So ein süßer kleiner Hund, denkt bestimmt der Polizist, der sich gerade die Haare schneiden lässt. Rogé / kunstanstifter
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So ein süßer kleiner Hund, denkt bestimmt der Polizist, der sich gerade die Haare schneiden lässt.

Bilderbuch

„Rogers Pommesbude“: Ein Dackel will nach oben

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Rogers Pommesbude“ von Rogé ist ein Bilderbuch über mögliches und wahres Glück.

Roger ist nicht nur ein nachdenklicher, sondern auch ein höchst ambitionierter Dackel, ein Entrepreneur erster Güte, bloß ist Unternehmertum für Hunde nicht vorgesehen. Hier sieht man Roger sehnsüchtig ins Geschäft eines Friseurs schauen, denn auch ein Ausbildungsberuf und später vielleicht sogar ein eigener Salon: Das sind doch reelle Möglichkeiten. Aber nicht für Dackel.

Roger muss der Zufall also vor die Füße/Pfoten kullern, und dies ist der Fall, während er auf einer Parkbank Zeitung liest. Ein paar Kartoffeln purzeln aus einer Einkaufstasche, und Roger steigt unverzüglich ins Pommes-Geschäft ein: herrliches Beispiel für einen, der einfach eine Chance brauchte. Von Seite zu Seite geht es rasant aufwärts, Roger wird zum Global Player seiner Branche, bis dann doch – das ist die Tücke im Leben übermäßig erfolgreicher Menschen, äh, Dackel – etwas fehlt. Es ist die Pudeldame Charlotte, die, welch ein Glück, eine florierende Maiskolbenbude betreibt. Gemeinsam wird man unschlagbar sein.

„Rogers Pommesbude“: Wenn der Weihnachtsmann mit einer Pommestüte über den Nordpol spaziert

An dieser Stelle muss die Übersetzerin Anne Thomas ein bisschen ausholen und dem deutschen Publikum erklären, was ein Pâté chinois ist. Briten nennen es shepherd’s pie, aber es wird nicht wirklich überzeugender dadurch, Egal. Roger und Charlotte, so viel darf man verraten, sehen einer großen Zukunft entgegen.

„Rogers Pommesbude“ ist ein Bilderbuch des in Québec lebenden Zeichners, Illustrators und Autors Rogé, ein Beitrag schon zum derzeit in den Sternen stehenden Kanada-Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse: Der Text ein großer Spaß, auf den sich Anne Thomas vergnügt einlässt („Hundekind, mir kommt da eine menschlich gute Idee!“). Die Bilder farbkräftig und gutgelaunt, mit vielen Details. Optimismus und Ironie – die sich auch aus der Maßlosigkeit von Rogers Erfolgen speist, selbst der Weihnachtsmann spaziert mit einer Pommestüte über den Nordpol – gehen eine glückliche Verbindung ein.

„Rogers Pommesbude“: das erfrischendste affirmative Bilderbuch der Saison

Rogé: Rogers Pommesbude. Buchgestaltung: YiMeng Wu. Aus dem Franz. von Anne Thomas. Kunstanstifter. Mannheim. 32 Seiten, 22 Euro.

Der Humor von Kindern wird keineswegs unterschätzt. Und letztlich geht es auch um wichtige Fragen: Was will ich mit meinem Leben anfangen, und wer hindert mich daran, wenn selbst Dackel Imperien aufbauen können? Aber auch: Will ich ein Imperium aufbauen? Ein Imperium für Kartoffelprodukte? 

Dies allerdings wird angesichts von Rogers extrem interessantem Leben mancher bejahen, der bisher noch Baggerfahrer oder Stewardess werden wollte. Roger wäre ohnehin im Nullkommanix Baustellenleiter, nein Städteerbauer, und Chefstewardess, nein, Mondfahrerin gewesen. Das, was man macht, gut zu machen, ist immer von Vorteil. Vor diesem Hintergrund ist „Rogers Pommesbude“ das erfrischendste affirmative Bilderbuch der Saison.

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