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Neue Kinderbücher, auch mit Tieren.

Kinderbücher

Rollator-Rennen und Gorilla-Zähmung

Drei neue Kinderbücher demonstrieren eindrucksvoll, dass man mit den Großeltern tolle Dinge erleben kann.

Von Cornelia Geißler

Oma hat wieder Schüler um sich

Perrys Tage sind ausgefüllt. Die Fürsorge ihrer Eltern richtet sich vor allem darauf, dass das Mädchen stets beschäftigt ist und dabei etwas lernt. Als sich eine Lücke im Wochenplan auftut, die sich beim besten Willen weder mit Sport noch Musik füllen lässt, schlägt sie vor, regelmäßig die Großmutter im Altersheim zu besuchen.

Von diesen ungewöhnlichen Begegnungen erzählt Kate di Goldi aus der Perspektive des Mädchens, dem es nichts ausmacht, dass die Oma oft nicht weiß, wer das Kind überhaupt ist. Perry geht einfach darüber hinweg, dass die Oma ihr Mal für Mal erklärt, sie trüge einen Jungennamen. Perry, die gern malt, was sich in den Illustrationen widerspiegelt, nähert sich der Oma auf deren Ebene. Weil die nämlich früher Lehrerin war, will sie nun mit ihr und mit Hilfe der anderen Heimbewohner ein Alphabet entwerfen. Sie gibt ihr das Gefühl zu bestimmen. Das Mädchen, das in der Schule eine Förderlehrerin hat, kommt selbstständig auf die besten Ideen und lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Das Buch ist schnell gelesen, bleibt aber lange im Kopf. (Ab 12 Jahren)

Oma weiß, wie man Gorillas zähmt

Isabel Pin ist eigentlich Illustratorin. Man kennt sie von vielen Büchern, die allein mit Bildern Geschichten erzählen. Nun schrieb sie selbst die Worte zu den wasserfarbenen Bildern in diesem Buch: „Mein bester Freund ist ein Gorilla“. Das Mädchen Nine verbringt viel Zeit im Zoo, weil die Eltern immer arbeiten. Man sieht ein winziges Mädchen im roten Kleid zwischen Tiger und Flamingos. Sie geht abwechselnd zu den Tieren, „damit sich keines zu lange nicht besucht fühlt“.

Als ein neuer Bewohner kommt, ein Gorilla, ein mächtiges schwarzes Wesen, verändern sich auch die anderen Tiere. Das Mädchen spürt eine Anspannung. Und sie sieht, dass der Gorilla allem nur den Rücken zukehren möchte. Der alte Tierpfleger sagt ihr: „Tiere brauchen Zeit.“ Nines Oma erzählt von dem Buch, in dem ein Fuchs gezähmt wurde. Nine gewinnt das Vertrauen des Gorillas. Sie reist mit ihm nach Gabun, in seine Heimat. Oder sind all die bunten Eindrücke nur ein Traum? Isabel Pin versteht es, zu verzaubern. (Ab 6 Jahren)

Opa versteht seinen Enkel

Warum haben Kinder mehr Zeit als Erwachsene? Warum machen Erwachsene immer so viel gleichzeitig? Weshalb sind Mathe- und Deutschstunden in der Schule endlos lang, aber Kunst vergeht wie eine Fahrt im Rennwagen?

Meike Haberstock erzählt kapitelweise aus dem Alltag von Anton und gibt für jeden Abschnitt an, wie lange man braucht, ihn zu lesen – wie ein Wutanfall an der Supermarktkasse, um einen Schokoriegel zu bekommen etwa oder um eine Portion Zuckerwatte zu essen und sich vollzukleistern. Anton ist ein lebhafter Junge mit vielen Ideen, die oft sehr lustig beschrieben sind und in comichaften Zeichnungen ihren Ausdruck finden. So möchte er an einem Tag nur blaue Sachen tragen, da er aber nur eine Socke findet, malt er den zweiten Fuß blau an. Die Autorin erhellt mit ihrem Debüt eine Kinder-Welt. Opa ist es schließlich, der Zeit genug hat, um mit Anton auf unkonventionelle Weise das Zeit-Problem zu erörtern. Ein Rollator-Rennen ist auch dabei. (Ab 6 Jahren)

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