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Schlangen in Kapstadt

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Von: Sylvia Staude

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Unübersichtliche Lage: Ein südafrikanischer Polizist sichert ein Farmgelände.
Unübersichtliche Lage: Ein südafrikanischer Polizist sichert ein Farmgelände. © REUTERS

Zwei neue, rasante Thriller aus Südafrika: „Black Heart“ von Mike Nicol und „Cobra“ von Deon Meyer. Beide nehmen keine Zuflucht zu allzu wohlfeilen Klischees.

Es ist ungefährlicher, in ein Wespennest zu stechen, als – aus anderen als rein touristischen Gründen – nach Südafrika zu reisen. Das könnte man jedenfalls meinen nach der Lektüre zweier neuer Thriller aus Südafrika.

Der eine, „Black Heart“, ist der Abschluss von Mike Nicols so genannter Rache-Trilogie. Der andere ist Deon Meyers neuer Bennie-Griessel-Krimi „Cobra“.

Im ersten kommt ein US-amerikanisches Paar nach Südafrika, um im Casino-Geschäft mitzumischen und bezahlt blutiges Lehrgeld. Im zweiten versucht ein britischer Wissenschaftler, IT-Spezialist, auf einem südafrikanischen Weingut diskret und unter fremdem Namen in Deckung zu gehen. Auch das ist nicht wirklich eine gute Idee.

In Afrika scheint man überwiegend andere Sorgen zu haben, das Schreiben von Kriminalromanen gedeiht dort keineswegs. Die Ausnahme ist eben Südafrika, von wo harte und blutige Krimis kommen, am härtesten, blutigsten die von Roger Smith: Er bilde, sagt er dazu in Interviews, die südafrikanische Wirklichkeit ab, es handle sich um „eine toxische Gesellschaft“. Es gibt keine funktionierende, nur eine korrupte Polizei in seinen Romanen; auch das verteidigt er als durchaus realistisch.

Die Polizei ist weitgehend abwesend

Bei Mike Nicol ist die Polizei weitgehend abwesend, eine unscharfe Randerscheinung, die höchstens mal einen Tatort aufräumt. Seine Hauptfiguren sind private Personenschützer, früher waren sie Waffenhändler, unter anderem für die Anti-Apartheid-Kämpfer (das beruhigt ihr Gewissen). Mace Bishop und Pylon Buso sind aber naturgemäß käuflich, sie schauen nicht so genau hin, wer sie anheuert.

In „Black Heart“ wittern sie dann aber doch Unheil, als das vermeintliche amerikanische Touristenpaar seine geschäftlichen Interessen zugibt: Die zwei Bodyguards wissen, dass man der heimischen Glücksspiel-Mafia besser nicht in die Quere kommt.

Und schon wird Pylon niedergeschossen. Und schon wird die Frau entführt. Es hilft nicht, dass Mace Bishop immer noch von einer furiosen Rachegöttin verfolgt wird, der schönen Anwältin Sheemina February, die er einst um der guten Sache willen ein bisschen, nun ja, folterte. Mike Nicols Hauptfiguren haben eine dunkle Vergangenheit.

Von einer Entführung wird die Handlung auch bei Deon Meyer in Gang gesetzt. Der britische Wissenschaftler, der sich auf einem noblen Weingut sicher wähnte, ist verschwunden, seine Personenschützer und ein Angestellter des Guts erschossen.

Meyer lässt nun aber seine bewährten Kapstädter Ermittler der Spezialeinheit „Valke“ in Aktion treten: Den mittlerweile trockenen Bennie Griessel, der aber in Gedanken immer um den Alkohol schleicht; den stolz-empfindlichen, aber auch zupackenden Vaughn Cupido; die runde, kluge Mbali Kaleni, die mal Polizeipräsidentin werden will.

Ein ausgewogenes Figurentableau, wie es für einen Polizeiroman typisch ist. „Ein Trampel, ein Windhund und ein Säufer“ denkt ein Dienststellenleiter angesichts des Trios – und könnte aber falscher nicht liegen: Deon Meyers „Valke“ ist professionell und aufrecht. Und wie häufig im deutschen Fernsehkrimi sind es die Geheimdienstler, denen man nicht recht trauen kann.

Ein geheimnisvoller Auftragskiller, eben jene dem Roman den Titel gebende „Cobra“, ist im inzwischen vierten Bennie-Griessel-Thriller unterwegs. Seltsamerweise hinterlässt die Cobra jeweils eine Signatur, den Schlangenkopf, auf den Patronen. Das muss man nicht glaubwürdig finden; Meyer hat denn auch raffiniertere Wendungen in der Hinterhand.

Im Trio der zu Recht auch international bekannten südafrikanischen Autoren ist Deon Meyer derjenige, der die staatliche Ordnung zuverlässig wiederherstellt. Er bietet sozusagen eine Hand zur Versöhnung. Auf der stilistischen, ambitionierten Höhe des modernen, rasanten Spannungsromans ist Mike Nicol wie auch Deon Meyer. Beide nehmen keine Zuflucht zu allzu wohlfeilen Klischees. Und sind insofern für den anspruchsvollen Krimileser eine sichere Bank aus Südafrika.

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