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Sachbuch

Modern sein heißt: ein Fan des Vermischten sein

Modern sein heißt: ein Fan des Vermischten sein

Hanns Zischler, dem wir ein grandioses Buch über Kafkas Kinoleidenschaft verdanken, hat zusammen mit der in Schweden lehrenden Literaturwissenschaftlerin Sara Danius ein Buch vorgelegt, das der Joyceschen Besessenheit von faits divers - Vermischte Nachrichten - nachgeht. Die beiden Autoren sind tief in die Keller der Triestiner Zeitungsarchive gestiegen und haben genregerecht allerhand Überflüssiges, Nutz- und Bedeutungsloses zu Tage gefördert. Zum Beispiel die kleine Anzeige, mit der die Berlitz-School die Ankunft ihres neuen Englisch-Lehrers James A. Joyce B.A. bekanntgab. Aber natürlich gilt das Interesse der beiden skrupulösen Leser auch den Anzeigen. Die faszinierten ja auch Joyce, den Erfinder des Anzeigenakquisiteurs Leopold Bloom. Der Film- und Fernseh-Schauspieler Zischler verfolgt natürlich auch Joyce ins Kino. Wunderbar das kolorierte Foto aus "Ali Baba und die vierzig Räuber", mit einer uns heute maßlos überfüttert vorkommenden Heldin. So phantasieanregend die faits divers, die Welt der bunten Bilder und Geschichten, aber sind, so froh ist man dann doch auch über die Abschnitte des Buches, in denen klar gemacht wird, wie sehr der moderne Roman davon lebt, dass er sich dem Zeitungsgenre der Vermischten Nachrichten öffnet, dass er das Leben in dieser spezifisch zugerichteten Form aufnimmt. Es wird klar, dass Joyces Romantechnik viel mit seiner Vorliebe fürs Überflüssige, Nutz- und Bedeutungslose zu tun hat. Die Wahrheit ist nichts mehr, das bekannt ist und nur noch in eine Form gegossen werden muss, sondern die Wahrheit ist, dass es kein Ganzes gibt, dass die Welt zerfällt in Tatsachen, in das, was der Fall ist. Die Anstrengung des Autors besteht darin, darüber nicht hinwegzutäuschen mit den Konventionen von "wahr, schön und gut", vor allem aber darin, sich darüber nicht hinwegtäuschen zu lassen von Ideologien und Theorien. awi

Hanns Zischler/Sara Danius: Nase für Neuigkeiten - Vermischte Nachrichten von James Joyce. Zsolnay, 167 Seiten, 17,90 Euro.

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