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Die anderen Kinder können Penelope nicht leiden. Sie haben Gründe, trotzdem ist das nicht schön.

Kinderbuch

Penelope mag Kinder. Und Ponys

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Wir essen keine Mitschüler“, ein sehr witziges und anregendes Buch über die Schwierigkeit, mit anderen zurechtzukommen.

Die Erwartung, dass sich die Dinosaurier-Mode allmählich abschwächen würde, wurde wieder enttäuscht, als ein sehr, sehr kleines Kind mit einem nagelneuen Dinosaurier-Rucksack die Straße überquerte. Gewiss steht sein erster Schultag bevor.

Gewiss ist es eine Erleichterung, den ersten Schultag mit einem nagelneuen Dinosaurier-Rucksack zu begehen. Gewiss ist es hingegen schwierig, als kleiner Dinosaurier selbst zum ersten Mal in die Schule zu gehen. Wie kommt die jetzt darauf, denken Sie, aber diese wirklich abwegige Idee ist von dem amerikanischen Zeichner und Kinderbuchautor Ryan T. Higgins. Er dokumentiert in „Wir essen keine Mitschüler“, wie Penelope Rex mit dieser Situation zurechtkommt. Nicht so gut am Anfang.

Auch Penelope hat für den großen Tag einen neuen Schulranzen, mit Ponys. Wie groß ist aber ihre Überraschung, dass in der Klasse lauter Kinder sind. Penelope mag Ponys, Kinder mag sie auch. „Sie fraß sie alle auf. Kinder sind nämlich lecker.“ Ein Turnschühchen hängt noch raus. Das ist schockierend, aber nun sagt Frau Nudelmann, die eben noch ganz nett gelächelt hat, streng: „Wir essen keine Mitschüler! Ausspucken! Sofort!“ So können nur Lehrerinnen reagieren, so unerbittlich und verbindlich. Glücklicherweise hat Penelope ungezogen schlecht gekaut, schon sind alle wieder da. Und stinksauer. Ein schlechter Start.

In großen und kleinen, durchaus knalligen, lustigen, gelegentlich comichaften Bildern zeigt Higgins, wie Penelope einerseits einen Fehler nach dem anderen macht – vorschlägt, dass die spielenden Kinder direkt in ihren Mund rutschen könnten, nur zum Spaß, aber Penelopes Mund ist riesig, man würde Maul sagen, wenn das nicht gemein wäre –, andererseits die Kinder gar nichts mit ihr anfangen können. Da sitzen sie auf der einen Seite klein und niedlich, Kinder halt. Auf der anderen Seite sitzt die monströse Penelope. Dinosaurier sind nicht gerade hübsch, Higgins tut auch nicht so. Wer hätte gedacht, dass eine solche Konstellation so geeignet dafür ist, zu zeigen, wie sich eine Situation hochschaukelt. Jeder kann jetzt nur noch Fehler machen.

Zu Hause erzählt Penelope, dass sie keiner leiden kann. „Hast du etwa deine Mitschüler gefressen?“ – „Ähm … also, vielleicht ein ganz klein bisschen.“ Das sind grandiose Dialoge, die man äußerst selten lesen kann.

Penelope ist sympathisch und wird immer sympathischer. Auch ihre Eltern sind klasse und echte Giganten – wie noch besser im demnächst erscheinenden zweiten Band, „Wir rocken unsere Mitschüler“, zu sehen ist, wenn sie beim großen Auftritt ihrer Tochter rabenstolz ungefähr die Hälfte des Zuschauerraums einnehmen. Penelope „spähte hinter den Kulissen hervor und suchte ihre Eltern“. Higgins’ Humor ist astrein.

Außerdem ist an der Annoncierung des Folgebandes zu sehen, dass „Wir essen keine Mitschüler“ gut ausgeht. Halbwegs gut. Hierfür hat sich Higgins etwas Überraschendes einfallen lassen.

Ryan T. Higgins: Wir essen keine Mitschüler. Aus dem Englischen von Andrea Fischer. Windy Verlag, Düsseldorf 2020. 40 Seiten, 16 Euro.

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