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Vertrocknete Sonnenblumen, 2018.
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Vertrocknete Sonnenblumen, 2018.

„All that’s left“

Sarah Raich „All that’s left“: Was bleibt

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Sarah Raichs schonungsloser Jugendroman blickt auf die andere Seite der Klimakatastrophe.

Hier kannst du baden und den Planeten retten. Seit Jahren steht das auf den Badezimmerschildern in norwegischen Hotels, die es den Gästen überlassen, wie lang sie ihre Handtücher benutzen wollen. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass ein wenig mehr nötig sein wird, etwas mehr Anstrengung, als die Handtücher, immerhin, erst nach vier oder fünf Tagen auf den Boden zu werfen, um den Planeten zu retten.

Was genau das ist, darüber verhandeln gerade wieder Regierungsbildungskreise. Ein guter Zeitpunkt, um einen verschärften Blick auf das werfen, was wir hinterlassen werden, wenn wir uns weiter darüber zanken, wie frei der deutsche Autofahrer in seinem Benzindurst sein darf.

Sarah Raich zeigt es uns. Drastisch wäre ein zu schwacher Begriff für die Art, wie sie in ihrem Jugendroman „All that’s left“ vorführt, was bleibt, wenn die Klimakatastrophe mit uns fertig ist. Brutal trifft es besser. Was bleibt, sind ein paar Pilze, ein nicht mehr erwarteter Käfer hier, ein überraschender Vogel dort – und ansonsten Hitze, Verheerung, Hass, Flucht und Wahnsinn.

Das Buch:

Sarah Raich: All that’s left. Roman. Piper, München 2021. 334 Seiten, 16 Euro.

Die Welt ist in einem desaströsen Zustand an dem Tag, an dem Mariana feststellt, dass ihre Eltern vor inzwischen drei Wochen das Haus verlassen haben. Das Haus ist der letzte sichere Ort, eine uneinnehmbare Bastion mit eigener Wasser-, Energie- und Nahrungsversorgung, mit Luxus, gebaut für die Ewigkeit. Drum herum alles tot. Das Kind im Leser hat sich schon immer so eine Festung gewünscht und genießt die Lage für eine Weile. Der Heranwachsende wird irgendwann unruhig. Der Erwachsene weiß, es ist unausweichlich, dass die Heldin schließlich hinausgeht in die von Sturm und Bakterien zerstörte Welt und sucht nach dem, was übrig ist: „Die Luft kann man fühlen. Sie ist kein Nichts. Sie riecht.“ Und: „Draußen ist es immer anders, nichts bleibt gleich.“

Die Draußen-Mariana nennt sich fortan ZiZi und sucht den, der ihr diesen Namen gab. Sie zieht durch traumartige Phasen. Sie findet, klug eingestreut, ein Buch von Marlen Haushofer in einem verlassenen Gebäude. Sie verliert den Mut – vielleicht wird nichts wieder gut, der Verdacht liegt nahe – und findet ihn wieder. Sie trifft Böse, Verrückte, aber auch Gute. Die muss sie aber erst mal befreien.

Die übelste Folge: Tyrannei

Da verlässt der Roman für eine lange Strecke sein Ausgangsmotiv, die zerstörte Erde, und taucht ein in die übelste Folge: Tyrannei, das Ausgeliefertsein der Schwachen, alles verbliebene Hab und Gut in den Händen des Despoten. Im Hintergrund bleibt präsent, was die Welt in diese Lage gebracht hat, der Raubbau an der Natur.

Enorm spannend, wie ZiZi über sich hinauswächst, um zu retten, was zu retten ist. Enorm stark, wie sie nachhaltig bleibt, selbst in der größten Not, und der gequälten Natur lässt, was sie zur Erholung braucht. Wie sie diesen letzten Rest Vernunft gegen die anderen durchsetzt.

Die Parallelen zu unserer Gegenwart am Vorabend der Klimakatastrophe sind deutlich: Es geht um Verlust und Mut in diesem Buch – die Mädchen sind die Klugen und Tapferen. Die Mädchen stellen die Maximalforderungen und bleiben dabei, unerbittlich, nicht nur freitags, gegen alle Widerstände. Der Blick auf die andere Seite des Desasters lohnt sich. „Warum ist diese Scheiß-Sonne eigentlich so heiß“, schreit ZiZi. „Ich erinnere mich an früher, als Kind. Die Sonne hat sich anders angefühlt. Warum ist das jetzt so? Wie kann sich die Sonne so verändern?“ Es gibt Antworten, längst.

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