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Katrin Bauerfeind sagt, dass viele am Ideal der Zweisamkeit verzweifeln. Nicht am Alleinsein.

Katrin Bauerfeind

"Richard Gere hatte nie Salat am Zahn"

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Katrin Bauerfeind erzählt von den größten Lügen über die Liebe und von welchen Männern Abstand zu halten ist.

Und wie sie geht, die Liebe, das sagt einem eh keiner. Es gibt keine Tutorials, keine Kurse, keinen Unterricht, nichts. In der Schule lernt man Algebra oder wie man einen Aufsatz schreibt über Effi Briest, die langweiligste Frau, die jemals nicht gelebt hat, aber man lernt nicht, wie man dem sehr lebendigen Markus Schettke aus der Nachbarklasse schreibt, dass man mit ihm knutschen will.“

TV-Moderatorin, Schauspielerin und Autorin Katrin Bauerfeind, aktuell im Ersten im Gespräch mit Dieter Nuhr, hat ihr drittes Buch veröffentlicht „Alles kann, Liebe muss - Geschichten aus der Herzregion“. Mit schönen und amüsanten Geschichten über das Singledasein, über die Liebe als Paar, und überhaupt die Liebe zu seinen Mitmenschen ist die 35-Jährige gerade auf großer Deutschland-Tour. Über ihren eigenen Beziehungs-Status spricht sie nicht. „Ich will mir die Illusion auf das letzte Stück Privatheit bewahren.“ Fürs Buch ist das auch gar nicht wichtig: Man merkt, dass ihre Geschichten authentisch sind.

Die ersten Reaktionen in Ihrem Bekanntenkreis, als Sie verkündeten, dass Sie ein Buch über die Liebe schreiben, waren mäßig. Wie Sie selbst sagen „Über Liebe schreiben sonst nur singende Glückskekse wie Helene Fischer oder alte Frauen wie Rosamunde Pilcher“. Wieso haben Sie sich trotzdem für dieses Thema entschieden, Frau Bauerfeind?
Ich habe immer ein Faible für Themen, die in einer doofen Ecke stehen. Mein erstes Buch war über das Scheitern, das zweite ging um Feminismus und jetzt ist es eben die Liebe. Da draußen in der Welt gibt es viel Hass. Sogar Turnschuhe werden beworben mit dem Satz: „There will be haters.“ Und all dem wollte ich unbedingt etwas entgegensetzen. Hass gilt als ganz ernst und Liebe sofort als kitschig. Gerade jetzt in diesen Zeiten sollte man die Liebe aber nicht dem Zynismus, dem Schlager oder der Werbung überlassen. Wenn selbst Supermärkte jetzt ihre Lebensmittel lieben, läuft definitiv etwas schief. Und deswegen habe ich gedacht, dass wir uns die Liebe schön zurückholen.

Sie sagen auch „Hass ist leicht und Liebe macht Arbeit“ …
Jeden Tag kann man sich entscheiden, ob man versucht, etwas zu suchen, was man an anderen gut oder doof findet. Ich habe diese Erfahrung im Straßenverkehr gemacht. Ich habe bei einer Freuhttp://www.katrinbauerfeind.dendin, die in einer parkplatzschwierigen Gegend wohnt, semilegal halb auf dem Bürgersteig geparkt, weil ich schnell etwas abholen musste. Als ich zurückkam, hatte ich einen Zettel an der Windschutzscheibe und da stand darauf: „Sie parken faktisch vor einer Einfahrt. Beim nächsten Mal: Spiegel ab. Arschloch.“ Und erst dachte ich: „Das ist mir total egal.“ Dann aber lag der Zettel neben mir im Auto und ich habe mich da total reingesteigert.

Und was ist dann passiert?
Ich dachte: Was ist das überhaupt für ein Typ? Wer schreibt denn faktisch in so eine Nachricht? Und wie kommt man von faktisch auf Arschloch? Wieso hat heutzutage überhaupt jemand am helllichten Tag noch Papier dabei? Und innerhalb von fünf Minuten ist man total geneigt, diesen Hass, den man selbst abbekommen hat, irgendjemand anderem weiterzugeben. Aber dann dachte ich: „Eigentlich müssen wir es andersherum probieren.“ Wir müssen Zettel dabei haben, auf denen steht: Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und Liebe. Wir retten mit so einem Zettel hinter der Windschutzscheibe vielleicht nicht die Welt, aber auf jeden Fall die Stimmung eines Menschen für ein paar Stunden.

