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Laurie Simmons
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Laurie Simmons

Fotobuch

Im Tal der Puppen

Laurie Simmons' erste Fotografien

Man kann sich die Zeit, in der Fotografie noch keine Option in der Kunstausbildung gewesen ist, nicht mehr recht vorstellen, aber für eine Künstlerin, die heute in ihren frühen Fünfzigern ist, war das noch eine Realität. Im Jahre 1976 hatte die junge Laurie Simmons einen Auftrag an Land gezogen, mit dem sie hoffte, etwas Geld für ihr Studium zu verdienen. Für den Katalog eines Spielwarenhändlers sollte sie Puppenhäuser fotografieren. Nun, ihre Fotos wurden zwar nicht genommen, dafür aber hatte sie gefunden, was heute, da es sogar eine Becher-Schule für professionelles Fotokünstlertum gibt, allen Studenten dringlichst ans Herz gelegt wird: ein Thema fürs Leben.

Laurie Simmons gehört neben ihren ebenfalls in Los Angeles arbeitenden Kollegen Mike Kelley, Tony Oursler, Jim Shaw und Paul McCarthey zur Fangemeinde des englischen Wortes abject. Gemeint ist mit diesem schwer übersetzbaren Wort jene Verbindung von fies, elend, gemein und gruselig, die allerhand Alltagsgegenstände in uns erwecken können, am besten aber wohl altes Spielzeug. Lange bevor der überschätzte deutsche Künstler Thomas Schütte auf die Idee kam, sich in die Perspektive anthropomorpher Püppchen zu begeben, fand Simmons ihre kleine Welt im Tal der Puppen.

So hieß bekanntlich einmal ein Krimi über Hollywood, und auch in Laurie Simmons dramatisch ausgeleuchteten Puppenstuben finden sich allerhand Kinoassoziationen. Das Schwarzweiß dieser frühen Modellwohnungen mit deutlicher Präferenz für Badezimmer lässt die - wenn auch stets vagen - Kinogefühle besonders deutlich zu Tage treten. Hier sind, industriell vorgefertigt, ebenjene Badezimmer, in denen Morde unter der Dusche geschehen können und diese Küchen, in denen man den zweimal klingelnden Postmann empfängt, dicht beieinander. Und manchmal steht die Wanne gleich im Wohnzimmer, was dann besonders abject aussieht: Wer reinigt sich dort wohl vom finsteren Tagewerk oder zerteilt seine Leichenteile? Ein fieses Hausfrauenpüppchen im Gewand der vierziger Jahre.

Laurie Simmons, die ihre Arbeit zur gleichen Zeit aufnahm wie Cindy Sherman ihre Untitled Film Stills hat diese Zeitgenossenschaft inzwischen ironisch thematisiert: Da hängt dann in einer ihrer neueren fotografierten Puppenstuben ein winziges Sherman-Foto an der Wand. In den frühen Arbeiten wirken die feministisch geprägten Rollenspiele in der Puppenstube indes noch roh und ein wenig selbstzweckhaft - der trockene Humor, der den stets auch verspielten Puppenspielen innewohnt, weist indes weit über die Entstehungszeit hinaus - geradewegs in Richtung eines spaßfreudigen Postfeminismus.

DANIEL KOTHENSCHULTE

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