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Das Fotobuch

Robert Lebeck: Das richtige Foto am richtigen Ort

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Seit es eine anerkannte Fotokunst gibt - und das ist ja noch nicht so lange der Fall - ist es spannend, zu verfolgen, wie eigentlich den alten, hochbezahlten

Seit es eine anerkannte Fotokunst gibt - und das ist ja noch nicht so lange der Fall - ist es spannend, zu verfolgen, wie eigentlich den alten, hochbezahlten Berufsfotografen dabei zumute ist. Sind sie neidisch auf die Aura weißer Wände und auf ein paar spektakuläre Höchstpreise bei Gursky-Auktionen oder lachen sie sich heimlich ins Fäustchen? Oder denken Sie an ihren alten Redakteur bei Life zurück, der ihnen jede Reise spendierte, die ihnen in den Sinn kam? Schwelgen sie in Erinnerungen an eine Zeit, in der die Reportagefotografie noch vor dem Fernsehen das visuelle Leitmedium war? Vielleicht schmunzeln sie auch, weil sie einmal einem amerikanischen Millionär begegnet sind, der ihnen gleich die Negative einer Reportage für 50 000 Mark abkaufte, weil er sie so schön fand.

Der in Berlin lebende Fotograf Robert Lebeck hat all das erlebt und würde ganz bestimmt nicht mit einem Fotokünstler tauschen wollen. Den Vergleich hatte er stets vor Augen: Als Künstlerporträtist und Ehemann einer Galeristin, nicht zu vergessen als bedeutender Kunst- und Fotosammler, der seine Schätze schon mal zu guten Konditionen an Museen veräußerte. Und da Fotografen ja auch immer Sammler von Augenblicken sind, wird Lebeck häufig nicht einmal wissen, ob er nun gerade arbeitet oder seinem Hobby fröhnt. Keine Frage, der Mann ist zu beneiden, und so heißt auch sein Fotoband: Unverschämtes Glück.

Dennoch ist es interessant, seine darin versammelten farbigen Reportagefotos im Kontext einer inzwischen herangewachsenen Fotokunst zu betrachten - auch wenn er selbst jeden Kunstanspruch ablehnt: "Ich bin Journalist, kein Künstler. Keine Fotografie ist a priori Kunst, dann müsste es ja jede Zeitung sein... Es bleiben journalistische Bilder, die allein auf Grund der verstrichenen Zeit Patina angesetzt haben." Wenn es doch so einfach wäre. Natürlich gibt es gestalterische - und damit zumindest kunstverwandte - Fragen, die sich jeder Fotograf und jeder Bildredakteur stellt. Und umgekehrt wäre es naiv zu glauben, der neuerliche Angriff der Kunstfotografie auf die dokumentarische Wirklichkeit unterscheide sich grundlegend von der Arbeit der Bildjournalisten von früher. So radikal die Gräben der Abgrenzung gezogen sind, so spannend ist es, Gemeinsamkeiten nachzugehen und sich zu fragen, ob aus einem Robert Lebeck vielleicht doch, wenn er es denn wollte, ein rechter Fotokünstler werden würde. Oder warum das eine Foto durch Patina gereift, das andere schlichtweg in die Jahre gekommen scheint.

Nehmen wir nur dieses Bild aus Westerland, Sylt, aufgenommen 1968. Die Farbe spielt eine Hauptrolle auf dieser Aufnahme, die von einer Revolution erzählt, die wir fast vergessen hätten: der des Blümchenmusters. Ob das Zusammentreffen der Geschmacksverwandten wirklich so ein Zufall ist, wie uns Lebeck suggeriert? Vielleicht kommen die scheinbaren Müßiggänger gerade von einem Shooting für den Otto-Katalog? Auch die Fotokunst der 90er wird später vom Einbruch der modischen Codes in den Alltag erzählen, auch für sie wird die Farbe gleichzeitig soziologisch wie kompositorisch verortbar sein. Aber sie wäre auch nie so direkt in ihrem Vorgehen, so pointiert und eindeutig in ihrer flüchtigen Heiterkeit. Solcherart explosive Reize liebt der Zeitungsredakteur, dem Ewigkeitsgedanken des Kunstraums hingegen sind sie ein Graus.

Wie alle guten Hervorbringungen der angewandten Kunst berühren Robert Lebecks Fotos die andere, die hohe Kunst, deren Gesetze sie kennen, ohne sie ersetzen zu wollen. Gleichzeitig vertrauen sie aber auch nie ganz dem Extremen, wie es die Kunst täte - etwa in den wunderbar erfassten Ausbrüchen des Privaten bei den Beobachtungen von Österreich-Urlaubern des Jahres 1987, die sich dennoch stets in die adretten Raster von Komposition und Buntfarbigkeit fügen, wie sie in einer Illustrierten üblich sind. Lebecks Fotos waren wie ihr Urheber zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und das war damals für ein Foto eben der Stern und nicht die Kunstgalerie. "Alles fiel mir zu, und ich entschied mich für oder gegen etwas", erinnert sich Lebeck. "So ordnete sich mein Leben durch eine Abfolge von Zufällen".

Robert Lebeck: Unverschämtes Glück. Steidl Verlag, Göttingen 264 Seiten, 45 Euro.

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