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Rafik Schami.

Rafik Schami in Frankfurt

Rafik Schami: Nicht-Europäer für den Heiligen-Himmel gesucht

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Alles von A bis W: Offenherzig stellt Rafik Schami im Schauspielhaus Frankfurt „Die geheime Mission des Kardinals“ vor.

In einer Diktatur, wo Wahrheit nicht erwünscht ist, sind Fragen oft gefährlich“, erklärt Rafik Schami als er im Schauspiel Frankfurt sein aktuelles Buch „Die geheime Mission des Kardinals“ (Hanser) vorstellt. Wer den Verwandten 7. Grades eines diktatorisch regierenden Präsidenten einer kriminellen Tat verdächtigt und befragt, werde umgehend selbst zum Angeklagten. Das habe zur Folge, dass der Beruf des Kriminalpolizisten in einem Land wie Syrien heikel sei. An solchen Hinweisen wird den rund 700 Zuhörerinnen und Zuhörern, die zu der vom Literaturhaus initiierten Lesung gekommen sind, spürbar, dass es sich in dem Roman des syrischen Autors, der während der Regierungszeit von Hafez al-Assad 1971 ins Exil nach Deutschland floh, nicht um vertrautes Krimi-Terrain handelt.

Stehend, ohne ein Papier in der Hand, erzählt der 1946 in Damaskus geborene Autor Rafik Schami dem Publikum knapp zwei Stunden ohne Pause von „A bis W“, wie er sagt, den Inhalt seines Buches. XY müsse ausgespart bleiben. Rafik Schami vermittelt erstaunlich genau den Inhalt, gibt Überraschungen preis, die beim Lesen des Buchs die Spannung beschleunigen. Aber Schami hat keine Scheu, zu viel zu verraten. Zu stark scheint sein Wunsch, über die komplexe Realität in Syrien zu sprechen.

So erhält man wie nebenbei Informationen über die in der syrischen Gesellschaft vertreten Religionen, sowie kulturelle, geographische und politische Details. Im mündlichen Vortrag tritt die Mimik der Figuren hervor. Man sieht beim Erzählen die Autorität eines Emirs, der als Befehlshaber der neu ausgerufenen Islamischen Republik einen Staat im Staat anführt, oder die Ernsthaftigkeit des Drusen Schukri, der als verlässlicher Hauptmann an der Seite von Kommissar Barudi ähnlich konsequent gegen die Unterdrückungsmechanismen von oben antritt.

Auch um die besondere Nähe zwischen Italien und Syrien geht es. Denn der Kardinal, der in geheimer Mission nach Damaskus kam und wenig später in einem Olivenholzfass ermordet zur italienischen Botschaft gebracht wird, kam im Auftrag des Papstes aus Rom, um in Syrien eine Wunder vollbringende und auszeichnungswürdige Person zu finden. Im Heiligen-Himmel, so Schami, gebe es bisher nur Europäer.

Neben religions- und diktaturkritischem Spott streut Rafik Schami, der als Chemiker ausgebildet ist, auch immer wieder skeptische Beobachtungen über Wundertaten in seine Erzählung ein. Er erläutert auch die Einstellungen der beiden Päpste Benedikt und Johannes Paul, die beide gegenüber Wunderheilern gegensätzliche Positionen einnehmen.

Immer wieder tauchen im Roman reale Persönlichkeiten der Zeitgeschichte auf. Ganz besonders freut sich der Autor, als bei der Erwähnung des Namens „Berlusconi“ das Publikum kurz auflacht. Das, so erzählt er, sei an all den Orten, an denen er bisher in Deutschland und in der Schweiz gelesen habe, gleich gewesen. „Sein Name ist allen ein Witz.“

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