Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rückblenden

Historisches, mehr oder weniger gelungen erzählt

Von MONIKA KLUTZNY

Wer Geschichten über Geschichte schreibt, muss seine Figuren glaubhaft agieren und historisches Geschehen lebendig werden lassen, damit man sie ihm abnimmt. Das ist schwerer, als man glauben mag, denn der Leser merkt sofort, wenn man ihm eins vom Pferd erzählt.

Eine Geschichte, die den Ersten Weltkrieg zum Thema hat, wird aus der Perspektive Joeys geschildert. Braun mit weißen Socken und weißem Stern auf der Stirn, ist er ein besonderer Vertreter seiner Gattung: schön, klug, rassig. Sein Schöpfer, der renommierte Autor Michael Morpurgo, lässt ihn denken und fühlen und in Ich-Form aus seinem Leben berichten, das zugleich ein Ausschnitt aus der Geschichte des Ersten Weltkriegs ist. Joey ist ein Pferd.

Wie es von einem versoffenen Bauern gekauft, von dessen Sohn Albert geliebt, gepflegt und erzogen wurde, wie es verkauft und in den Krieg geschickt wurde, wie es von England nach Frankreich verschifft wird, dort Leidensgefährten kennen- und lieben lernt, die es später sterben sieht, und wie es schließlich von Albert wiedergefunden und nach Hause zurückgebracht wird, erzählt Joey mit menschlichem Gefühl und Verstand, aber das macht es nicht glaubwürdig. Morpurgos Schicksalsgefährten zupft allenfalls an irgendeiner sentimentalen Saite der Leser, die immer dann anklingt, wenn es um das Leid der geschundenen Kreatur geht. Den Blick auf ein historisches Geschehen wie den Ersten Weltkrieg auf die Sicht eines Pferdes zu verengen, ist einfach zu wenig.

Besser schafft es eine andere Geschichte, einen faszinierenden Blick zurück zu gewähren. Der erste Kunstgriff der Autorin ist die Präsentation von Fotos aus der Zeit, "als Kameras noch eine Neuheit waren". Sie hat sie in einem Antiquitätenladen in New Hampshire entdeckt, mit privaten Aufnahmen vermischt, und die Namen und Geschichten, die sich hinter den Bildern verbergen, in Fiktion verwandelt. Die alten Schwarz-Weiß-Fotos am Anfang jeden Kapitels haben einen hohen Informationswert. Das konkrete Datum, das jedem Foto zugeordnet wird, gibt dem Ganzen etwas Protokollhaftes, das mit Lois Lowrys filigranem Erzählstil kontrastiert.

Ein Rahmen aus Prolog und Epilog bindet den Erzählzeitraum für die eigentliche Handlung um den "stillen Freund" ein. Katy, die Ich-Erzählerin, ist die Tochter eines amerikanischen Dorfarztes. Als alte Frau erinnert sie sich an die Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Sie ist acht Jahre alt, als sie Jacob kennen lernt, der der Bruder ihres neuen Dienstmädchens Peggy ist. Er gilt als gestört, aber Peggy sieht das anders. "Meine Mutter sagt, der liebe Gott hat ihm die Hand aufgelegt, und ich denke das stimmt", sagt sie mit zärtlichem Gesichtsausdruck.

Jacob spricht nicht, sondern macht nur Geräusche, die er ebenso liebt wie Tiere, besonders Pferde. Die Kommunikation mit Katy ist von seiner Seite deshalb wortlos, aber es gibt ein Band von Zuneigung und Vertrauen zwischen den beiden. Katy entwickelt tiefes Verständnis für den Jungen. Als sich die Türen der nahe gelegenen Irrenanstalt hinter ihm schließen, weil ihm der Tod eines Neugeborenen zur Last gelegt wird, weiß offenbar sie allein, dass er es in Wahrheit zu retten versucht hatte, aber gescheitert war.

Bleibt nur noch, was der Epilog tut: die Schicksale der jungen Menschen auf den Fotos zu erzählen. Für alle gilt, dass ein Teil ihrer Geschichte mit der Jacobs und Katys eine Verknüpfung an irgendeiner Stelle hat. Einer von ihnen, Paul Bishop, der das Kind gezeugt hatte, dessen Tod Jacob zur Last gelegt wurde, zieht in den Krieg nach Frankreich. Eine andere, Nell, verschwindet. Sie war die Mutter des Babys und Peggys und Jacobs ältere Schwester. Sie arbeitete ebenfalls als Dienstmädchen, und zwar in Paul Bishops Familie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare