmal für einen Coup sorgen.

Und was fehlt? Marlene Streeruwitz’ „Nachkommen“, aus Prinzip und in der Sache. Auch Martin Lechners gewitztes Romandebüt „Kleine Kassa“ wäre fein für die Endausscheidung gewesen.

Orientierungsarbeit tut aber noch not. Auch das hängt mit „Das achte Leben (Für Brilka)“ zusammen. Haratischwili-Leser verlieren Wettläufe gegen die Zeit, einen nach dem anderen.

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