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Retrospektive der Zukunft: "Berlin - City in Space"

Nach all den unnützen und koketten Büchern über Berlin kommt nun ein erstaunliches Kompendium über die Architektur der fünfziger bis in die siebziger Jahre.

Von ULF ERDMANN ZIEGLER

Nach all den unnützen und koketten Büchern über Berlin kommt nun ein erstaunliches Kompendium über die Architektur der fünfziger bis in die siebziger Jahre. Es zeigt, wie zwei Traditionen - die des Westens und die des Ostens - in der Stadt fortleben und sich in einem Topos treffen, der dem Buch den Titel gegeben hat: Berlin - City in Space. Die Idee, im Zeitalter der Raumfahrt zu leben, hat die Architektur auf beiden Seiten aufs Schrillste inspiriert.

Es sind fast ausschließlich die farbigen und ausladenden Bauten und ihre Interieurs, nach denen der Fotograf Tobias Madörin und sein Herausgeber Lurker Grand gesucht haben. Im großen, strengen Format der Architekturkamera, hell erleuchtet und ohne Publikum, wirkt dann sogar das kleinbürgerliche Ambiente der Ku'dammdisko Big Eden wie eine spannende "location", und der Kinosaal der Tschechischen Botschaft schwebt mühelos über dem sozialistischen Plüsch.

Dem Buch sind in einem Plastikschuber vier Heftchen beigegeben, eines mit schwarzweißen Fotos und die drei anderen mit elaborierten kurzen Erläuterungen auf Deutsch, Englisch und Spanisch. Das heißt, zum einen ist dies der Kultführer für die internationale WG, zum anderen ein cooler, farbiger Bildband, dem man die Inspiration durch den spanischen Verlag Actar anmerkt, eine neue Kreuzung aus Bilderbuch und Wissensbuch, nicht zu groß, sehr dicht, gut organisiert und phantastisch gedruckt.

Es könnte sogar sein, dass die Ostler über den Osten genauso verwundert sein werden wie die Westler über den Westen. Wer hat denn schon den Kopf in den Nacken gelegt, um im Foyer des Fernsehturms eine Lampe zu erblicken, die aussieht wie die Mischung aus einem UFO und einem japanischen Sonnenschirm? Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Wohnungskomplex der DEGEWO, der in Wilmersdorf über die Autobahn gebaut ist wie ein Fels in Flux, retrospektiv ein ideales Bild der Zukunft abwerfen würde?

Zum einen ist dieses Buch ein Archiv mit einem knappen Register: Öffentliche Gebäude, Kneipen und Bars, Geschäfte, Kinos, Bäder, Siedlungsbau, transportable Häuser, Kulturbauten, U-Bahnhöfe. Zum anderen errichtet es eine phantasy-Welt, ein zeitgenössisches ästhetisches Kontinuum, in dem die Unterscheidung von gutem und schlechtem Geschmack keine große Rolle mehr spielt. Ein jeder bunter Pavillon hat hier sein Geheimnis. Eine Ausnahme bildet der Palast der Republik, schon halbnackt, weil er uns zurückschießt in die ernsten Debatten um die Zukunft der Stadt, und an den Kleinmut der Betreiber erinnert, die von Schlüter und Schinkel träumen und auf Zumthor die Bagger loslassen.

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