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Rauchende Berge, rauchende Köpfe

Wissenslöcher gestopft von zwei Jung-Forscherinnen mit einem Vulkan-Buch und von Christoph aus der "Sendung mit der Maus"

Von JÖRG FEUCK

Vorsicht, heiße Ware! Hier flirrt es in glühender Hitze, regnet es Funken und Asche, platzen Gasblasen und blubbert gelber Schwefel - aber keine Angst, nur auf Fotos, Schaubildern und in Texten. In die faszinierende Welt der Feuer speienden Vulkane und der Lavaströme entführen uns zwei junge Frauen, die wirklich genau Bescheid wissen - aus eigener Forschung und Anschauung auf Reisen von Island bis Arizona. Die Buchautorinnen Sabrina Ließ und Julika Riegert haben mehrfach mit ihrem Lieblingsthema Vulkanismus am Schülerwettbewerb "Jugend forscht" teilgenommen, Preise eingeheimst und überhaupt einen tollen Lehrer gehabt, der begeisterte und anspornte. Eine gute Schule also - wohl deshalb schreiben sie auch so schön direkt und verständlich.

Und unterhaltsam: Gut zu wissen etwa, dass der römische Schmiedegott Vulcanus hieß, das Donnern und Grollen tief in der Erde als sein Hämmern gedeutet wurde. Auf wirklich jeder Buchseite lernt man was dazu: Wie Gestein zu besonderem Lavabrei schmilzt, wann Magma zu Lava wird, warum Erdkrustenplatten auf dem Erdmantel schwimmen und zusammenstoßen, aneinander reiben, schrammen und auch mal was verschlucken. Genau an diesen Stellen ist vulkanologisch gesehen die Hölle los. Geheimtipp der Frauen am Rande: Man kann dieses Herumdriften mit Tomatensuppe, Herdplatte und einem Zwieback ganz gut nachstellen ?

Bei diesem Expertinnen-Duo leuchtet einem der Unterschied zwischen einem Schicht- und Schildvulkan sofort ein. Kapiert man, was zum Krater, was zum Kessel gehört. Dass ein Vulkan hawaiianisch oder strombolianisch spucken kann. Und dass er Verwandte hat: Geysire und heiße Quellen, die sich als Fontänen dicke machen. So ein Geysir ist im Handumdrehen in die heimische Küche geholt: mit Strohhalm, Trichter, Wasserbehälter ?

Die beiden Jung-Forscherinnen klammern auch nicht das heutige, das gefährliche Leben der Menschen aus, die Vulkane als Nachbarn haben, die partout keine Ruhe geben wollen. An manchen Ecken der Welt haben die wilden Erdenergien aber auch ihr Gutes: In der isländischen Hauptstadt sorgen sie als Erdheizung dafür, dass es auf den Straßen nie Glatteis gibt. Das kraftvolle Super-Buch endet mit einem Interview mit einem Vulkanforscher und der Erkenntnis, dass wir in Deutschland, dank ziemlich träger Feuerspucker, keine allzu große Angst haben müssen: Der letzte große Vulkanausbruch war vor 11 000 Jahren in der Eifel.

Ein ähnlich weites Themenspektrum hat sich auch Simon Adams in seinem Buch der Vulkane vorgenommen. Die großformatigen Illustrationen zeigen, dass er die etwas jüngeren Nachwuchs-Geologen im Blick hat. Leider recht nüchtern erklärt er Hot Spots und rauchende Schlote, das Aussehen von Schlacken und den Wiedereinzug der Vegetation nach einer Zerstörung durch Lavawalzen. An dem übersichtlichen Glossar werden auch Eltern ihre Freude haben, denen es auf Schnelligkeit ankommt, wenn ihnen Löcher in den Bauch gefragt werden.

Wissenslöcher stopft allemal auch Christoph Biemann (der Christoph mit dem grünen Sweatshirt aus der Sendung mit der Maus). In seinem neuesten Experimente-Buch stillt er fast jede Neugierde. Seine Masche heißt: lesen, herausfinden, lernen, behalten, anwenden - und verblüffen. Auf wunderschön bebilderten Seiten hangelt sich Christoph (der allerdings nervenderweise allzu oft mit Staune-Miene zu sehen ist) durch die Geschichte der großen Denker und Entdecker und ergänzt diese Parade durch zeitgemäße Experimente. Das fängt mit der Erfindung des Rades und der archimedischen Wasserschnecke an und endet mit dem Nachweis, dass Eierschalen eine Menge tragen und aushalten können.

Christoph fährt so viele Berühmtheiten auf, dass einem fast schwindlig wird: den Mathematiker Galileo Galilei und den Vakuum-Spezialisten Otto von Guericke, Benjamin Franklin, den Erfinder des Blitzableiters, und Justus von Liebig, den Dünger-Pionier. Und dazu soll man auch noch allerhand Versuche machen: Die Oberflächenspannung durch schwimmende Streichhölzer mit Seifenantrieb testen, Kupfer-Büroklammern zurechtbiegen und Äpfel oder Zitronen herbeischaffen, um Strom zu produzieren, Strohhalme zum Schein im Wasserglas brechen lassen, Brausepulver-Raketen zünden, das eigene Gehirn mit optischen Phänomenen austricksen ?

Mit dem Buch lassen sich locker monatelang die Nachmittage ausfüllen. Und bei so vielen heißen Ideen raucht einem manchmal der Kopf. Das ist ja wie bei Vulkanen ?

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