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Vor dem Gefängnis von Kigali: die Häftlinge, die der Beteiligung an den Massenmorden von 1994 verdächtigt werden, in rosafarbener Einheitskleidung.
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Vor dem Gefängnis von Kigali: die Häftlinge, die der Beteiligung an den Massenmorden von 1994 verdächtigt werden, in rosafarbener Einheitskleidung.

Rückkehr ins Land der Lebenden

"Der Tod hat uns nicht gewollt": Jean Hatzfeld sprach mit Überlebenden der Massaker von Nyamata, Ruanda, 1994

Von GASPARD NGARAMBE

Unter dem Titel Nur das nackte Leben. Berichte aus den Sümpfen Ruandas bietet Jean Hatzfeld einen außergewöhnlichen Einblick in den Ablauf der Verbrechen, denen 1994 in Ruanda ein großer Teil der Tutsi-Bevölkerung zum Opfer fiel. Dabei steht nicht die Geschichte des Genozids im Mittelpunkt, sondern vielmehr der Überlebenskampf der Tutsi während des Völkermordes und in der Zeit danach.

Das Buch stützt sich auf Interviews mit Überlebenden, die der Autor besuchte, die er in ihrem täglichen Leben begleitete, mit denen er aß und trank. So gewann er ihr Vertrauen, bis sie ihr Schweigen brachen. 14 Überlebende der Massaker von Nyamata - Jugendliche, Frauen und Männer - erzählen von ihren Schicksalen. Sie berichten über die Geschichte von hundert Tagen des Leidens und Sterbens. In dieser Zeit wurden rund 59 000 Tutsi erbarmungslos und grausam abgeschlachtet.

Erspart wurde dies weder den Alten, die nicht mehr sehen und laufen konnten, noch schwangeren Frauen mit ihren Babys im Leib. Was den Tutsi widerfahren ist, dafür haben die Überlebenden keine Erklärung. Sie verstehen noch nicht einmal die Beweggründe ihrer Hutu-Nachbarn, die scheinbar plötzlich begannen, sie zu hassen und zu töten: War es Angst, Lust auf Gewalt, Eifersucht, Neid, Raffgier, wie oft hervorgehoben wird? Diese Frage kann vielleicht nur von den Tätern selbst und vor allem von der damaligen Machtelite beantwortet werden, die sich diesen Plan der systematischen Vernichtung ausgedacht und ihn ausgeführt haben.

Eigentlich ist es ein Wunder, wie einige Tutsi die geplante Ausrottung überleben konnten und heute in diesem Land leben können. Von Gott, sagen die einen, von Inkotanyi die anderen, wurden sie gerettet. Genau diese Rettung, für die sie am Anfang gedankt hatten, erscheint vielen von ihnen rückblickend wie ein Fehler: Heute denken sie, der Tod hätte sie mit Eltern, Kindern, Geschwistern, Geliebten, Verwandten, Freunden mitnehmen sollen. Sie fragen sich, warum sie die anderen haben sterben sehen, sie selbst aber am Leben bleiben mussten. Ihre Erklärung dazu: "Gott hat uns ausgeliefert, der Tod hat uns nicht gewollt." - "Bis jetzt."

Das Leben nach dem Genozid gleicht für viele der "Hölle auf Erden". Für die einen hat das Leben keinen Sinn mehr, den anderen fehlt der Mut, weiterhin mit ihren Verfolgern und Mördern zusammen zu leben. Zehn Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi gibt es jedoch allmählich auch Zeichen der Hoffnung unter der traumatisierten Bevölkerung. Die heutige ruandische Politik zielt darauf, das ruandische Volk zu versöhnen und zu einen. Erste Projekte und Initiativen in diesem Land sind unternommen worden und erste Früchte heute erkennbar. Das Land befindet sich auf dem langen und schwierigen Weg, nicht als "Reich des Todes", sondern als "Land des Lebens" zu gelten.

Hatzfelds Buch ist keine wissenschaftliche Abhandlung über den Völkermord in Ruanda, sondern eine Sammlung von Einzelschicksalen von Menschen, die der Hölle ins Auge gesehen und sie überlebt haben. Im Zentrum dieses Buches stehen persönliche Erlebnisse der Überlebenden, ihre Erfahrungen und erklärenden Überlegungen. Trotz der Komplexität der Geschehnisse und angesichts des unvorstellbaren Grauens findet der Autor die richtige Sprache und Methode dafür, ein detailliertes Bild der Ereignisse und ein Zeugnis über den Völkermord in Ruanda zu liefern. Sein Verdienst liegt besonders darin, dass er den Leser die Grausamkeit des Genozids hautnah erleben und das Leiden der Menschen durch Mitmenschen wahrnehmen lässt.

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