Sachbuch

Sigmund Freud scheint nicht mehr in Mode zu sein. Es lohnt sich also, ihn wieder zu lesen. Am klügsten ist, man nimmt die 2400 Seiten umfassende Freud-Ausgabe von Zweitausendeins zur Hand und blättert darin. Der eine wird im zweiten Band „Die Zukunft einer Illusion“ von 1927 lesen und vielleicht darüber lächeln, dass Freud das Religiöse als Illusion bezeichnet, die Psychoanalyse dagegen als Wissenschaft. Im Augenblick scheint es – anders als Freud annahm – eher so, dass die Zukunft der Psychoanalyse schon hinter ihr liegt, während die Religion noch immer eine hat. Beim zweiten Lesen freilich wird man darauf achten, wie vorsichtig Freud seine Prognose formuliert. Dafür sind sie voller Hoffnung auf eine zur Vernunft kommende Menschheit. Ein anderer wird im ersten Band „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ (1901) lesen und vielleicht begeistert sein von Freuds Entschlossenheit, auch den verborgenen Gründen für das scheinbar Selbstverständlichste auf die Spur zu kommen. Warum vergessen wir Eigennamen? Ob man Freuds Erklärung nun folgt oder nicht, ist fast gleichgültig. So sehr fasziniert sein Erkenntniswille. awi

Erinnern, Vergessen für eine vernünftige Zukunft

Sigmund Freud scheint nicht mehr in Mode zu sein. Es lohnt sich also, ihn wieder zu lesen. Am klügsten ist, man nimmt die 2400 Seiten umfassende Freud-Ausgabe von Zweitausendeins zur Hand und blättert darin. Der eine wird im zweiten Band „Die Zukunft einer Illusion“ von 1927 lesen und vielleicht darüber lächeln, dass Freud das Religiöse als Illusion bezeichnet, die Psychoanalyse dagegen als Wissenschaft. Im Augenblick scheint es – anders als Freud annahm – eher so, dass die Zukunft der Psychoanalyse schon hinter ihr liegt, während die Religion noch immer eine hat. Beim zweiten Lesen freilich wird man darauf achten, wie vorsichtig Freud seine Prognose formuliert. Dafür sind sie voller Hoffnung auf eine zur Vernunft kommende Menschheit. Ein anderer wird im ersten Band „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ (1901) lesen und vielleicht begeistert sein von Freuds Entschlossenheit, auch den verborgenen Gründen für das scheinbar Selbstverständlichste auf die Spur zu kommen. Warum vergessen wir Eigennamen? Ob man Freuds Erklärung nun folgt oder nicht, ist fast gleichgültig. So sehr fasziniert sein Erkenntniswille. awi

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