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Ruth Harriet Louise
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Ruth Harriet Louise

Die Schönheit auf halbem Weg zum Glamour

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die wiederentdeckte Hollywoodfotografin Ruth Harriet Louise

Lange bevor Andy Warhol für sich in Anspruch nahm, nicht nur ein Porträtist der Gesellschaft zu sein, sondern dabei vor allem ein Schönheitschirurg, vollbrachten Hollywoods Fotografen ähnliche Wunder auf dem Papier. Die Glamourfotografie glaubte nicht an den Anspruch der modernen Porträtfotografie, etwas vom Wesen der Abgebildeten auf die Platte zu bannen. Nicht von ungefähr, war es ein Mitarbeiter Andy Warhols, der Regisseur Paul Morrissey, der sich als erster dafür zu interessieren begann, wer die Meister in Hollywoods Porträtstudios waren. Mit seiner Begeisterung infizierte er den Sammler John Kobal, der wiederum die Überlebenden Großmeister George Hurrell und Clarence Sinclair Bull noch einmal ins Rampenlicht holte.

Der Zeitpunkt war gut gewählt: Die 70er und 80er Jahre waren sehr empfänglich für Hedonismus und Übertreibungen jeder Art. Und der greise Hurrell fotografierte plötzlich Plattencover für Paul McCartney und Tom Waits. Für eine dritte große Wegbereiterin der Glamourfotografie kam die Ehre zu spät. Ruth Harriet Louise, die einzige Frau im Gewerbe und eine der ersten fest von einem Hollywoodstudio angestellten Fotografinnen, starb 1940 tragisch im Kindbett. Zwischen 1925 war sie die erste Leiterin der Porträtgalerie von MGM gewesen, jenes Studios, das von sich behauptete, mehr Stars zu besitzen als der Himmel.

Seit vergangenem Jahr tourt eine Ausstellung durch amerikanische Kunstinstitute, die von einem ersten Biografieband begleitet wird. Die Wiederentdeckung war überfällig. Louise' Werk steht am reizvollen Wendepunkt zwischen der piktorialistischen Kunstfotografie und der Etablierung eines autonomen fotografischen Genres, dass bestrebt ist, im Standbild ein Äquivalent für den Glanz der Hollywoodfilme zu finden. Glamour im eigentlichen Sinne scheint bei Louise nur ab- und an auf. Dies sollte dann die Domäne Hurrells werden, dem MGM im Jahre 1930 kurzerhand Louise' Job anbot. Der Reiz ihrer besten Arbeiten - sie ist für ihre Zusammenarbeit mit Greta Garbo und Joan Crawford bekannt - liegt vor allem auf dem Weg dorthin. Ihre besten Porträts bewahren sich eine Lebendigkeit in der Stilisierung, die uns die Freude ihrer Modelle an der eigenen Verschönerung teilen lässt.

Die vorliegende Monografie enthüllt auf Grund eines umfangreichen Studiums der erhaltenen Negative Louise' Methode, meist in der Diskretion der Totale zu arbeiten, aus der sich erst in der Dunkelkammer Anschnitte destillieren ließen. Bedauerlicherweise bleiben die Autoren direkte Belege ihrer Thesen schuldig und versuchen andererseits Louise' Anstrengungen gegen den Sexismus des Pin-Up auszuspielen. Im Falle der schwarzen Schauspielerin Nina McKinney ignorieren sie die Existenz einer Aufnahme von zeittypischer Anzüglichkeit, um die diskretere Perspektive zum Maßstab zu erheben. Dabei leben gerade Louise' Aufnahmen vielfach von einem Spagat zwischen verspielter Erotik und der Seriosität eines mondänen Hollywoodstudios. Weit wichtiger als solche Einwände aber ist natürlich die Wiederentdeckung. Die Fotogeschichte ist nicht komplett ohne Ruth Harriet Louise.

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