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Native Americans, vor ihnen erstreckt sich texanisches Land.

Kriminalroman

„Heaven, My Home“ - Attica Lockes zweiter Roman über Rassismus

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Attica Lockes zweiter Roman über Rassismus im Süden der USA und einen schwarzen Texas Ranger.

  • Attica Locke veröffentlicht zweiten Kriminalroman mit Titel „Heaven, My Home“
  • Roman thematisiert erneut Rassismus im Süden der USA
  • Aktueller Bezug: Attica erzählt von US-amerikanischen Rassismus in Zeiten Donald Trumps

Gerade ist Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Auch darum ruft Darren Mathews’ Chef den Texas Ranger zu sich, er möchte auf keinen Fall eine Gelegenheit verstreichen lassen, Teile der Arischen Bruderschaft von Texas (ABT) noch zügig hochzunehmen. Denn „wer weiß, wie das ausgeht“ mit einem neuen Mann im Weißen Haus und einem neuen Justizministerium, die, diplomatisch ausgedrückt, „andere Prioritäten“ haben. Er schickt Ranger Mathews also in ein Kaff namens Hopetown am (nicht fiktiven) Caddo Lake, wo der neunjährige Sohn eines im Gefängnis sitzenden ABT-Captains verschwunden ist: Bill King ist bereit auszusagen, wenn die Polizei seinen Sohn findet.

Attica Locke thematisiert erneut Rassismus im Süden der USA

Zum zweiten Mal nach „Bluebird, Bluebird“ lässt die afroamerikanische Autorin und TV-Produzentin Attica Locke in „Heaven, My Home“ ihren schwarzen Texas Ranger an Orten ermitteln, wo Familienstammbäume von Rassismus getränkt sind, wo der Hass gleichsam weitervererbt wird. Aber nein, aus dem kleinen Levi King muss nicht automatisch ein Rassist werden, nur, weil seine Eltern welche sind: Das ist Darren Mathews’ Mantra, um sich zu Gewissenhaftigkeit anzuspornen. Was besonders nötig ist, da bald der alte schwarze Leroy Page in Verdacht gerät. Und ausgerechnet Darrens bester (weißer) Freund Greg, FBI-Agent, an diesem Fall beweisen möchte, wie unparteiisch, gleichsam komplett farbenblind die Polizei ist. Plötzlich tut sich zwischen den beiden Ermittlern Fremdheit auf, entsteht Misstrauen.

Das Buch

Attica Locke: Heaven, My Home. Kriminalroman. Aus dem Englischen von Susanna Mende. Polar, Stuttgart 2020. 328 S., 20 Euro.

Lockes Hopetown ist eine „sterbende Kleinstadt“, durch die prekäre, heillose Grenzen laufen. Da sind ein paar wohlhabende Weiße, Nachkommen einer Sklavenhalterfamilie. Da gibt es ein paar Nachkommen jener Sklaven, Leroy Page ist so etwas wie ihr Patriarch mit Landbesitz. Er hält eine schützende Hand auch über die Native Americans, Hasinai oder Háynay in ihrer Sprache Caddo, die in der Nähe (auf seinem Grund) leben: Gleichermaßen Diskriminierte, von den Weißen Verachtete halten hier immerhin zusammen – aber da ist leider noch der (weiße) „Abschaum“ (Page) im Trailer-Park, darunter Kings Frau, die inzwischen mit einem anderen Rassisten und Drogenhändler zusammenlebt. Sie sehen nicht nur durch Darren Mathews hindurch, als wäre er Luft, sie beleidigen und bedrohen ihn. Und wenn Leroy Page vorbeikommt, setzen sie sich auf die Stufen ihrer Wohnwagen und geben „Warnschüsse“ ab.

Aktueller Bezug - US-amerikanischer Rassismus in Zeiten Donald Trumps

Attica Locke erzählt diesmal vom US-amerikanischen Rassismus in Zeiten Donald Trumps – von fatal ermutigten Rassisten also. Aber auch vom „Abschaum“-Milieu, in dem die Menschen „elend und unterversorgt“ sind. Sie sind neidisch, wenn andere – besonders Schwarze – etwas mehr haben. Es macht ihnen Angst, dass sie sich vielleicht bald nicht mehr für etwas Besseres halten können wegen ihrer Hautfarbe.

„Heaven, My Home“ ist ein komplexer Roman. Das liegt vor allem auch an der Figur Darren Mathews’, des Rangers, der durchaus nicht immer den geraden, gerechten Weg geht. Der eher mal mit ausgleichender Gerechtigkeit flirtet, zugunsten „seiner Leute“, die eine echte Heimat nicht erst im Himmel finden sollen.

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