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Peter Temple

Der rabiate Mediator

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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In Peter Temples lakonischen Krimis ist Australien nicht gerade ein Urlaubsland.

Es ist der witzigste und der traurigste Krimianfang der Saison, und geschrieben hat ihn der Australier Peter Temple. Frank Calder, den man seit vergangenem Jahr, als Temples "Kalter August" auf Deutsch erschien, auch hierzulande kennen kann, Frank Calder also hat den Polizeidienst verlassen und arbeitet nun als "Mediator". In Erfüllung seiner neuen Aufgabe klopft er an die Tür eines Mannes, der seiner Frau Unterhalt schuldet. Dieser versteht beim Wort "Konfliktberater" nur Bahnhof ("Verkaufen? Ich will nix."), reagiert aber umso eindeutiger auf den Satz "Ihre Frau hat mich gebeten, mit Ihnen zu sprechen ...". Calder muss ein paar Polizeigriffe anwenden gegen den "außer Kontrolle geratenen Alkoholtanker". Der Mann stürzt von seiner Veranda, in die staubige Vegetation - und Calder kann es sich nicht verkneifen, er verabschiedet sich mit einem veritablen Arschtritt. Dann denkt er, einen Satz lang nur, darüber nach, was aus ihm selbst und den "grenzenlosen Chancen" seiner Kindheit geworden ist.

Peter Temples Australien hat nichts mit dem Urlaubsland zu tun, das man so großartig bebildern kann. Es ist ein Land der gesellschaftlichen Konflikte und Härten, der Armut, Kleinkriminalität und Drogen-Abhängigkeiten. Blasse Frauen halten Kinder auf dem Arm, Jugendliche hängen am Straßenrand rum, in der Hoffnung, dass was passiert.

In "Shooting Star" passiert dies: Die 15-jährige Anne Carson, ein ziemliches Früchtchen, wird entführt. Ihre Familie ist reich und möchte stillschweigend zahlen, Frank Calder soll die Geldübergabe professionell abwickeln. Doch der ehemalige Cop recherchiert auch, ein bisschen nur - und dann, als er hört, dass schon einmal ein Mitglied der Carson-Familie entführt wurde, ein bisschen mehr.

Dass allerlei Seltsamkeiten über den Carson-Clan ans Licht kommen werden, es versteht sich von selbst und ist den Genre-Regeln geschuldet. Aber die Handlung ist, obwohl spannend, nicht das Wichtigste bei Peter Temple. Es ist die Mischung aus Lakonik, Illusionslosigkeit, Beobachtungsschärfe und Menschenliebe, die Wahrheit seiner sparsamen Dialoge, die skrupulöse Zeichnung seiner Charaktere, die nie bloße Vehikel einer Handlung sind.

Ein Happy-End kann man von Temple nicht haben. Aber wenigstens schickt er Calder zuletzt auf eine hübsche Veranda zu wohlerzogenen Leuten.

Peter Temple:

Shooting Star.

Aus dem Englischen von Hans M. Herzog. C. Bertelsmann, München 2008, 288 Seiten, 17,95 Euro.

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