Krimis

Spannung an der Nordsee und im Wald

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Beim Krimi-Blind-Date im Ratskeller im Frankfurter Römer geben drei Autoren Kostproben.

Wie fühlt sich jemand, der fröhlich ins Watt geht und langsam merkt, dass die Flut kommt? „Das war schwierig zu schreiben“, sagt Tilman Spreckelsen. Der FAZ-Literatur-Redakteur ist einer von drei Autoren, die am Mittwoch zum „Krimi Blind Date“ von Open Books in den Ratskeller im Römer gekommen sind. Sie sitzen wegen Corona aber nicht gemeinsam auf der Bühne, sondern einer nach dem anderen.

Spreckelsen darf beginnen und verrät dem Publikum, wie er das Problem mit dem Watt gelöst hat: „Ich habe versucht, eigene Wattwanderungen wieder heraufzubeschwören.“ In seinem neuen Krimi „Die Nordseefalle“ vertritt der Anwalt Theodor Storm einen mutmaßlichen Mörder. Er will die Unschuld seines Mandanten beweisen und fährt nach Föhr, wo er auf den dänischen Hofstaat trifft und sich mit rätselhaften Unfällen und Intrigen herumschlagen muss. Es ist Spreckelsens vierter Storm-Krimi. „Storm hat mein Gehirn nicht beleidigt und zugleich mein Herz berührt“, antwortet er dem Moderator Michael Sahr auf die Frage, was ihn an dem Dichter fasziniert.

„Mehr die Sau rauslassen“

Der 32-jährige Autor Lucas Fassnacht lässt das Publikum ebenfalls an seinem Schreibprozess teilhaben: „Ich stehe morgens auf, frühstücke, prokrastiniere ein bisschen Youtube-Videos und dann fange ich an.“ In seinem 672-Seiten-Thriller „Die Mächtigen“, den er nach eigener Aussage in nur fünfeinhalb Monaten geschrieben hat, taucht ein Hacker unter, nachdem er einen mysteriösen Fehler im Code für eine neue Zahlungssoftware gefunden hat. Zu Recht, wie sich bald herausstellt. Fassnacht ist es wichtig, dass alles, was er schreibt, auch so passieren könnte. Was er aus seinem Altgriechisch-Studium mitgenommen hat? „Das lange Nachdenken über einzelne Wörter.“

Der Abend endet mit Joe Fischler, der seinen Thriller „Das Spiel“ unter dem Pseudonym Jan Beck veröffentlicht hat, um die Erwartungen seiner Leserschaft nicht zu enttäuschen, die ihn als Autor von humorvollen Tirol-Krimis kennen. „Ich kann so mehr die Sau rauslassen“, sagt er. Das Buch beginnt damit, dass die Schülerin Mavie bei einer Party auf ihr cooles Tattoo angesprochen wird, das im Dunkeln leuchtet - und von dem sie bisher nichts wusste. Gleichzeitig wird eine Joggerin im Wald ermordet. Bevor das Publikum wieder in die nasse, dunkle Frankfurter Nacht hinaus muss, gibt es noch eine Kostprobe: Die Joggerin läuft allein durch die Dunkelheit. Ein Geräusch hält sie noch für das eines Eichhörnchens, aber beim Schwimmen im Waldsee sieht sie ein Licht und ist sicher: „Zu hell für ein Glühwürmchen.“

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