Literatur

Rilke, Pasternak, Zwetajewa: Kostbare Zeilen

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Peter Michalzik stellt in Frankfurt sein neues Buch „Die Liebe in Gedanken“ vor.

Private Briefe haben einen eigenen Reiz. Vor allem, wenn sie unerwartet aus der Vergangenheit auftauchen und von Liebenden geschrieben wurden. Hunderte solch bedeutsamer Briefe sind 2005 in russischer Sprache publiziert worden, verfasst zwischen 1922 und 1936 von Boris Pasternak, Marina Zwetajewa und Rainer Maria Rilke.

Mit kenntnisreicher Empathie hat sich jetzt der Biograf und frühere FR-Theaterkritiker Peter Michalzik diesem Werk genähert und es im Stil eines erzählenden Sachbuchs unter dem Titel „Die Liebe in Gedanken“ (Aufbau Verlag) einem deutschsprachigen Lesepublikum zugänglich gemacht. Mit einer die einzelnen Briefe in einen Zusammenhang stellenden Herangehensweise greift Michalzik als Autor ergänzend in den Austausch ein und führt so über die 1983 im Insel-Verlag bereits publizierten Briefwechsel-Auszüge weit hinaus.

Die Briefe im kargen Gepäck

Im Rahmen der Reihe Frankfurter Premieren hat Peter Michalzik das Buch in der Historischen Villa Metzler vorgestellt und den schwierigen Weg nachgezeichnet, der zu diesem umfangreichen Gedanken- und Gefühlsaustausch zwischen Rilke und dem fünfzehn Jahre jüngeren Boris Pasternak sowie der Ikone der Liebeslyrik, Marina Zwetajewa, geführt hat. Fast ohne sich je unmittelbar begegnet zu sein, entfaltete sich zwischen diesen drei Persönlichkeiten eine tiefe Liebesbeziehung, die in Briefen und Gedichten ihren Ausdruck fand und zu einem Höhepunkt der Briefkultur des 20. Jahrhunderts führte. Die Kostbarkeit dieser Zeilen ist den Schreibenden durchaus bewusst. Als Zwetajewa 1939 aus dem französischen Exil nach Russland zurückkehrt, nimmt die verarmte Dichterin nur wenig mit, die Briefe Rilkes hat sie in ihrem kargen Gepäck jedoch sicher verwahrt.

Michalzik treibt die Frage an, wie sich eine solche Liebesbeziehung zwischen drei hochbegabten literarischen Persönlichkeiten über eine so weite Distanz entfalten konnte. Rilke ist bereits schwer erkrankt und lebt im Schweizer Sanatorium.

Aus der Innenperspektive seiner Figuren folgt Michalzik ihrem intimen, wahrhaftigen und philosophischen Ton. Briefteile, die nicht mehr überliefert sind und somit manche Handlungsabläufe im Unklaren lassen, werden rekonstruiert und in einen narrativen Zusammenhang gebracht. So ist es möglich, nicht nur Raum- sondern auch Zeitgrenzen zu überwinden und „das innere Land der Liebenden“ lesend mit zu betreten.

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