In diesem Buch schreiben Sie über Ex-Freunde, aber auch den Tod Ihres Vaters. Hatten Sie nicht Zweifel, dass es Stellen gibt, die zu persönlich werden?
Die Geschichten sind ja erst mal Geschichten und das bin ja nicht alles ich. Gäbe es aber nicht diese Wahrhaftigkeit, wäre das Thema verschenkt. Ich schreibe beispielsweise über meine erste große Liebe Markus. Da war ich zwölf Jahre alt. Ich erzähle von dieser Aufgeregtheit, wie man gemeinsam im Kino sitzt, und zum ersten Mal mit jemandem Händchen hält, die Hände sind so nassgeschwitzt wie sonst nur nach dem Händewaschen. Nur eben in viel besser. Dabei geht es nicht darum, ob es Markus wirklich gab.

Sondern?
Alle haben diese erste große Liebe und diesen Moment erlebt, in dem man zum Beispiel denkt: Wenn ich mich jetzt zu doll bewege oder atme, ist alles wieder kaputt. Es geht mir um die Emotion, nicht darum etwas Persönliches von mir zu erzählen. Selbst wenn ich über den Tod meines Vaters schreibe. Die Leute wissen, was es bedeutet, wenn man jemanden gehen lassen muss, den man liebt. Es geht nicht um meine Geschichte, sondern um das Gefühl.

Sie kritisieren auch, dass Erwachsene oft den ersten Liebeskummer belächeln und sagen: „Da kommen noch viele andere.“
Bei mir war der erste Liebeskummer so richtig schlimm und ich dachte: Wenn du dir mit 15 den Arm brichst, dann ist er doch genauso kaputt wie mit 20 oder 70. Wieso gilt das nicht fürs Herz? Das Herz ist doch auch nur so ein Knochen. Die erste große Liebe ist das Gegenteil von Kinderkram, nie wieder rennst du so ohne Plan in eine Beziehung. Also ohne Lebensdrumherumfragen wie: Haben wir dieselben Interessen? Komme ich in eine bessere Steuerklasse? Das alles ist in dem Alter wurscht. Du findest jemanden toll, weil er toll ist: die Haare, das Lachen oder wie er die Nase krauszieht, wenn er etwas nicht blickt …
Sie schreiben: „Wer in meinem Alter noch jemand Vernünftiges sucht, hat genauso viel Chancen, wie auf einer Kreuzfahrt nachts um eins am Büfett noch Lachs zu bekommen.“

Aber sollte man das verzweifelte Suchen trotzdem nicht lieber lassen?
Es ist immer cooler entspannt zu sein als nicht entspannt zu sein. Was aber natürlich schon etwas blöde ist, das jemandem zu sagen, der sowieso schon verzweifelt ist. Ich werde auch oft gefragt, ob ich glaube, ob es die eine große Liebe fürs Leben überhaupt noch gibt. Ich bin der Auffassung: Die Liebe ist etwas unfassbar Individuelles. Wir würden uns weniger sagen lassen, was wir für ein Geschirr haben sollen, als dass wir uns einreden lassen, dass diese Zweisamkeit das Ideal ist. Und klar stimmt das für manche Leute, die finden jemanden und verbringen mit diesem Menschen ihr Leben – und das ist toll. Dann aber gibt es ganz viele andere für die das nicht zutrifft. Vielleicht braucht man zehn Leute, damit es für einen passt, aber ist am Ende genauso glücklich wie jemand, der sein ganzes Leben mit einer Person verbringt. Und manche möchten gar niemanden haben und sind auch damit total happy. Jeder sollte auf sein eigenes Herz hören. Viele sind nicht verzweifelt, weil sie alleine sind, sondern weil sie nicht dem Ideal entsprechen. Und das ist schlecht fürs Herz.

Zu diesem Ideal gehört auch im Jahr 2018 für eine Frau immer noch, Kinder zu bekommen. Sonst scheint ein erfülltes Leben nicht möglich …
Ja, irgendwas hat man nicht geschafft oder irgendwas stimmt nicht mit einem. Ich komme aus Schwaben und ab 30 brauchst du ohne Mann und ohne Kind eigentlich ein Attest. Für die Leute dort ist man damit eine Art Freak (lacht). Mir ist es egal, da ich allein schon wegen meines Jobs in diese Kategorie falle. Aber viele in meinem Umfeld leiden unter diesem Druck und treffen Entscheidungen, die manchmal wenig mit dem eigenen Herz, aber viel mit gesellschaftlichen Normen zu tun haben …

