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Felicitas von Lovenberg, neue Chefin von Piper.

Piper-Verlag

Die richtige Mischung finden

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Felicitas von Lovenberg, zuvor Literaturchefin der FAZ, wird neue Piper-Chefin.

Ihr beruflicher Werdegang war seit jeher von der Verbreitung eines besonderen Glanzes begleitet. Im stark von Herren mittleren Alters dominierten Kulturteil der FAZ, wo Felicitas von Lovenberg ab 1998 zunächst das Ressort Kunstmarkt betreute, erhielt sie in anspielungsreicher Abkürzung ihres Vornamens denn auch den Beinamen Fee. Ihr zauberhafter Aufstieg in der Welt der Literatur begann jedoch erst 2001 mit dem Wechsel ins Literaturressort der FAZ, das sie von 2008 an verantwortlich leitete. Felicitas von Lovenberg war die erste Frau in dem in der Zeitungslandschaft noch immer mit viel Beachtung versehenen Amt, das von durchsetzungsstarken Publizisten wie Marcel Reich-Ranicki und Frank Schirrmacher geprägt worden war.

In deren Schatten schien die 1974 in Münster geborene Felicitas von Lovenberg auf Dauer nicht verharren zu wollen. Bald nachdem sie bei der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für den verstorbenen Frank Schirrmacher als Herausgeber der FAZ nicht berücksichtigt worden war – einige Zeit hatte sie als Geheimtipp gegolten –, kündigte sie ihren Abschied von der Zeitung aus privaten Gründen an.

Der nun bestätigte Wechsel an die Spitze des Piper Verlages in München ist für Branchenkenner keine allzu große Überraschung. Felicitas von Lovenberg hat sich in Verlagskreisen nicht zuletzt durch ihre Moderation des SWR-Magazins „lesenswert“ einen Namen gemacht, dessen Klang weit über die Zirkel des Feuilletons hinausreicht. Dass literarische Qualität und ein besonderes Gespür für Publikumsgeschmack keine streng voneinander geschiedenen Gegensätze bilden müssen, hat Felicitas von Lovenberg als Literaturchefin der FAZ mit einiger Leidenschaft und damenhafter Grandezza behauptet. Nun wird sie das in dem zum schwedischen Verlagskonzern Bonnier gehörenden Piper Verlag, zu dem ebenso der Berlin Verlag gehört, auch ökonomisch beweisen müssen.

Die Welt, in der man Bücher macht, befindet sich im Umbruch, und Felicitas von Lovenberg soll in dem Verlag, der Erfolgsautoren wie Hape Kerkeling und Charlotte Roche ebenso präsentiert wie die politisch engagierte weißrussische Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, für eine Mischung sorgen, die das eine möglich macht, ohne das andere auszuschließen. Was den Umgang mit wirtschaftlichen Kennzahlen angeht, kann sie vielleicht darauf hoffen, dass in der Not ihr Frankfurter Spitzname weiterhilft.

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