Krimi

Sara Paretsky „Altlasten“: Was alles im Verborgenen liegt

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Sara Paretsky lässt ihre Detektivin Vic Warshawski „Altlasten“ auf die Spur kommen.

Die Amerikanerin Sara Paretsky ist zwar beileibe nicht die einzige hochpolitische Krimiautorin, aber wenige beleuchten heikle Zusammenhänge so penibel und packen sie gleichzeitig in eine so spannende Handlung. Sie war es, die einst (sie ist Jahrgang 1947) dem supercoolen Privatermittler des Noir eine ebenfalls ziemlich coole Detektivin gegenüberstellte, die freilich von allerlei menschlichen Schwächen von Muskelkater über Müdigkeit bis blanke Angst befallen werden kann - und sogar älter werden darf. Aber loslassen, wenn sie sich mal in einen Auftrag verbissen hat? Nicht V. I. Warshawski – immer noch nicht.

Das Buch

Sara Paretsky: Altlasten. Aus dem Engl. von Laudan & Szelinski. Ariadne im Argument-Verlag, Hamburg 2020. 540 S., 24 Euro.

Diesmal scheint bloß ein Filmemacher verschwunden, zusammen mit einer Schauspielerin, deren Biographie er angeblich drehen sollte. Private Eye Warshawski wird engagiert, die beiden zu finden. Bald ist die Chicagoer Ermittlerin auf dem Weg ins ländliche Kansas, wo sie auf eine Leiche und dann noch eine Leiche trifft, auf hinderliche wie hilfreiche Regionalpolizisten und Kleinstadtsheriffs, auf FBI- und Armee-Angehörige; so dass sie sich bald fragen muss, was vor allem letztere zu verbergen haben. Denn wo in den 80ern ein Protestcamp gegen Cruise Missiles war, sollte in den unterirdischen Raketendepots jetzt eigentlich gar nichts mehr sein. Jedenfalls nichts Gefährliches. Doch dass eine ehemalige, benachbarte Farmerin dort heimlich Boden- und Pflanzenproben genommen hat, das scheucht eine ganze dubiose Schar von Leuten auf.

Dies wäre kein Krimi von Sara Paretsky, wenn es nur um eine Sorte von „Altlasten“ (Original „Fallout“, 2017) ginge. Sie erzählt in diesem Warshawski-Band auch vom gleichsam eingebrannten Rassismus der USA, vom Misstrauen zwischen Schwarz und Weiß. Die Detektivin benötigt einen oder besser mehrere schwarze Bürgen, wenn sie von schwarzen Zeugen irgendeine Auskunft haben möchte – denn deren Erfahrung ist, dass sie immer unter Verdacht stehen.

Paretsky bricht dieses Thema runter bis in den Alltag und auf die Ebene von Kirchengemeinden. Wo die einen versuchen, Vertrauen herzustellen, die anderen, gar nicht christlich, voller Vorurteile stecken. Die Amerikanerin käme, anders als ihr Präsident, gar nicht auf die Idee, der Komplexität der Welt auszuweichen.

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