Die Institution Ehe ist auch nicht Ihr Ding.
Ich musste mich davon nie wegarbeiten oder wegemanzipieren. Ich habe einfach nie gedacht: Ich will heiraten. Ich habe mich noch nie im weißen Kleid auf den Altar zulaufen sehen. Ich war mir einfach immer schon ganz sicher, dass ich nicht heiraten will und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Woran liegt das?
Mir ist einfach schleierhaft, warum ich das machen soll. Viele sagen, weil man dadurch Liebe offiziell macht und weil Heiraten eben doch alles ändert. Für mich fühlt sich das nicht so an. Ich will mir weder etwas von einem Pfarrer erzählen lassen, noch finde ich diesen Standesamt-Akt prickelnd. Auf das, was ich maximal Bock hätte, wäre eine geile Party. Aber selbst da scheue ich die Vorbereitungen. (lacht)

Heiraten geht ja heutzutage nicht mal eben so. Brautpaare besuchen Hochzeitsmessen, buchen drei Jahre vorher die Location, eine Live-Band, einen Zauberer und so weiter …
Manche Hochzeiten sind mittlerweile aufwendiger als so manches Stadtfest. Es werden gefühlt gleich mehrere Jahreseinkommen dafür rausgehauen. Ich war neulich auf einer Hochzeit, die war wirklich fett: An einem See mit allem Zipp und Zapp. Auf der Toilette sagte eine Frau, die auch ein Gast war: „Mein Gott, wie sollen wir das jetzt noch toppen?“ Als wäre das der Sinn eines solchen Festes. Manchmal denke ich, dass was den Leuten auf Hochzeitsmessen verkauft wird, ist nicht das, was die Leute im Herzen wirklich froh macht.

Vor der Hochzeit stehen viele Dates, um Mr. Big zu finden. Von welchen Männern raten Sie ab?
Im Buch erzähle ich diese Geschichte, in der ich mit einem Mann zusammen am Tisch sitze und „Parodentose“ sage. Und dann korrigiert er mich und sagt: „Es heißt übrigens Parodontose.“ Aber er sagt das nicht lustig oder nett, sondern in dieser „Ich korrigiere dich“-Art. Von so jemandem würde ich abraten. Oder wenn dir jemand eine SMS schreibt mit den Worten: „Bock auf Kaffee?“ Da denke ich gleich: Ah okay, das ist jetzt dein Einsatz? Das ist wie Winken vom Weiten. Da fehlt jede Form von Verbindlichkeiten. Er könnte sagen: „Ich finde dich super, wollen wir zusammen ausgehen?“

Wie punktet ein Mann bei Ihnen?
Wenn er etwas Intelligentes sagt.

Aber sollte er nicht auch Humor haben?
Das ist immer so ein Frauen-Ding mit dem Lustigen. Kein Mann hat in Kontaktanzeigen jemals nach einer lustigen Frau gesucht. Ich bin lieber selber lustig.

Inwiefern haben Hollywoodromanzen uns die echte Dating-Welt versaut, weil das echte Liebesleben so fern davon ist?
Richard Gere hatte nie Salat am Zahn. In Hollywood-Filmen hat auch nie jemand am nächsten Morgen zehn Minuten in einer ausgeleierten Unterhose seinen zweiten Socken gesucht und ihn neben einem halb gegessen Hanuta unter der Couch wiedergefunden. Das sind Situationen, wo man denkt: Uh, das passiert offensichtlich nur in meinem Leben. (lacht)

Sie sind auch Schauspielerin. Wenn es eine Neuauflage der großen Hollywoodromanzen gäbe, in welcher würden Sie gerne die Hauptrolle spielen?
„Pretty Woman“. Das ist der tollste Film ever. Allein die Dialoge. Wenn Richard Gere sagt: „Sie sitzen auf meinem Filofax.“ Und Julia Roberts antwortet: „Was auch immer das ist, auf so etwas habe ich noch nie gesessen.“ Oder: „Edward, das ist mein Lieblingsname!“ (lacht)

Wenn Sie Julia Roberts ersetzen, wer würde Geres Part übernehmen?
Ryan Gosling natürlich. Er ist nicht nur ein toller Schauspieler, sondern er hat, wie wir alle seit „The Notebook“ wissen, diese besondere Art zu gucken. Als ich diesen Film sah, dachte ich: Jede Frau sollte einmal im Leben von einem Mann so angeguckt werden wie Rachel McAdams von Ryan Gosling. Damit hat er auf jeden Fall mehrere Herzen gewonnen.

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