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Memoiren

Mit Ronald Reagan war nicht zu reden

Der frühere sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse beleuchtet manche politischen Hintergründe in Wendezeiten.

Von REINALD LUKAS

Der Name Eduard Schewardnadse ist ebenso wie der von Michail Gorbatschow eng mit dem Begriff "Neues Denken" in der sowjetischen Außenpolitik verknüpft. Mit seiner fünfjährigen Tätigkeit als sowjetischer Außenminister verbindet sich der Abbau der Ost-West-Konfrontation ebenso wie der Prozess der deutschen Vereinigung. Dass er danach noch elf Jahre georgischer Staatspräsident war, ist hierzulande fast in Vergessenheit geraten.

So gliedern sich seine Memoiren in zwei Teile: in die Moskauer und die georgische Periode. Schewardnadse schildert ausführlich die näheren Umstände seiner Berufung und die Begegnungen mit verschiedenen Staatsoberhäuptern der westlichen und östlichen Welt. Exoten wie Fidel Castro, Saddam Hussein oder der nordkoreanische Führer Kim Il Sung sind ebenso vertreten wie die damaligen US-Außenminister George Shultz und James Baker, mit denen er auch nach seiner Moskauer Zeit noch befreundet war.

Auch die Abrüstung und das Verhältnis zu Ronald Reagan werden in eigenen Kapiteln beleuchtet. Schewardnadse berichtet von der ersten Begegnung zwischen Reagan und Gorbatschow in Genf, als er Gorbatschow überreden musste, den Gipfel nicht vorzeitig zu verlassen, weil "mit Reagan einfach nicht zu reden sei". Später, unter dessen Nachfolger Bush auf Malta, seien es die Amerikaner gewesen, die seine Position zur deutschen Frage unterstützt hätten. Gorbatschow, den er auch für den Moskauer Putsch im August 1991 verantwortlich macht, habe ihm das nie verziehen.

Wer indessen auf neue Einsichten zur Entstehungsgeschichte der deutschen Einheit im entsprechenden Kapitel hofft, wie der Buchtitel suggeriert, wird enttäuscht. Lediglich die Rolle Gorbatschows als Zauderer und Vermittler zwischen Armeechef und Außenminister wird etwas näher be-schrieben. Seine Vorstellung jedoch, dass die deutsche Seite schon seit 1985 nach einer Art Plan den Kurs der deutschen Wiedervereinigung betrieben habe, gehört auch nach den jüngsten Veröffentlichungen deutscher Politiker ins Reich der Legenden.

In den folgenden Kapiteln über seine Zeit als georgisches Staatsoberhaupt konzentriert sich Schewardnadse vor allem auf die Grenzkonflikte in Ossetien und Abchasien und die drei terroristischen Attentate auf ihn. Er vertritt die These, dass der Westen gerade den kleineren Staaten im Kaukasus größere Aufmerksamkeit schenken sollte, um daraus entstehende Weltkonflikte zu vermeiden.

Schewardnadse endet mit einem Brief an die Nachwelt, in dem auch auf die ökologischen Gefahren und ethnischen Probleme eingegangen wird. Das lesenswerte Buch liefert interessante Einblicke in die Hintergründe politischer Entscheidungen. Es sollte jedoch ergänzt werden durch eine ausführlichere Schilderung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemfelder Georgiens. Diese geraten bei der Schilderung der persönlichen Ereignisse und Begegnungen zu sehr in den Hintergrund.

Eduard Schewardnadse: Als der Eiserne Vorhang zerriss. Peter W. Metzler Verlag, Duisburg 2007, 396 Seiten, 29,90 Euro.

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